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Umstrittene Höllental-Brücken können gebaut werden | BR24

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Im Hofer Kreistag wurden heute die neuesten Planungen zu den weltweit längsten Fußgängerbrücken präsentiert. Damit sollte endgültig die Entscheidung über das Tourismusprojekt fallen. Vor allem die Überquerung des Höllentals steht in der Kritik.

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Umstrittene Höllental-Brücken können gebaut werden

Sie sollen den Tourismus im Frankenwald ankurbeln: die geplanten Fußgängerhängebrücken über das Lohbach- und das Höllental. Nun hat der Hofer Kreistag mehrheitlich für das umstrittene Projekt gestimmt. Es wird deutlich teurer als zunächst geplant.

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In der Kreistagssitzung in Hof wurden am Montagnachmittag die neuesten Pläne für die Fußgängerhängebrücken im Frankenwald vorgestellt. Im Anschluss gab es 35 Stimmen für die Pläne, 15 dagegen. Damit könnten die Stege über das Lohbachtal und das Höllental bei Lichtenberg (Lkr. Hof) gebaut werden. Mit ihnen sollen die längsten Fußgängerbrücken der Welt entstehen. Der Bau der beiden Brücken soll im Sommer 2020 beginnen und spätestens Anfang 2022 fertig sein.

1.030 statt 720 Meter

Naturschützer und eine Bürgerinitiative kritisieren die Pläne. Ihnen stößt vor allem die Überquerung des besonders geschützten Höllentals sauer auf. Im April war bekannt geworden, dass diese Brücke statt der ursprünglich geplanten 720 Meter mehr als einen Kilometer lang sein muss, um den Masten der Brücke außerhalb der Flora-und-Fauna-Schutzzone platzieren zu können. Die zweite Brücke überquert mit rund 400 Meter das benachbarte Lohbachtal Richtung Burgruine Lichtenberg.

"Hier werden die Schönheit und die Ursprünglichkeit der Natur zur bloßen Kulisse degradiert", schrieb die Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in einem offenen Brief an die Kreisräte vor der entscheidenden Sitzung. Durch das Projekt seien unter anderem Schwarzstorch, Uhu und Fledermäuse gefährdet. Kritikpunkte, denen sich auch einige Kreisräte anschlossen.

22 statt zwölf Millionen Euro

Die "Bürgerinitiative Höllental" befürchtet zudem, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Statt der ursprünglich veranschlagten zwölf Millionen Euro müsse man inzwischen von rund 30 Millionen Euro ausgehen, so die Initiatoren. Heute wurde im Kreistag von Kosten in Höhe von bis zu 22 Millionen Euro gesprochen. Für die steigenden Kosten seien Konkretisierungen der Pläne in naturschutzfachlicher und denkmalschutzrechtlicher Hinsicht verantwortlich, sagte der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) nach der Sitzung dem Bayerischen Rundfunk.

Die Staatsregierung hat zwar eine Förderung von 80 Prozent in Aussicht gestellt, dennoch stießen die zu erwarteten Kostensteigerungen auch im Kreistag auf kritische Stimmen. Unter anderem mahnte der stellvertretende Landrat Frank Stumpf (FW) aus Naila, dass der Landkreis Hof trotz Förderung einen Eigenanteil von rund sechs Millionen Euro selbst zahlen müsse. Und das, obwohl sich der Kreis nach wie vor in einer Haushalts-Konsolidierungsphase befinde.

Kritik: Alternativen nicht geprüft

LBV und Bund Naturschutz (BN) kritisieren darüber hinaus, dass das Landratsamt Alternativstandorte zum Höllental nicht eingehend geprüft habe: etwa das Tal der Wilden Rodach vom Romansfelsen bei Schwarzenbach am Wald (Lkr. Hof) zum geplanten Naturschutz-Zentrum am ehemaligen Gasthof Fels. "Der Frankenwald bietet viele tief eingeschnittene Täler, die mittels einer Hängebrücke spektakulär überspannt werden könnten. Warum muss es denn unbedingt dieser hochsensible Bereich eines FFH-Gebiets sein?", fragt sich Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN.

Bürgerentscheide pro Höllental-Brücken

Das Hofer Landratsamt beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahren mit dem spektakulären Tourismus-Projekt. In zwei Bürgerentscheiden hatten die Einwohner von Issigau und Lichtenberg 2018 für die Brücken gestimmt. Bei der Kreistags-Sitzung heute Nachmittag stellen die Planer der beiden renommierten Architekturbüros "schlaich bergermann partner" aus Stuttgart sowie "Walch und Partner" aus Reutte in Österreich Details des Projekts vor. Die Büros haben unter anderem die Brücke zum Unesco-Welterbe Mont-Saint-Michel in Frankreich und die Brücke "highline 179" über die Fernpass-Straße bei Reutte in Tirol konzipiert.