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Umstritten: Fußballvereine in der E-Sport-Liga | BR24

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Bei großen Turnieren geht es um Millionen, Profi-Gamer füllen Hallen und lassen Kids davon träumen, Berufs-Computerspieler zu werden: E-Sports. Zocken ist Sport? Das ist umstritten. Dennoch mischen bayerische Fußballclubs kräftig in der Szene mit.

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Umstritten: Fußballvereine in der E-Sport-Liga

Bei großen Turnieren geht es um Millionen, Profi-Gamer füllen Hallen und lassen Kids davon träumen, Berufs-Computerspieler zu werden: E-Sports. Zocken ist Sport? Das ist umstritten. Dennoch mischen bayerische Fußballclubs kräftig in der Szene mit.

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Der Club macht’s schon seit 2017. Der FCA ließ sich vergangenes Jahr erstmals von zwei E-Sportlern in der virtuellen Bundesliga vertreten.

Jüngster bayerischer Zuwachs in der E-Sport-Szene ist aber der TSV 1860 München. Etwas überraschend kündigten die Sechziger vor knapp zwei Wochen an, mit einem eigenen Team in der deutschen Meisterschaft im Computerspiel League of Legends mitmischen zu wollen.

"Die Jugend hat diesen E-Sport jetzt im Interesse, da möchten wir der Jugend gerne ein Zuhause geben. Wir möchten diesen Trend mitgehen. Wir möchten neue Zielgruppen erreichen." Vereinsmanagerin beim TSV 1860 München, Viola Oberländer

FC Bayern bleibt E-Sport-skeptisch

Nur der große FC Bayern ist davon bislang noch nicht so überzeugt. Zwar haben die Bayern-Basketballer schon seit einem Dreivierteljahr ein eigenes Gaming-Team. Aber zum einen ist virtueller Basketball innerhalb des E-Sports im Vergleich zur Fußballsimulation "Fifa" oder zur Heldenschlacht "League of Legends" eine Randsportart. Und zum anderen schimpfte Uli Hoeneß im Sommer heftig auf den E-Sport und bezeichnete ihn als "Problem", das da auf uns zukommt.

Ähnlich ablehnend steht der Deutsche Olympische Sportbund dem Thema gegenüber. Die offizielle Haltung: Sportsimulationen wie Fifa sind E-Sport, alle anderen Computerspiele aber nicht.

"E-Sport nur Zocken und Kommerz, aber kein Sport"

Sport oder nicht? Diese Frage spaltet und ist Definitionssache. Wer Sport mit Bewegung gleichsetzt, bewertet E-Sport als Kommerz und Zocken. Andere ziehen etwa das Schachspiel heran: Weil E-Sport professionell betrieben wird und trainiert werden muss, kann er als Sport definiert werden.

Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln forscht seit Jahren zum Thema:

"Zwar sehen wir von außen nicht viele Bewegungen, aber innen drin im Körper passiert relativ viel." Ingo Froböse, Sporthochschule Köln

Bei E-Sportlern werden Cortisolwerte, Stresshormone, gemessen, die ähnlich hoch sind wie die bei einem Championsleague-Finale im Elfmeterschießen. Die gemessenen Herzfrequenzen ähnelten denen von Rallye-Fahrern. Zudem seien taktische und technische Fähigkeiten nötig.

E-Sport ist Sport - wie Segeln, Bogenschießen oder Schach

Froböse vergleicht E-Sport außerdem mit Segeln, Bogenschießen oder Schach. Alles anerkannte Sportarten. Er sagt, zwar wäre aus seiner Sicht mehr Körperlichkeit wünschenswert. Dennoch sei die Haltung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) falsch.

"Man grenzt sofort aus, man stigmatisiert sogar. Ach, diese Sesselsitzer… Das stimmt so gar nicht. Alle, die das sagen, haben sich nicht damit auseinandergesetzt." Ingo Froböse, Sporthochschule Köln

Wissenschaftler: "E-Sport mehr als Ballerspiele"

Der Sportwissenschaftler wirbt für mehr Offenheit und für ein Signal von offizieller Seite. Denn wenn E-Sport in den Kanon des Sports aufgenommen werde, sei die Anerkennung groß – nach innen und nach außen. "Dann würde auch die Politik endlich verstehen, dass es mehr ist als nur Ballerspiel", so Froböse.

E-Sport auf Ego-Shooter-Spiele zu reduzieren, greife eh zu kurz, so Froböse. Es geht um viel mehr: E-Sport ist Teil der Jugendkultur. So würden von einer offiziellen Anerkennung nicht vorrangig die Profis profitieren, sondern vor allem die Hobby-Gamer.

TSV 1860 will E-Sport-Amateure trainieren

Durch eine Anerkennung als Sportart könnte E-Sport beispielsweise unter Anleitung in Vereinen ausgeübt werden. Der TSV 1860 München will deshalb neben den Profi-Zockern einen besonderen Fokus auf den Breitensport legen. Der TSV will für Mitglieder Gaming-Trainings und Tutorials anbieten.

Hoffnung: E-Sport finanziert andere Sportarten mit

Und auch diejenigen im Verein, die gar nichts mit Computerspielen anfangen können, sollen vom E-Sport profitieren, sagt Vereinsmanagerin Oberländer. Denn der Verein erhoffe sich Einnahmen in der E-Sport-Sparte. Davon werde ein bestimmter Teil auch anderen Abteilungen zugutekommen.

Der für Sponsoren attraktive E-Sport könnte in Zukunft die weniger attraktive Box-Abteilung oder die Turner querfinanzieren, so der Wunsch von Oberländer.

Steigt bald auch der FC Bayern München in den E-Sport ein?

Der Enthusiasmus der Löwen und auch in Augsburg und Nürnberg scheint selbst die alten Hasen beim FC Bayern zum Umdenken zu bewegen. Klubboss Karl-Heinz Rummenigge sagte am Donnerstag auf einem Kongress, man prüfe nun doch einen Einstieg. Mia san vielleicht auch bald Gamer.