Übung für den Ernstfall - Freiwillige Feuerwehr Volkach trainiert für Hochwasser und Starkregen
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Übung für den Ernstfall - Freiwillige Feuerwehr Volkach trainiert für Hochwasser und Starkregen

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Feuerwehr übt Ernstfall - Was tun bei Hochwasser und Starkregen?

Feuerwehr übt Ernstfall - Was tun bei Hochwasser und Starkregen?

Die Freiwillige Feuerwehr Volkach war nach der Flutkatastrophe 17 Tage lang im Ahrtal im Einsatz. Mit Hochleistungspumpen haben sie dort vollgelaufene Keller leer gepumpt. Am Wochenende übten sie Maßnahmen bei Hochwasser und Starkregen.

Die Freiwillige Feuerwehr in Volkach hat am Wochenende Einsätze bei Hochwasser oder Starkregen trainiert. Ingenieure der Akademie für Hochwasserschutz aus Wiesbaden führten erstmals eine Schulung bei einer bayerischen Feuerwehr durch. Freitagabend hatten die Feuerwehrleute zunächst im Theorieteil erfahren, dass es durch den Klimawandel künftig immer öfter zu Starkregen-Ereignissen kommen wird, auch in Mainfranken. Wenn in kurzer Zeit große Regenmengen fallen, können die Pegel von kleinen Bächen in wenigen Stunden auf einige Meter anschwellen.

Bei Starkregen schnelles Handeln erforderlich

Die Vorwarnzeit für die Feuerwehr ist dann extrem kurz. Am Samstagvormittag mussten deshalb alle Schulungsteilnehmer erst einmal Sandsäcke füllen und dann je 90 Stück auf Paletten transportfertig stapeln. Dabei lernten sie von Michael Kühn von der Akademie für Hochwasserschutz, dass es wichtig ist, die Sandsäcke jeweils mit der gleichen Menge zu befüllen. "Das ist ganz wichtig beim Durchreichen in einer Menschenkette", erklärt Kühn.

Hochwasserszenario durchgespielt

Die Helfer erfuhren außerdem am eigenen Leib, dass man beim Sandsackfüllen schon binnen einer Stunde körperlich erschöpft ist. Im Bauhof der Stadt Volkach sind zwar 6.000 gefüllte Sandsäcke gelagert. "Im Ernstfall ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein", betont Michael Kühn.

In Obervolkach wurde dann an der alten Brücke über dem Bach Volkach ein Hochwasserszenario durchgespielt. Diese Brücke hat vier sehr kleine Wasserdurchlässe und bildet nach oben eine meterhohe Wand.

Probleme an Brücken

Michael Kühn erklärte den Feuerwehrleuten, was im Ahrtal passiert ist: Mit der Flut wurden Holz, Autos, Wohnwagen, Öl- und Gastanks angeschwemmt. All das hat die Brückendurchlässe verstopft - die Experten sprechen von Verklausung. Die Folge: Wasser und Treibgut staut sich immer weiter auf, bis die Brücke durch den Druck schließlich bricht. Die Flutwelle mit dem Treibgut rollt dann talwärts und reißt die nachfolgenden Brücken mit sich.

Bypass und Bagger können helfen

An der Brücke in Obervolkach würde das Wasser bei einem Starkregen auch steigen und schließlich rechts vorbei in den Ort fließen. Die Helfer der Feuerwehr bauten deshalb am Samstag aus Sandsäcken einen Damm, wie ein Bypass, der das Wasser an der Brücke vorbei ins Unterwasser leiten würde. Die Häuser unmittelbar am Bach würden so geschützt und nicht volllaufen. Gleichzeitig empfiehlt der Experte Michael Kühn den Einsatz eines Baggers, der auf der Brücke steht und von dort mit einem Greifarm Treibgut an den Durchlässen entfernt. So kann man die gefährliche Verklausung vermeiden.

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Immer die gleichen Menge Sand einfüllen - richtiger Umgang mit Sandsäcken

Hochwasser und Starkregen ist für die Volkacher Feuerwehr nicht neu. Im Juni und Juli 2021 hatte es auch im Landkreis Kitzingen nach Starkregen Überflutungen gegeben. Die Schulung am Wochenende hat den rund 50 Kommandanten und Helfern der Volkacher Ortsteilwehren dennoch viel gebracht: "Ich habe gelernt, wie man Sandsack-Dämme richtig baut", sagt einer.

Besser gerüstet für die Zukunft

Sein Kamerad neben ihm ist erstaunt, wie zeitaufwändig und anstrengend das Sandsackfüllen ist. Und ein anderer blickt auf die alte Brücke in Obervolkach: "Mir ist jetzt klar, wie gefährlich eine Verklausung hier werden kann!" Der Kommandant der Obervolkacher Wehr, Tobias Feuerbach, zieht abschließend Fazit: "Ich nehme mit, dass wir künftig mehr Starkregeneinsätze haben werden, durch den Klimawandel, was mir auch Angst macht. Aber ich weiß auch, dass wir jetzt besser darauf vorbereitet sind!"

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