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Umfrage: Jeder Dritte bereit zu Einsatz in der Kommunalpolitik | BR24

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Es ist schwierig, Kandidaten für die Kommunalwahl in Bayern zu finden. Nur etwa ein Drittel der Wähler kann sich vorstellen, selbst aktiv zu werden. Doch die stärkste Gruppe unter den Bereitwilligen sind verblüffenderweise die Jungen.

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Umfrage: Jeder Dritte bereit zu Einsatz in der Kommunalpolitik

Vor Ort Politik mitgestalten – die Mehrheit der Bayern hat daran laut einer BR-Umfrage kein Interesse. Aber jeder Dritte ist bereit, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren: auf dem Land eher als in der Stadt.

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Für Parteien und Wählergruppen dürfte es vielerorts im Freistaat ein Kraftakt werden, ihre Listen für die Kommunalwahlen am 15. März aufzustellen: Zehntausende Frauen und Männer in ganz Bayern müssen sich in den nächsten Wochen bereit erklären, für den Kreistag, den Gemeinde- oder Stadtrat zu kandidieren - oder für das Amt des Bürgermeisters. Rund 39.500 kommunale Mandatsträger gibt es in Bayern, die meisten von ihnen arbeiten ehrenamtlich.

Für weit mehr als die Hälfte der Menschen im Freistaat steht allerdings schon fest, dass für sie eine Kandidatur bei den Kommunalwahlen nicht in Frage kommt, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den Bayerischen Rundfunk ergab. Demnach sagen 57,6 Prozent, dass sie kein Interesse an einem Engagement in der Kommunalpolitik haben. Knapp ein Drittel der Bayern (33,1 Prozent) interessiert sich dagegen dafür, 9,3 Prozent der Frauen und Männer waren in den vergangenen zwölf Monaten bereits in irgendeiner Form kommunalpolitisch aktiv.

Auf dem Land größere Bereitschaft zum Engagement

Dabei zeigt sich in der Umfrage allerdings ein Unterschied zwischen Stadt und Land: In dünn besiedelten Gegenden ist die Bereitschaft zum Einsatz in der Kommunalpolitik (34,7 Prozent) tendenziell höher als in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte (30,0 Prozent). Auch junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sowie Senioren ab 65 sind tendenziell eher daran interessiert als Frauen und Männer anderer Altersgruppen.

Zeitaufwand in der Kommunalpolitik ist vielen zu groß

Viele Menschen begründen ihr "Nein" zu einem Engagement in der Kommunalpolitik mit der dafür benötigten Zeit: 31,0 Prozent sagen, der Aufwand wäre für sie zu groß. 17,7 Prozent geben an, nichts mit Politik zu tun haben zu wollen. Jeder Neunte (10,9 Prozent) hält Kommunalpolitik für irrelevant, 6,1 Prozent sagen, Kommunalpolitik sei ihnen nicht wichtig.

8,2 Prozent sind der Umfrage zufolge mit der derzeitigen Politik zufrieden, 37,8 Prozent haben andere Gründe dafür, dass sie sich nicht für ein kommunalpolitisches Engagement interessieren.

Unzufriedenheit mit der Politik spielt große Rolle

Für den Einsatz in der Kommunalpolitik spricht bei jenen Menschen, die ihn sich vorstellen können, in erster Linie die Möglichkeit, gesellschaftlich mitzugestalten (57,2 Prozent). Fast jeder Zweite gibt (zudem) Unzufriedenheit mit der derzeitigen Politik an (48,5 Prozent). Die Hoffnung auf eine politische Karriere nennen 5,1 Prozent der Frauen und Männer in Bayern als Grund für ihr Interesse an einem kommunalpolitischen Engagement. 3,2 Prozent erhoffen sich Prestige und Ansehen, 0,9 Prozent sehen die Aufwandsentschädigung als Anreiz. 16,2 Prozent haben andere Gründe für ihr Interesse.

Für jüngere Menschen in Bayern, die sich ein kommunalpolitisches Engagement vorstellen können, ist dabei vor allem die Möglichkeit der gesellschaftlichen Mitgestaltung ausschlaggebend (75,0 Prozent). Von den Senioren ab 65 führen mit 45,5 Prozent deutlich weniger dieses Argument an.

Die Civey-Umfrage

Für die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey die Antworten von 10.011 in Bayern lebenden Teilnehmern berücksichtigt. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die bayerische Bevölkerung ab 18 Jahren. Alle Teilnehmer haben u. a. Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort angegeben und wurden registriert und verifiziert. Civey korrigiert nach eigenen Angaben Verzerrungen durch ein mehrstufiges Gewichtungsverfahren. Der Befragungszeitraum war vom 18. November bis zum 5. Dezember. 2019.

Die genaue Fragestellung lautete: "Haben Sie in den letzten 12 Monaten ein kommunalpolitisches Mandat ausgeübt oder waren Sie kommunalpolitisch aktiv tätig?" - mit den Antwortmöglichkeiten "Ja", "Nein, interessiere mich aber dafür" und "Nein, habe kein Interesse daran". Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt laut Civey 2,5 Prozent. Zusätzliche Informationen zur Methodik finden Sie auf Civey.com und im Civey-Whitepaper.