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Umweltminister Glauber genehmigt umstrittene Höllentalbrücke | BR24

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Die umstrittene Hängebrücke über dem Naturschutzgebiet Höllental im Landkreis Hof darf gebaut werden. Nach monatelangem Streit hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber dazu eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

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Umweltminister Glauber genehmigt umstrittene Höllentalbrücke

Die umstrittene Hängebrücke über das Naturschutzgebiet Höllental im Landkreis Hof darf gebaut werden. Nach monatelangem Streit hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber dazu in Lichtenberg im Landkreis Hof eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

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Von
  • Thorsten Gütling
  • Annerose Zuber

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat eine Ausnahmegenehmigung für den Bau der umstrittenen Hängebrücke erteilt und setzt sich damit über die Bedenken der Experten des Naturschutzbeirates der Regierung von Oberfranken hinweg. Die Fachleute hatten zuvor den Bau der weltweit längsten Fußgänger-Hängebrücke über das streng geschützte Höllental abgelehnt. Weil die Regierung selbst sich für den Bau aussprach und auch Hofs Landrat Oliver Bär (CSU) die umstrittene Hängebrücke unbedingt bauen lassen will, musste das Umweltministerium entscheiden.

Weltweit längste Hängebrücke kann über das Höllental gebaut werden

Bär warb zuvor vehement für den Bau der Brücke. Sie sollte so umweltverträglich wie möglich gebaut werden und jedes Jahr rund 100.000 Besucher in die Region locken. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) rechnet gar mit 400.000 Besuchern jährlich. Mit einer Länge von mehr als 1.000 Metern wäre die Höllentalbrücke die längste Hängebrücke für Fußgänger der Welt. Bär verwies außerdem auf zwei Bürgerbegehren - in Issigau und Lichtenberg -, die bereits zugunsten des Brückenbaus ausgegangen waren.

Regierung von Oberfranken setzt sich über Empfehlung von Experten hinweg

Naturschützer kritisieren die Pläne. Sie befürchten einen irreparablen Eingriff in das sensible Ökosystem des Höllentals. Ähnlich argumentiere auch der Naturschutzbeirat der Regierung von Oberfranken, der den Brückenbau ablehnte. Im Naturschutzbeirat arbeiten Wissenschaftlern der Uni Bayreuth sowie Fachleuten des Landesbund für Vogelschutz (LBV) und des Bund Naturschutz (BN) mit. Der Beirat kann aber nur Empfehlungen aussprechen. Die Regierung von Oberfranken als obere Naturschutzbehörde kann das Projekt anders beurteilen, den Brückenbau dennoch vorantreiben und ihn von diversen Vorgaben des Naturschutzes befreien. Regierungssprecherin Alexa Buckler sagt, in den vergangenen fünf Jahren sei das dreimal vorgekommen.

"Nach Einschätzung der Regierung von Oberfranken erscheint das vom Projektträger vorgelegte Maßnahmenkonzept aus naturschutzfachlicher Sicht geeignet, einen nachhaltigen Schutz der Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet zu gewährleisten. Wenn es wie geplant umgesetzt wird, sind direkte Artenverluste im Höllental weder bei Pflanzen noch bei Tierarten zu erwarten." Regierung von Oberfranken

Den Brückenbau bezeichnet die Regierung als ein "die Region insgesamt stärkendes Leuchtturmprojekt".

Umweltministerium hat im Streit um Höllentalbrücke das letzte Wort

Voraussetzung für den Bau ist aber, dass die nächsthöhere Naturschutzbehörde das zulässt. Im Fall der Höllentalbrücke ist es das bayerische Umweltministerium. Dessen Chef, Umweltminister Thorsten Glauber, hatte sich bereits im vergangenen Jahr für den Bau der Brücke ausgesprochen. Um das Ergebnis seiner Prüfung zu verkünden, war Glauber am Dienstag mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) nach Lichtenberg gekommen.

"Jetzt in Coronazeiten, wo wir in oberbayerischen Regionen Overtourism haben, machen wir hier Besucherlenkung auf eine vorbildliche Art und Weise, überspannen das Naturschutzgebiet und führen die Bürger darüber hinweg. Ich bin davon überzeugt, dass der Naturschutz am Ende gewinnen wird." Thorsten Glauber, Umweltminister
© BR/Annerose Zuber

Umweltminister Glauber (Mitte) hat in Lichtenberg den Bau der Höllentalbrücke genehmigt. Mit im Bild Wirtschaftsminister Aiwanger (li.)

