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Julia ist wieder da. Bis auf eine Schramme am Bein und eine Unterkühlung geht es der Achtjährigen gut. Wie hat sie im Wald überlebt? Tipps vom Deutschen Alpenverein, was man Kindern für solche Notfälle mitgeben sollte.

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Überlebenstipps: Mit Kindern im Wald

Ein Kind im Wald zu verlieren: Für Eltern ist das eine schlimme Vorstellung. Die achtjährige Julia hatte Glück: Nach zwei Tagen wurde sie entdeckt. Eltern können ihre Kinder auf solche Situationen vorbereiten und sie für Notfälle ausrüsten.

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Von
  • Antje Dörfner
  • Christoph Dicke

Egal, ob Mittel- oder Hochgebirge: Einen kleinen Rucksack sollte jedes Kind beim Wandern dabeihaben. Das rät Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV). Denn sollte das Kind – wie die achtjährige Julia – verloren gehen, kann es sich bei Nässe und Kälte zumindest schon mal auf den Rucksack setzen. Je besser das Kind vorbereitet ist, desto besser kommt es in einer solchen Situation klar.

Rettungsdecke und ein Getränk mitnehmen

Der DAV-Experte empfiehlt, neben warmer Zusatzkleidung auch eine Rettungsdecke aus Aluminium einzupacken, die kaum etwas wiegt, damit sich das Kind wärmen kann. Und ein Getränk. Die achtjährige Julia hat im Wald im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet zwei Tage und Nächte lang offenbar weder gegessen noch getrunken, auch kein Tropfwasser oder Wasser aus den Fließgewässern. Nach 45 Stunden wurde sie aufgefunden. Nach Auskunft ihres Vaters geht es ihr "relativ gut".

Trillerpfeife gehört auch in den Wander-Rucksack

Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein empfiehlt, zum Wandern auch eine Trillerpfeife mitzunehmen. Denn mit solch einer Pfeife kann man auf Distanz auf sich aufmerksam machen.

Auch für Vanessa Blank aus dem Chiemgau gehört eine Pfeife zur Basisausrüstung. Wenn das Rufen zu anstrengend werde und die Stimme versage, sei die Pfeife eine gute Unterstützung. Vanessa Blank zeigt auf ihrem Youtube-Kanal "Bushcraft & Abenteuer", wie man sich in der Wildnis am besten verhält. Auch eine Taschenlampe würde sie immer einpacken. Mit dieser könne man nicht nur den Weg leuchten. Der Lichtschein helfe auch, Helfer auf sich aufmerksam zu machen.

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Verhaltenstipps: Mit Kindern in der Natur

Handy und Apps sind hilfreich

Wenn ein Kind schon ein Handy besitzt, dann kann das Gerät ihm im Notfall helfen. Tracking-Apps mit eingebauter Landkarte ermöglichen es zudem, das Kind bei Bedarf zu orten. Zu Beginn der Wanderung sollte die Funktion eingeschaltet werden, um das Kind im Notfall zu finden. Aber Achtung: Gerade in den Bergen hat das Handy nicht immer Empfang.

Eltern sollten zeitnah die Polizei rufen

Kommen die Eltern alleine nicht weiter und finden ihr verloren gegangenes Kind nicht schnell wieder, sollten sie nicht zu lange warten, bis sie die Polizei rufen und Hilfe anfordern, vor allem rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit.

DAV-Experte Winter appelliert generell an die Aufsichtspflicht der Eltern: Sie sollten die Kinder nicht aus den Augen lassen.

"Unsere Empfehlung ist: Kindergartenkinder immer im Blick behalten, Kinder im Grundschulalter in Rufweite." Stefan Winter vom DAV

Älteren Kindern könne man je nach Reife und Charakter mehr zutrauen. Julia war mit ihrem Bruder und ihrem Cousin beim Wandern an der tschechischen Grenze vorausgelaufen und dabei wohl falsch abgebogen. Die beiden Buben wurden von zwei Radfahrern zu den Eltern zurückgebracht. Das Mädchen, das noch ein Stück weiter vorausgelaufen war, verirrte sich.

Mit Kindern vorher sprechen, wie sie sich verhalten sollen

Der DAV-Experte rät, dass die Eltern frühzeitig mit ihren Kindern über ein mögliches Verlorengehen reden sollten. Denn Kinder reagierten meist ängstlicher und irrationaler als Erwachsene. Ist ein Kind auf die Situation vorbereitet, kann es womöglich besonnener vorgehen. Nämlich lieber auf einem bekannten Weg zurückgehen und sich an Dinge erinnern, an denen es schon mal vorbeigelaufen ist. Oder einfach an Ort und Stelle verharren und daran glauben, dass die Eltern schon wieder vorbeikommen. Julia hat nachts Tiere wie Rehe, Füchse und ein Wildschwein gesehen. Sie sagte der Polizei, dass sie sich gefürchtet habe. Das sei auch der Grund gewesen, dass sie nicht auf sich aufmerksam gemacht habe.

Windgeschützt übernachten

Sollte es tatsächlich notwendig werden, bei Dunkelheit im Wald zu übernachten, empfiehlt der DAV-Experte, sich einen trockenen, windgeschützten Platz zu suchen. Dort solle man sich zusammengekauert hinsetzen, um der Kälte weniger Angriffsflächen zu bieten. Auch mit Laub und Moos könne man sich zudecken – bei Frost auch eine Schneehöhle graben. Hier könnte dann auch die mitgenommene Rettungsdecke zum Einsatz kommen. Laut Polizei war die achtjährige Julia auf der Suche nach dem Rückweg kilometerweit umhergeirrt. Geschlafen hat sie im hohen Gras.

Weg nicht verlassen

Ausschau nach dem Weg halten und – wenn man weitergeht – diesen nicht verlassen: Das rät Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Auf den Wegen ist die Chance am größten, dass jemand vorbeikommt und einen findet. Wenn es anfängt, dunkel zu werden, sei es gut, am Weg zu verharren und abzuwarten.

Youtuberin Vanessa Blank weist im BR-Interview darauf hin, dass am Berg immer am besten ein Weg nach unten genommen werden sollte. Auch Bächen - allerdings nicht im Steilgelände - könne man folgen, denn Wasserläufe führten dorthin, wo Menschen sind.

Julia trotzte der Kälte mit Bewegung

Gefunden worden ist Julia in einem Waldstück zwischen dem Cerchov-Gipfel und dem tschechischen Dorf Ceska Kubice. Dass die Achtjährige in Bewegung blieb, war vorteilhaft: Ihr Körper ist in dieser Zeit nicht noch mehr ausgekühlt. Bekleidet war sie mit herbstlicher Wanderkleidung und einer Art Regenjacke. Wahrscheinlich hat sie durch ihr Herumirren insgesamt bis zu zehn Kilometer zurückgelegt. Das Mädchen hat wohl versucht, den Weg wiederzufinden, an dem sie verloren gegangen war. Nach einer Nacht im Wärmebett konnte Julia aus dem Krankenhaus entlassen werden.

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