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© Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Mainfranken-Rhön
Bildrechte: Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Mainfranken-Rhön

Zerstörungen an Bahnstrecke der "Steigerwaldbahn"

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    Umstrittene Steigerwaldbahn-Trasse beschädigt

    Die Trasse der Steigerwaldbahn ist im Bereich von Gerolzhofen durch unsachgemäße Baggerarbeiten beschädigt worden. Das beklagt der Verkehrsclub Deutschland und fordert mehr Transparenz bei der Potenzialanalyse zur Reaktivierung der Strecke.

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    Von
    • Norbert Steiche
    • BR24 Redaktion

    In den vergangenen Wochen war ein Kettenbagger auf der seit vielen Jahren nicht mehr genutzten Strecke der Steigerwaldbahn unterwegs, um sie von Büschen und Sträuchern freizuschneiden. Dadurch sei die Trasse im Bereich von Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt auf einer Länge von über 1,2 Kilometern beschädigt worden. Das beklagen der Kreisverband Mainfranken-Rhön des Verkehrsclub Deutschland, kurz VCD, und des Fahrgastverbands Pro Bahn in einer Presseerklärung. Diese Beschädigung haben die beiden Verbände auch der zuständigen Regierung von Mittelfranken mitgeteilt.

    Vorwurf: Öffentliche Infrastruktur beschädigt

    Durch die Nutzung eines Kettenbaggers seien "starke Zerstörungen der Schwellenkörper" aufgetreten. So könnte in die beschädigten Betonschwellen Wasser eindringen und den eingebetteten Armierungsstahl beschädigen. Für die Schäden machen die beiden Verbände und Befürworter einer Reaktivierung der Steigerwaldbahn ein Schrottunternehmen verantwortlich, das die gesamte Strecke von der Deutschen Bahn gekauft hatte. Durch die Nutzung eines Kettenbaggers sei die "öffentliche Infrastruktur beschädigt worden."

    Fahrgastpotential noch unklar

    Die Strecke ist noch immer für den Bahnverkehr zugelassen. Letzten Freitag veröffentlichte jedoch die Bayerische Eisenbahngesellschaft, kurz BEG, das Ergebnis einer sogenannten Potenzialanalyse, wonach es bei einer Reaktivierung der knapp 50 Kilometer langen Gesamtstrecke nur gut halb so viel Fahrgastpotenzial wie nötig gäbe. Zwei andere Gutachten kamen zu weit höherer Nachfrage. Der VCD-Kreisverband Mainfranken-Rhön zeigte sich verwundert über die große Diskrepanz und fordert eine vollständige Offenlegung aller Berechnungsverfahren.

    Landkreise wollen sich Gutachten erklären lassen

    Auch das Landratsamt Schweinfurt zeigte sich gestern überrascht über die ermittelte geringe Fahrgastnachfrage und will sich nun gemeinsam mit dem Landkreis Kitzingen das aktuelle Gutachten von einem Sachverständigen der BEG in einem persönlichen Gespräch erklären zu lassen.

    Pilotprojekt mit autonomen Bussen

    Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck, die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber und die Landtagsabgeordneter Barbara Becker (alle CSU) schlagen unterdessen vor, die Trasse im Rahmen eines "bundesweit einmaligen Pilotprojekts für einen zeitgemäßen, modernen, flexiblen und ökologischen Öffentlichen Personennahverkehr" zu entwickeln.

    Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung von Eck, dass das Konzept "beinhaltet, auf der gesamten Strecke zwischen Schweinfurt und Kitzingen ein kombiniertes Verkehrssystem, bestehend aus einem gut ausgebauten Radweg und zusätzlich, durch einen Grünstreifen und Sicherheitseinrichtungen vom Radweg getrennt, einer Fahrbahn für autonom fahrende Busse" zu schaffen. Darauf sollten von ZF entwickelnde autonom fahrende Busse, sogenannte "People-Mover" unterwegs sein. Diese "verrichten bereits erfolgreich auf Flugplätzen und Messegeländen in Europa ihren Dienst," schreibt Eck.

    Der VCD Kitzingen begrüßt das Vorhaben, fordert aber gleichzeitig eine unabhängige Machbarkeitsstudie dazu, um Fragen zu Breite, Kapazität, Geschwindigkeit, Investitions- und Betriebskosten zu klären.

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