"Wir brauchen hier dringend neue Perspektiven für ein Gebiet, das mit vielen Strukturproblemen zu kämpfen hat. (...) Das Projekt bringt Umweltschutz und Tourismus in verantwortbarer Weise in Einklang." Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister

Glauber erklärt seine Entscheidung damit, dass eine "intensive fachliche und rechtliche Prüfung" zu dem Ergebnis gekommen sei, "dass die Regierung den Sachverhalt rechtlich zutreffend bewertet und das ihr zustehende Ermessen rechtsfehlerfrei ausgeübt" habe. Die Genehmigung des Umweltministeriums sei mit weiteren Prüfaufträgen an die Regierung verbunden. Insbesondere soll diese ein detailliertes Besucherlenkungskonzept vorlegen.

Grüne: "Ein Umweltminister, der auf die Umwelt pfeift"

Die Reaktion der Grünen auf die Entscheidung des Umweltministers ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden nach der Verkündung nannte der Landtagsabgeordnete der Grünen aus Bayreuth, Tim Pargent, Glauber einen "Umweltminister, der auf die Umwelt pfeift". Glauber und Aiwanger hätten der Natur und dem Kulturraum im Landkreis Hof einen Bärendienst erwiesen, so Pargent.

Umweltverbände kündigen intensiven Widerstand gegen Bau der Höllentalbrücke an

Deutliche Kritik kommt auch vom Bund Naturschutz (BUND). Der Landesvorsitzende, Richard Mergner, sagt, Glauber sende ein fatales Signal, was die künftige Akzeptanz fundierter Entscheidungen betreffe, wenn er sich über die Entscheidung des Expertengremiums hinwegsetze. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Hof, Ulrich Scharfenberg, spricht von einem schwarzen Tag für das Ehrenamt in Bayern.

"Thorsten Glauber, von Beruf Architekt und derzeit bayerischer Umweltminister, hat sich über das mehrheitlich gegen den Brückenbau gefällte Votum des Naturschutzbeirates hinweggesetzt und so all den ehrenamtlich in Bayern engagierten Naturschützer gezeigt, was die bayerischer Staatsregierung von ihren Bemühungen um den Schutz der Heimat hält. Ein richtig schwarzer Tag." Ulrich Scharfenberg, Bund Naturschutz

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) kündigte intensiven Widerstand gegen den Bau der Höllentalbrücke an. Mit Glaubers Entscheidung werde die Natur zu einer "billigen Kulisse für Gaudi-Tourismus" degradiert. Die erwarteten 1.000 Touristen täglich benötigten eine Verkehrs-Infrastruktur, die mit verheerenden Auswirkungen auf die Natur geschaffen werden müsse. Die Fußgängerhängebrücke stelle einen schwerwiegenden Eingriff in den Lebensraum unter anderem von Uhu und Wanderfalke dar, kritisiert der LBV. Das Projekt öffne der Naturzerstörung "Tür und Tor".

Unterstützung für Glauber aus Reihen der CSU

Unterstützung erhält der so gescholtene Umweltminister hingegen aus Reihen der CSU. Der Hofer Landtagsabgeordnete Alexander König (CSU) sprach von einem "wirklich guten Tag" für das Hofer Land.

Monatelang wird über Bau der Höllentalbrücke gestritten

Schon zuvor wurde monatelang über den Bau der Brücke gestritten. Auf einen offenen Brief des Landtagsabgeordneten Pargent, der Umweltminister Thorsten Glauber zur Verhinderung der Brücke aufrief, hatte sich König zu Wort gemeldet. Er sprach von "Tourismus in neuen Dimensionen" und forderte den baldigen Baubeginn.

Frankenwaldbrücken: Zweite Hängebrücke über das Lohbachtal geplant

Geplant ist neben der Höllentalbrücke auch eine zweite Hängebrücke. Sie soll rund 390 Meter lang werden und über das benachbarte Lohbachtal führen. Diese Brücke ist weit weniger umstritten. Gemeinsam werden die beiden Brücken als sogenannte Frankenwaldbrücken bezeichnet. Beide Brücken zusammen sollen rund 22 Millionen Euro kosten. Sie werden seit dem Jahr 2016 geplant. Zu Beginn, als die Kosten noch halb so hoch geschätzt wurden, sagte der Freistaat bereits eine Förderung von rund 80 Prozent zu, verknüpfte die Zusage aber damit, dass die Brücken barrierefrei gebaut werden. Das sehen die Planungen jetzt nicht mehr uneingeschränkt vor.

2023 sollen die ersten Besucher über die Höllentalbrücke gehen

Hofs Landrat Oliver Bär rechnet nun damit, dass mit dem Bau der Brücken im nächsten Jahr begonnen werden kann. 2023 könnten dann zum ersten Mal Besucher über die längste Fußgängerhängebrücke der Welt gehen.

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Die umstrittene Hängebrücke über das Naturschutzgebiet Höllental im Landkreis Hof darf gebaut werden. Nach monatelangem Streit hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber dazu in Lichtenberg im Landkreis Hof eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

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