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Der verstorbene ehemalige Würzburger Oberbürgermeister Klaus Zeitler

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    Umstrittener Ex-OB: Würzburger CSU gegen eine "Zeitler-Straße"

    Der ehemalige Würzburger Oberbürgermeister Klaus Zeitler hat in seiner politischen Karriere polarisiert. Ein halbes Jahr nach seinem Tod macht jetzt die CSU-Fraktion gegen eine Straßenbenennung nach Zeitler mobil - wegen "rassistischer Gedanken".

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    Von
    • Jochen Wobser

    Soll in Würzburg eine Straße nach dem 2020 verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeister Klaus Zeitler benannt werden? Gegen diese Möglichkeit bezieht jetzt die CSU-Fraktion im Würzburger Stadtrat eindeutig Stellung. In einer Pressemitteilung zweifelt die CSU-Fraktion an, dass Zeitler, der von 1968 bis 1990 das Würzburger Stadtoberhaupt war, ein würdiger Kandidat für eine Straßenbenennung ist.

    Kritik an "rassistischen" und "fremdenfeindlichen Standpunkten"

    Laut CSU-Stadtrat Emanuele La Rosa habe Zeitler in der Vergangenheit öffentlich "rassistische Gedanken" geäußert. 1992 sei der ehemalige Sozialdemokrat Zeitler in die Republikaner eingetreten, die auch bei seinen eigenen Kommunalwahlkämpfen offensiv mit fremdenfeindlichen Standpunkten geworben hätten. Außerdem führt die CSU-Fraktion mehrere Zitate aus Zeitlers 1989 veröffentlichtem Buch "Jahrgang 1929. Eine Jugend in Deutschland" an.

    Dieses Buch enthalte "einige Formulierungen, die durchaus als kritisch einzustufen sind", heißt es in der CSU-Mitteilung - etwa Passagen, die eine angebliche "Überlegenheit der arischen Rasse" thematisieren.

    Eine "Klaus-Zeitler-Straße" wäre ab 2023 möglich

    Die Würzburger CSU reagiert damit auf einen Mitte April gefassten Beschluss im Hauptausschuss des Stadtrats. Am 15. April hat sich der Ausschuss mit einem Antrag der Würzburger AfD-Fraktion beschäftigt, eine Straßenbenennung nach Klaus Zeitler in die Wege zu leiten. Mit 11 zu 4 Gegenstimmen hat der Hauptausschuss einer Beschlussvorlage zugestimmt, wonach Klaus Zeitler bereits als Vorschlag auf die Straßennamenliste der Stadt aufgenommen sei. Der Antrag müsse deshalb nicht weiterverfolgt werden. Eine Benennung würde jedoch erst drei Jahre nach dem Tod Klaus Zeitler möglich, also ab dem Jahr 2023 - soweit beispielsweise vom Stadtarchiv keine Einwendungen zur Eignung erhoben werden.

    Würdig für einen Straßennamen? CSU reicht Prüfantrag ein

    Der Antrag der AfD ist damit also gewissermaßen vom Tisch. Die Diskussion um eine mögliche "Klaus-Zeitler-Straße" aber bleibt. Der Grünen-Stadtrat Konstantin Mack betont, dass das Votum im Hauptausschuss "letztlich einer Ablehnung" des AfD-Antrags gleichkomme. "Eine Straßenbenennung nach Zeitler ist somit weder beschlossen worden, noch wäre das meiner Meinung nach eine richtige Entscheidung".

    Und die CSU-Fraktion, von deren Stadträten Wolfgang Roth, Sabine Wolfinger, Emanuele La Rosa und Rainer Schott die Gegenstimmen im Hauptausschuss kamen, stellt fest: Man habe einen Antrag auf Überprüfung eingereicht, ob der verstorbene Altoberbürgermeister zurecht als Vorschlag auf die Würzburger Straßennamenliste aufgenommen wurde.

    Von der SPD zu den Republikanern

    Der am 23. Dezember 2020 im Alter von 91 Jahren verstorbene Klaus Zeitler war mehr als 20 Jahre Oberbürgermeister und war darüber hinaus 20 Jahre Mitglied des Stadtrats. Seit den 1950er-Jahren war er zunächst Mitglied der SPD. Anfang der 1990er-Jahre verließ er die Partei und trat den Republikanern bei, für die er von 1996 bis 2003 im Stadtrat saß. Dann wechselte Zeitler zur "Würzburger Liste". Erst 2014 schied er mit Ablauf seiner letzten Mandatszeit aus dem Stadtrat aus.

    Nach seinem Tod bezeichnete ihn der amtierende Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) als einen "Oberbürgermeister, der die Stadt Würzburg nachhaltig geprägt hat. Dabei zeichneten ihn Eigenschaften wie Disziplin und Tatkraft, Stehvermögen und Durchsetzungsfähigkeit, Gerechtigkeitssinn und Liberalität aus sowie ein hervorragendes Gespür für das, was die Bürgerinnen und Bürger bewegte".

    Fürsprecher betonen Verdienste für die Stadt

    Auch Willi Dürrnagel, aktuell dienstältester Würzburger Stadtrat und in Zeitlers ehemaliger Fraktion der "Würzburger Liste", hebt die Verdienste Zeitlers hervor. Dieser habe "hervorragende Arbeit als Oberbürgermeister" geleistet, so Dürrnagel im Gespräch mit dem BR. Eine Straßenbenennung nach Zeitler halte er für gerechtfertigt, auch wenn Zeitler "Fehler gemacht und zweifelhafte Ansichten geäußert" habe. Diese habe Zeitler aber in der Rückschau bereut, meint Dürrnagel.

    Würzburger Straßennamen in der Diskussion

    Die Diskussion um eine mögliche "Zeitler-Straße" fällt in eine Zeit, in der die Straßenbenennungen in Würzburg ein vielbeachtetes Thema sind. Erst vor einigen Monaten hat die Würzburger Straßennamenkommission nach vier Jahren Arbeit einen etwa 30-seitigen Bericht vorgelegt. Dieser enthält Empfehlungen dafür, wie mit Straßennamen umgegangen werden sollte, die beispielsweise nach Unterstützern, Sympathisanten oder Nutznießern des NS-Regimes benannt sind.

    Hierzu soll voraussichtlich im Herbst ein Bürgerdialog anlaufen, bevor dann die konkreten Umbenennungsbeschlüsse in den Stadtrat eingebracht werden. Konkret geht es um neun Straßennamen, bei denen die Kommission Handlungsbedarf sieht, weil die Namensträger in der NS-Zeit eine problematische Rolle innehatten.

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