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Uhrenhändler-Überfall: Sechs Jahre Haft gefordert | BR24

© dpa / picture alliance

80 Uhren und 150.000 Euro Bargeld soll der Angeklagte bei seinem Raubüberfall gestohlen haben.

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    Uhrenhändler-Überfall: Sechs Jahre Haft gefordert

    Raub, Gefängnisausbruch und ein mysteriöser Brief: Der Prozess um den Überfall auf ein Uhrenhändler-Ehepaar in Memmingen bringt spektakuläre Falldetails ans Licht. War der Überfall ein abgekartetes Spiel?

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    Im Sommer 2013 war es, als der 37-jährige Mann laut Anklage zusammen mit einem Komplizen in das Privathaus eines Uhrenhändlers in Vöhrigen eingebrochen sein soll. Mit schwarzen Sturmhauben, einer Handfeuerwaffe und Pfefferspray bewaffnet sollen die beiden Einbrecher das Ehepaar gezwungen haben, ihren Tresor zu öffnen. Danach hätten sie das Ehepaar mit schwarzem Klebeband gefesselt, um aus dem Tresor 80 Uhren im Wert von mehr als 500.000 Euro sowie knapp 150.000 Euro Bargeld zu stehlen. Das gefesselte Ehepaar konnte sich später selbst befreien.

    Über sechs Jahre Haft gefordert

    Vor dem Landgericht Memmingen hat die Staatsanwaltschaft in dem Prozess nun sechs Jahre und sechs Monate Haft für den Angeklagten gefordert. In seinem Plädoyer sah der Staatsanwalt es als erwiesen an, dass der 37-jährige Angeklagte die Tat begangen hat. Die Verteidigung hatte zuvor argumentiert, dass es sich bei dem Überfall um einen abgesprochenen Versicherungsbetrug gehandelt habe. Dafür gebe es laut Staatsanwaltschaft „keine objektiven Anzeichen“.

    Versicherungsbetrug „kein plausibles Motiv“

    Denn Versicherungsbetrug sei bei dem überfallenen Ehepaar kein plausibles Motiv, so der Staatsanwalt, denn damit hätte sich kein Gewinn erzielen lassen können. Es sei vielmehr zu berücksichtigen, dass der zum Tatzeitpunkt arbeitslose Angeklagte die Tat wohl aus Geldnot begangen habe.

    Telefonat erwähnt Betrugsplan

    Die Beweisaufnahme hatte das Thema Versicherungsbetrug noch einmal aufgebracht, als die Verteidigung ein Telefonprotokoll vorlegte. In dem Telefonat war ausdrücklich die Rede von einem Versicherungsbetrug. Außerdem ist in dem Telefonat davon die Rede, dass zahlreiche der gestohlenen Uhren - so wörtlich - “beschissene Thailand-Fälschungen” seien. Deshalb sei der Wert der Uhren zu hoch angesetzt.

    Angeklagter bricht aus der JVA Memmingen aus

    Im Oktober hatte der Prozess nach bereits einigen Verhandlungsterminen eine überraschende Wendung genommen: Vier von ursprünglich fünf Angeklagten wurden freigesprochen. Nur gegen den nunmehr verbliebenen Angeklagten wurde der Prozess fortgesetzt. Bei ihm handelt es sich um einen der beiden Männer, die im letzten August aus der Justizvollzugsanstalt Memmingen ausgebrochen und einen Tag später wieder festgenommen worden waren. Vor zwei Wochen schließlich war ein mysteriöser Brief aufgetaucht, welcher der Verteidigerin des Angeklagten anonym zugespielt worden sei und die Tatnacht schildert.

    Mysteriöser Brief – ein Geständnis?

    Die Verteidigerin war davon ausgegangen, dass es sich um ein vorformuliertes Geständnis handele, das von einer dritten Person verfasst wurde - und ihren Mandanten entlasten könnte. Dem Brief zufolge soll die Tat mit den Opfern abgesprochen gewesen sein. Der Angeklagte sei demnach angewiesen worden, die Uhrenhändler “nicht zu fest” zu fesseln, damit sie sich selbst befreien können, wenn die Räuber wieder weg sind. Dafür sollte er 5.000 Euro erhalten. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Schreiben aber kein maßgebliches Dokument, da man nicht sicher wisse, wer es verfasst habe und wie glaubwürdig der Inhalt sei.