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Ulrich Chaussy: Opfer des Oktoberfestattentats entschädigen | BR24

© picture alliance/Geisler-Fotopress

Ulrich Chaussy, Journalist und Sachbuchautor

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    Ulrich Chaussy: Opfer des Oktoberfestattentats entschädigen

    Ulrich Chaussy ist Kritiker der Einzeltätertheorie des Oktoberfestattentates von 1980. Nach der Einstellung der Ermittlungen ist der Journalist zufrieden, dass die Tat als rechtsextremistisch eingeordnet wurde. Nun könnten Opfer entschädigt werden.

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    Ulrich Chaussy hat sich jahrzehntelang dafür eingesetzt, dass die Hintergründe des Oktoberfestattentats ermittelt werden. Hartnäckig hat er immer wieder auf Widersprüche bei den Ermittlungen hingewiesen. Das habe sich gelohnt, sagt Chaussy im BR-Interview anlässlich der Einstellung der Ermittlungen. Und es sei auch sinnvoll gewesen, die Behörden quasi "zum Jagen zu tragen" und dazu, sich der Sache wieder anzunehmen.

    "Das war, wie ich finde, eine lohnende Arbeit." Ulrich Chaussy

    Bereits im November 1980, also nur wenige Wochen nach dem Attentat, sei die Einzeltätertheorie "festgezurrt" worden. Der langjährige BR-Journalist ist überzeugt: Damals hätten ganz andere Chancen bestanden, weitere Ermittlungsansätze zu finden. Man habe sie nicht finden wollen, erklärt Chaussy heute.

    Vertuschung und Einzeltätertheorie

    1982 waren die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt worden. In dieser ersten Phase der Ermittlungen sei viel vertuscht worden, so der Journalist und Autor. Damals habe man sich "gewaltsam auf die Einzeltätertheorie" festgelegt. Dies sei nun, so viele Jahre später, während der neuen Ermittlungen "nicht mehr zu heilen" gewesen. Nun sei es nicht mehr möglich, da weiterzukommen, wo damals abgebrochen wurde.

    Wiederaufnahme der Ermittlungen nach 32 Jahren

    32 Jahre hatten die Ermittlungen geruht, bis sie 2014 neu aufgenommen wurden. Angehörige, Opfervertreter und Politiker hatten bezweifelt, dass Gundolf Köhler ein Einzeltäter war und sich für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen eingesetzt. Chaussy sieht es als einen fundamentalen Fehler an, dass man sich in der ersten Phase auf einen Zeugen gestützt habe, der gesagt hatte, die Tat habe keinen politischen Hintergrund. Diesen Zeugen habe man zum Vorwand genommen, alle anderen Spuren nicht weiter zu verfolgen, die auf eine politische Tat und auf eine Tat mehrerer Personen hinwiesen.

    Entschädigung für die Opfer?

    Chaussy hofft, dass die Anerkennung des Attentats als eine politisch motivierte Tat eine "Blockade aufbreche", die es ermöglicht, den Opfern eine Entschädigung zukommen zu lassen. Zwölf Menschen hatte Köhler mit in den Tod gerissen, über 200 Personen wurden verletzt. Viele von ihnen leiden noch heute unter psychischen und körperlichen Folgen.

    "Das ist vielleicht das Allerwichtigste, was nach dieser langen Zeit vielleicht noch Sinnvolles geschehen kann." Ulrich Chaussy

    Rechtsextremismus wird heute anders wahrgenommen

    Heutzutage werde mit rechtsextremistischen Taten anders umgegangen: Man setze sich damit auseinander. Die politische Gefahr solcher Ideologien sei präsent. Chaussy erkennt heute eine Tendenz, dass die Ermittler bei ähnlichen Taten eben nicht mehr fast reflexhaft sagten, es handele sich um Einzeltäter.

    Ermittlungen können neu aufgenommen werden, wenn neue Tatsachen ans Licht kommen, auch im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat. Doch dass dies noch passiert, daran kann Chaussy selbst kaum glauben.

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