BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Sven Trautner
Bildrechte: Sven Trautner

Sven Trautner will sich nach seiner Parkinson-Diagnose aktiv auch für andere einsetzen, etwa mit der Webseite "Parkinson – na und?"

Per Mail sharen

    Umgang mit Parkinson: Aktiv und positiv mit der Erkrankung leben

    Im April 2020 bekam Sven Trautner die Diagnose "Parkinson". Die Nervenzellenkrankheit ist behandel- aber nicht heilbar. Nach dem ersten Schock begann der heute 44-Jährige aus Rohr der Erkrankung aktiv zu begegnen. Dabei will er auch anderen helfen.

    Per Mail sharen
    Von
    • Anja Bühling

    Sport ist wichtig für Sven Trautner. Regelmäßig macht der 44-Jährige aus dem mittelfränkischen Rohr ein spezielles Trainingsprogramm, um seine Beweglichkeit, seine Muskeln und seine Stabilität zu stärken. Das hilft ihm, die typischen Symptome seiner Erkrankung besser zu kontrollieren: das Zittern, die Muskelsteifheit, eingefrorene Mimik und die Bewegungsverlangsamung, die Morbus Parkinson mit sich bringen.

    Die erste Diagnose für diese neurodegenerative Erkrankung im April 2020 war für den Monteur im Außendienst ein Schock. Denn ihm wurde schnell bewusst: Parkinson ist zwar behandel-, aber eben nicht heilbar. Sven Trautner zählt zu den nur fünf bis zehn Prozent der Erkrankten, die bei der Diagnose jünger als 45 Jahre sind. Das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren, wie Prof. Dr. Frank Erbguth, Ärztlicher Leiter der Universitätsklinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg erläutert.

    Jeder Parkinson-Patient ist anders

    Bei vielen der Betroffenen treten die Parkinson-Frühsymptome, wie bei Trautner, schon Jahre vor der Diagnose auf, so der Arzt. Das liegt vor allem auch daran, dass diese Anzeichen so vielschichtig und verschieden sein können, von Verstopfung bis zu Gliederschmerzen, dass sie oft schwer als Vorboten der Erkrankung zu identifizieren sind.

    "Jeder hat seinen ganz eigenen Parkinson", sagt Sven Trautner dazu. Bei ihm stellten sich eineinhalb Jahre vor der Parkinson Diagnose Schmerzen in der Schulter und im linken Arm ein, erst später kam das Zittern in der Hand dazu. Durch Parkinson verlor er seinen Geruchssinn, hat Schlafstörungen und wird in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Radfahren fällt ihm mittlerweile schwerer.

    Zerstörte Nervenzellen und Dopamin-Mangel

    Parkinson ist eine Nervenzellenerkrankung, bei der der Botenstoff Dopamin nicht ausreichend produziert wird. Dopamin, als Glückshormon bekannt, spielt auch eine große Rolle bei unserer Bewegungsfähigkeit, so Professor Dr. Frank Erbguth. Bei Parkinson werden die Produktionsstätten des Dopamins im Hirn zerstört und dadurch wird zu wenig Dopamin produziert. Dieses Fehlen des Dopamins ist der Therapie-Ansatz für die Symptome, die man medikamentös behandeln kann. Aber: Man kann eben nicht die kaputten Zellen ersetzen und so kann die Ursache der Erkrankung nicht geheilt werden.

    Komplex-Parkinson-Therapie als wichtige Unterstützung

    Weil bei Sven Trautner die so wichtige medikamentöse Abstimmung schwierig war, machte er auf Anraten seiner Ärzte an der Uniklinik Erlangen eine sogenannte Komplex-Parkinson-Therapie, bei der der Patient drei Wochen lang in einer Spezialklinik von ganz unterschiedlichen Ärzten und Therapeuten behandelt wird. Dort wurde er auf die für ihn passenden Medikamente und die Dosierung eingestellt, bekam Logopädie, Physiotherapie, Tipps und Übungen für zuhause und den Alltag sowie psychologische Betreuung. Für ihn war die Behandlung "Gold wert", so sagt er, auch wenn es zunächst durchaus deprimierend war bei anderen Patienten mit fortgeschrittenem Verlauf zu sehen, wie eingeschränkt sie waren. Deshalb sei für ihn die psychologische Hilfe umso wichtiger gewesen.

    Aktiv und positiv mit der Erkrankung leben

    Trautner arbeitet auch mit der Krankheit voll im Außendienst und braucht bei der Montage bei Kunden seine Feinmotorik. Sollte er wegen seiner Erkrankung größere Probleme dabei bekommen, kann er auf seinen Chef und seine Kollegen zählen. Seine Frau und seine Familie helfen ihm. Aber er hat auch schnell gemerkt, dass es ihm gut tut, sich aktiv mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen. Der 44-Jährige ist ein kommunikativer Mensch, einer, der 17 Jahre lang ehrenamtlich Fanbetreuer bei den Nürnberg Ice Tigers war. Auch jetzt sucht er den Austausch mit anderen Parkinson Patienten und Patientinnen. "Es ist wichtig, mit anderen zu reden, die das gleiche erleben wie ich. Sie verstehen mich einfach besser."

    Webseite "Parkinson – Na und?"

    So hat er auch Kathrin Wersing aus Münster kennengelernt, die selbst den Podcast "Jetzt erst recht" macht, in dem es um einen positiven Umgang mit der Erkrankung geht. Sie brachte ihn darauf, die Webseite "Parkinson - Na und?" ins Leben zu rufen, denn als er selbst gerade kurz nach der Diagnose auf der Suche nach Informationen war, ging er schnell im Internetdschungel verloren, wie er sagt. Seine Seite soll eine Sammlung von Links, Tipps, Informationen und praktische Ratschlägen sein, die stetig anwächst. Tipps und Links von Usern sind ihm willkommen.

    "Pingpongparkinson" in Schwabach

    Außerdem hat der 44-Jährige jetzt beim Schwabacher Sportverein TV 1848 eine Tischtennis-Abteilung für Parkinson-Erkrankte gegründet, die zum Verein PingPongParkinson gehört – dort hofft er, auch Leute zum Mitmachen zu animieren, die vielleicht mit Selbst-Hilfe-Gruppen nichts anfangen können. "Aber hier gehen sie eben zum Sport", meint er, "Und dann kann man danach, bei einem Bier oder Glas Wasser vielleicht das ein oder andere Thema ansprechen."

    Für Sven Trautner ist es auf jeden Fall wichtig, sich aktiv mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen und wenn er dabei anderen helfen oder Tipps geben kann, baut ihn das auf. Nicht umsonst heißt das Motto seiner Webseite: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!