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Mykola Khorolskyi zeigt in den ARD-Tagesthemen am 29.04.2022 seine Bestände, die er ohne Krieg längst verkauft hätte

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Ukraine: Getreideexport schwierig – Nutztiere verenden

Schwierige Situation in der Landwirtschaft: Viele Lager in der Ukraine sind noch gefüllt mit der letztjährigen Ernte, aber der Export über die Schwarzmeerhäfen stockt. Getreidesilos werden bombardiert, in manchen Ställen verenden Nutztiere.

Von
Christine SchneiderChristine Schneider
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Die Kornkammer Europas ist mit ihren Getreidelieferungen wichtig für die Welternährung. Zwar werden im Osten und Süden der Ukraine Getreidelager von den Russen scheinbar gezielt angegriffen und vernichtet, doch in anderen Teilen des Landes ist die Situation auf den landwirtschaftlichen Betrieben fast normal. Die Getreidesilos sind zum Teil noch voll. Aber der Export über die Häfen am Schwarzen Meer funktioniert nicht mehr. Statt auf große Hochsee-Schiffe müssen Weizen und Futtermittel jetzt auf Lkw, Züge oder kleine Binnenschiffe verladen werden – alternative Transportmöglichkeiten, die erst schleppend anlaufen und wesentlich länger dauern.

Ohne Krieg wäre die Ernte längst verkauft

Noch knapp 2.500 Tonnen Mais und Sonnenblumenkerne hat der ukrainische Landwirt Mykola Khorolskyi in seiner Lagerhalle in der Nähe der Stadt Dnipro. Wo genau, will er nicht sagen, aus Angst vor russischen Raketenangriffen. Bei einem Besuch des ARD-Korrespondenten Oliver Mayer zeigt er seine Bestände, die er ohne Krieg längst verkauft hätte: "Normalerweise wäre diese Lagerhalle jetzt komplett leer. Aber weil Krieg in unserem Land herrscht, sind die Seewege blockiert. Der Hafen von Mykolajiw ist komplett zerstört. Wir Landwirte haben riesige Probleme, unsere Produkte zu exportieren." 3.000 Hektar Land hat er aber bereits wieder bestellt – für die nächste Ernte.

Agrarexpertin Mariya Yaroshko vom Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialog im Gespräch mit Unser Land am 06.05.22

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Suche nach alternativen Exportwegen

Deshalb wird jetzt in der Ukraine nach Wegen gesucht, wie Agrarprodukte auf anderen Wegen exportiert werden können. Mariya Yaroshko aus Kiew arbeitet beim Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialog, einem Gemeinschaftsprojekt der Landwirtschaftsministerien beider Länder. Sie berichtet, dass jetzt die Exporte auf Straße, Schiene und Binnenschifffahrt über kleinere Häfen an Flüssen verlagert werden, allerdings mit Anlaufschwierigkeiten: "Die Häfen am Schwarzen Meer hatten so große Kapazitäten, die man jetzt nicht schnell einfach mal so ersetzen kann. Das dauert." Exporte über Straße und Schiene sind aufwendiger.

Das Ziel sei, möglichst schnell wieder die vollen Mengen zu exportieren. Wann das allerdings wieder möglich sein wird, da wagt Agrarexpertin Mariya Yaroshko keine Prognose. "Wir kooperieren in diesem Zusammenhang auch mit unseren Nachbarländern." Ein Problem sei, dass die russischen Angreifer nicht nur Schwarzmeer-Häfen wie Odessa und Mykolajiw blockieren, sondern auch gezielt Infrastruktur wie Eisenbahnanlagen zerstören würden.

Özdemir: Export mit Zügen problematisch

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir will sich um alternative Exportmöglichkeiten aus der Ukraine bemühen: "Der Weg über die Schiene kann eine Lösung sein, um Getreide zu exportieren – wenn auch mit viel Aufwand und mit beschränkten Kapazitäten. Wir werden als Bundesregierung alles tun, was geht." Probleme beim Transport über die Schiene bereiteten allerdings unterschiedliche Spurweiten oder verwendungsfähige Container in der hohen benötigten Stückzahl.

Getreide und Kühe werden gestohlen

Eine gute Nachricht sei, so Agrarexpertin Mariya Yaroshko aus Kiew, dass die Agrargüter in den Lagerhäusern nicht vergammeln würden, solange Getreide, Sonnenblumenkerne, Körnermais oder Soja weiterhin trocken gelagert werden könnten. Die schlechte Nachricht: "Natürlich gibt es immer die Gefahr, dass die Lagerhäuser zerbombt werden. Diese Fälle haben wir auch schon relativ oft gehabt." Außerdem seien in einem von den Russen besetzten Gebiet rund 400.000 Tonnen Getreide gestohlen worden. "Sogar Kühe werden aus den Ställen geklaut", berichtet Mariya Yaroshko.

Tote Kühe und Masthähnchen

Immer öfter gibt es auch Berichte, dass in der Ukraine Nutztiere in den Ställen nicht mehr versorgt werden können und verenden. Maria Yaroshko bestätigt das. Zum einen würden in besetzten Gebieten Arbeiter von russischen Soldaten daran gehindert, die Tiere in den Ställen zu füttern oder zu melken. Entscheidend sei auch die Stromversorgung: "In einem Geflügelbetrieb in der Ukraine, dem größten Hähnchenmastbetrieb Europas, hat die Fütterung wegen Stromausfall wochenlang nicht mehr funktioniert. Viele Tiere sind ums Leben gekommen."

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