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Uhrenhändler-Überfall: Sechs Jahre Haft für 37-Jährigen | BR24

© dpa / picture alliance

80 Uhren und 150.000 Euro Bargeld soll der Angeklagte bei seinem Raubüberfall gestohlen haben.

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    Uhrenhändler-Überfall: Sechs Jahre Haft für 37-Jährigen

    Kein Versicherungsbetrug, sondern ein Raubüberfall auf ein Uhrenhändler-Ehepaar in Vöhringen (Lkr. Neu-Ulm): Dafür muss ein 37-Jähriger jetzt sechs Jahre ins Gefängnis. DNA-Spuren am Tatort waren vor Gericht ausschlaggebend.

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    Das Landgericht Memmingen hat den Angeklagten im Prozess um den Raubüberfall auf ein Uhrenhändler-Ehepaar zu sechs Jahren Haft wegen eines bewaffneten Raubüberfalls verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 37-Jährige die Tat in Vöhringen im Landkreis Neu-Ulm im Jahr 2013 begangen hat.

    DNA-Spuren sind ausschlaggebend

    Unter anderem DNA-Spuren des Mannes am Tatort führten zu der Entscheidung. Eine halbjährige Haftstrafe, die der Mann bereits in der Ukraine verbüßt hat, wird auf das Urteil mit dem Faktor drei angerechnet - damit bleiben viereinhalb Jahre Gefängnis.

    "Keine objektiven Anzeichen" für Versicherungsbetrug

    Das Gericht blieb damit nur knapp unter der Forderung des Staatsanwalts, der zuvor sechs Jahre und sechs Monate Haft gefordert hatte. Unter anderem aufgrund verschiedener Zeugenaussagen sah auch der Staatsanwalt es als erwiesen an, dass der Mann die Tat begangen hat. Außerdem gebe es “keine objektiven Anzeichen” dafür, dass der Raub mit den Geschädigten mit dem Ziel eines Versicherungsbetrugs abgesprochen gewesen sei - darauf hatte die Verteidigung gepocht.

    Gericht folgt den Argumenten der Verteidigung nicht

    Die Anwältin hatte dafür plädiert, ihren Mandanten freizusprechen. Einerseits spreche einiges dafür, dass die Tat ein mit den Opfern abgesprochener Versicherungsbetrug gewesen sei - einschließlich ihrer Ansicht nach widersprüchlicher Aussagen der Geschädigten. Außerdem gebe es keine stichhaltigen Beweise dafür, dass der 37-Jährige zur Tatzeit überhaupt am Tatort gewesen sei. Und es seien Hinweise auf andere Verdächtige ignoriert worden, die kurz nach der Tat mit teuren Uhren aufgefallen seien. Dem folgte das Gericht nicht: Dass eine Tat nicht bis ins letzte Detail bewiesen und nachvollzogen werden könne, rechtfertige noch keinen Freispruch.

    Überfall mit Pfefferspray und Klebeband

    Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen gegen ihn. Im Jahr 2013 soll der 37-Jährige zusammen mit einem Komplizen in das Privathaus der Uhrenhändler eingebrochen sein. Mit schwarzen Sturmhauben, einer Handfeuerwaffe und Pfefferspray bewaffnet, sollen sie das Ehepaar gezwungen haben, ihren Tresor zu öffnen und sie mit schwarzem Klebeband gefesselt haben. Dann haben sie laut Anklage rund 80 Uhren im Wert von mehr als 500.000 Euro sowie knapp 150.000 Euro Bargeld gestohlen. Die Uhrenhändler konnten sich demnach anschließend selbst befreien.

    Überraschende Wendung

    Im Oktober hatte der Prozess nach bereits einigen Verhandlungsterminen eine überraschende Wendung genommen: Vier von ursprünglich fünf Angeklagten wurden freigesprochen. Nur gegen den nunmehr verbliebenen Angeklagten wurde der Prozess fortgesetzt. Bei ihm handelt es sich zudem um einen der beiden Männer, die im letzten August aus der Justizvollzugsanstalt Memmingen ausgebrochen und einen Tag später wieder festgenommen worden waren.