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Umstrittene Äußerungen: Hof sagt Konzert von Xavier Naidoo ab | BR24

© picture alliance/Heiko Becker

Die Stadt Hof hat ein Konzert des Sängers Xavier Naidoo mit Verweis auf dessen Äußerungen abgesagt.

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    Umstrittene Äußerungen: Hof sagt Konzert von Xavier Naidoo ab

    Die Stadt Hof hat ein geplantes Konzert des Sängers Xavier Naidoo abgesagt. Grund ist nicht die Corona-Pandemie, sondern umstrittene Aussagen Naidoos. Der Veranstalter kann die Entscheidung nachvollziehen.

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    Das ursprünglich für Freitag angesetzte Konzert von Xavier Naidoo auf dem Volksfestplatz in Hof ist nicht nur längst wegen der Corona-Pandemie verschoben, sondern inzwischen aus politischen Gründen abgesagt worden. Wie die Stadt Hof mitteilt, werde der Künstler auch dann nicht in Hof auftreten, wenn die Verordnungen zum Infektionsschutz Großveranstaltungen wieder erlauben. Die Entscheidung sei im Kulturbeirat der Stadt gefallen. Die Diskussion hatte zuvor ein Antrag des parteilosen Thomas Etzel ausgelöst, der für die Linkspartei im Stadtrat sitzt.

    Oberbürgermeisterin Döhla: Hof distanziert sich von Aussagen Naidoos

    Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) sagt, dass sich die Stadt mit der Konzertabsage von Aussagen Naidoos distanziere. In der Stadt sei kein Platz für Menschen, die Ressentiments befeuerten, antisemitisches oder homophobes Gedankengut verbreiteten, Verschwörungstheoretikern nahe stünden oder sich von Extremisten vereinnahmen ließen. Aus der Pressestelle der Stadt heißt es auf Nachfrage des BR, man gehe davon aus, dass die Oberbürgermeisterin auch bei künftigen Anfragen bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Naidoo bleiben werde. Sie wolle ein Zeichen gegen rechts setzen. Einem Auftrittsverbot, oder einer Einschränkung der künstlerischen Freiheit komme das aber nicht gleich.

    "Die Aussagen des Künstlers auch außerhalb seines künstlerischen Engagements sind umstritten und haben aus meiner Sicht an Deutlichkeit gewonnen. (...) Hass ist keine Meinung." Eva Döhla, Oberbürgermeisterin Stadt Hof

    Veranstalter will nicht gegen die Entscheidung klagen

    Beim Veranstalter des Konzerts, dem Veranstaltungsservice Bamberg, reagiert man gelassen auf die Entscheidung. Die Aussagen des Künstlers seien nur eines von vielen Problemen, die die Konzertagentur derzeit habe. Es gelte daher gemeinsam mit der Stadt den vernünftigsten Weg einzuschlagen, anstatt gegen die Absage zu klagen.

    "Eskapaden" Naidoos seien Einigung zuvorgekommen

    Das Verbot von Großveranstaltungen ab 1.000 Besuchern setze der Branche existenziell zu, sagt Gaby Heyder, die Geschäftsführerin des Veranstaltungsservices. Dazu sei ein Ersatztermin für Naidoos Konzert aufgrund der Terminlage von Stadt und Sänger sowieso nur schwer zu finden gewesen. Hof habe Naidoo nur zwei Termine im nächsten Jahr bieten können. Einer Einigung seien dann die "Eskapaden" des Sängers zuvor gekommen. Agentur-Chefin Heyder bezeichnet Naidoo als "schwierig".

    "Ich hab fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt, dann muss ich harte Worte wählen, denn keiner darf meine Leute quälen, wenn doch, der krieg's mit mir zu tun, lass uns das beenden und zwar nun, ihr seid verlorn." Naidoo in einem Video

    Sänger bezeichnet Migranten als Wölfe, die ihren Gästen das Leben stehlen

    Ein Video, das im März beim Nachrichtendienst Twitter aufgetaucht war, zeigt einen Mann, der Naidoo nicht nur sehr ähnlich sieht, sondern auch klingt wie er. In einem Lied bezeichnet der Mann Migranten als Wölfe und Gäste, die ihren Gastgebern das Leben stehlen. Eine offizielle Bestätigung, dass es sich bei dem Mann tatsächlich um Naidoo handelt, gibt es bislang nicht. Der Sender RTL war sich aber offenbar sicher und warf Naidoo daraufhin aus der Jury der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS).

    Heyder: Kartenbesitzer reagieren gleichermaßen verärgert und erleichtert

    Dass die Stadt Hof das Konzert erst Monate nach dem umstrittenen Video absagt, erklärt Heyder mit dem Wechsel an der Spitze im Hofer Rathaus. Oberbürgermeisterin Eva Döhla ist seit Mai im Amt. Die Reaktionen der rund 3.500 Kartenbesitzer auf die Konzertabsage zeigten zudem, dass die Entscheidung der Stadt Hof für viele Kunden nachvollziehbar sei. Während etwa die Hälfte die Konzertabsage als eine "Sauerei" bezeichneten, habe die andere Hälfte erleichtert reagiert. Die Entscheidung der Stadt habe es ihnen ermöglicht, ihre Eintrittskarten zurückzugeben, nachdem sie das Konzert wegen der jüngsten Aussagen Naidoos sowieso nicht mehr besuchen wollten.

    33.000 Menschen unterschreiben gegen Naidoos Konzert in Mannheim

    Auch in anderen Städten seien Konzerte Naidoos wegen derlei Aussagen des Künstlers bereits abgesagt worden, sagt die Bamberger Konzertveranstalterin Heyder. In Naidoos Heimatstadt Mannheim hingegen soll ein Konzert stattfinden, obwohl eine Petition der Jusos Mannheim gegen das Konzert mittlerweile von mehr als 33.000 Personen unterzeichnet worden ist.

    Bereits im Jahr 2011 hatte Naidoo im Morgenmagazin der ARD Thesen der Reichsbürgerbewegung verbreitet, wonach Deutschland ein noch immer von den Alliierten besetztes Land und im Krieg sei. Gleiches behauptete er am Tag der Deutschen Einheit 2015 bei einer Kundgebung von Reichsbürgern und Rechtspopulisten vor dem Berliner Reichstag.

    Naidoos Management: Aussagen werden falsch interpretiert

    In Videos erzählte Naidoo zudem, dass der Klimawandel nicht vom Menschen gemacht und der Einsturz des World Trade Centers nicht auf einen Terroranschlag sondern auf eine kontrollierte Sprengung zurückzuführen sei. Naidoo verteidigte seine Aussagen stets mit dem Verweis, dass auch Systemkritik durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Eine Anfrage des BR zu seinem Auftrittsverbot in Hof ließ das Management des Sängers bislang unbeantwortet. Auf der Internetseite Naidoos heißt es aber, Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm völlig fremd. Seine Aussagen würden falsch interpretiert.

    "Auch meine Familie kam als Gast nach Deutschland und hat sich natürlich an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten. Diese Selbstverständlichkeit sollte für alle gelten - auch wenn nur ein sehr kleiner Teil dies missverstanden hat. Aber gerade dieser kleine Teil belastet alle anderen, die hierdurch in "Sippenhaft" genommen und durch eine erschreckende Zunahme an Gewaltakten in Gefahr gebracht werden." Xavier Naidoo auf seiner Homepage

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