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Umstrittene Spende: Wie verwenden die Kirchen ihre Gelder? | BR24

© pa/dpa/Georg Wendt

03.12.2019, Hamburg: Pressekonferenz über das neue Bündnis "United4Rescue - Gemeinsam Retten!"

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Umstrittene Spende: Wie verwenden die Kirchen ihre Gelder?

Landesbischof Bedford-Strohm will ein zusätzliches Seenotrettungsschiff ermöglichen, der Münchner Kardinal Marx gibt 50.000 Euro dazu. Dieses Engagement hat zu Kritik geführt und die Frage aufgeworfen, wie Bischöfe über Spendenmittel verfügen können.

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Die Kirchen zählen zu den größten Unterstützern der zivilen Seenotrettung. Die evangelische Kirche und der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm wollen sogar ein zusätzliches Rettungsschiff im Mittelmeer ermöglichen. Der katholische Erzbischof von München unterstützt dieses Vorhaben mit 50.000 Euro. Die großzügige Spende von Kardinal Marx hat allerdings auch für einen gewaltigen Shitstorm gesorgt.

AfD-Abgeordneter: Marx veruntreut Gelder und fördert Schlepper

Schon zum dritten Mal spendet Kardinal Reinhard Marx für die Seenotrettung im Mittelmeer. Immer 50.000 Euro. Immer begleitet von einer öffentlichen Diskussion darüber. Diesmal hat Marx 50.000 Euro an das von der Evangelischen Kirche initiierte Bündnis „United4Rescue“ überwiesen. Diesmal war die Kritik an der großzügigen Spende besonders laut. Vor allem Abgeordnete der AfD haben die Spende des Kardinals an die Seenotretter kritisiert. Aus politischen Motiven. „Marx veruntreut 50.000 Euro und fördert damit das Geschäft der Schlepper“, twittert ein Abgeordneter. Und der stellvertretende AfD-Bundessprecher Stephan Brandner bittet den Kardinal in München um Auskunft darüber, ob auch seine Kirchensteuern für diesen Zweck aufgewendet worden seien.

© BR

Die Kirchen in Bayern engagieren sich finanziell für die Seenotrettung von Flüchtlingen und werden dafür auch massiv kritisiert. Die Spenden der Gläubigen seien für Opfer von Naturkatastrophen gedacht - ein Argument, das Seenotretter Reisch empört.

Seenotretter Reisch: wichtiges Statement der Kirche

Dagegen betont der Landsberger Kapitän und Seenotretter Claus-Peter Reisch, wie wichtig diese Spende für sein Engagement im Mittelmeer ist: „Man kann diese Menschen dort nicht ersaufen lassen. Und das ist ein ganz klares Statement. Eine Umfrage des BR in den bayerischen Diözesen hat ergeben, dass neben dem Münchner Erzbischof auch andere Bischöfe über Mittel verfügen, die sie für humanitäre, soziale oder weltkirchliche Zwecke einsetzen können. Im Haushalt des Erzbistums Bamberg gibt es einen Katastrophenfonds, der derzeit mit 300.000 Euro pro Jahr ausgestattet ist. Aus diesem Etat gebe der Erzbischof Beträge beispielsweise nach Unwetterkatastrophen oder Erdbeben frei.

In Würzburg ist dieser Notfall-Topf mit 400.000 Euro gefüllt. Der Münchner Kirchenrechtsprofessor Stephan Haering hat gegen diese Praxis prinzipiell keine Einwände. Der Haushalt sei genehmigt und darin sei ein Posten vorgesehen, der es dem Erzbischof ermöglicht, bei Bedarf karitative Ausgaben zu leisten. Das sei formalrechtlich in Ordnung. Ob man den Zweck angemessen findet, da könne man individuell unterschiedlicher Auffassung sein.

Erzbistum München und Freising: 1,5 Millionen im Jahr für soziale und weltkirchliche Zwecke

Damit meint Haering die 50.000 Euro für die Seenotretter. Die Höhe der Spende sei ja beträchtlich. Das mag auch daran liegen, dass auch die Mittel, die dem Erzbischof zur Verfügung stehen, beträchtlich sind. 1,5 Millionen Euro kann Kardinal Marx im Jahr für soziale und weltkirchliche Projekte laut Haushaltsplan des Erzbistums verwenden. Im Münchner Ordinariat betont man allerdings, dass sich dieser Etat nicht nur aus Kirchensteuern speist, sondern auch aus Erträgen des Vermögens, das in früheren Zeiten dem Bischof zur Verfügung stand. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zur evangelischen Kirche: Landesbischof Bedford-Strohm hat laut evangelischem Landeskirchenamt einen Verfügungsfonds von jährlich 6.570 Euro.

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