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Über psychische Erkrankungen sprechen | BR24

© dpa/pa

Symbolbild Depression

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Über psychische Erkrankungen sprechen

Wenn die Gesellschaft immer mehr Wert legt auf "schneller, weiter, höher, besser", dann setzt das die meisten Menschen unter Druck. Manche können da nicht mithalten und werden krank. Doch psychische Krankheiten werden oft totgeschwiegen.

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Immer mehr Kinder leiden unter Depressionen. Auslöser sind nicht selten Leistungsdruck in der Schule oder Mobbing in sozialen Netzwerken. Bayerns Schüler fordern mehr Aufmerksamkeit von der Politik.

Eine Gruppe von Münchner Abiturienten hat dem Verschweigen psychischer Probleme den Kampf angesagt. Ein Thema, das auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner sehr wichtig ist. Deshalb hat sie in den Landtag geladen.

Im Gespräch mit der Landtagspräsidentin

Ein junger Mann liegt weinend am Boden, kurz danach schneidet er sich mit einem Messer die Pulsadern auf – so beginnt der Film, den Alexander Spöri mit ein paar Mitschülern gedreht hat. "Grau ist keine Farbe" - ein Dokumentardrama, das die Geschichten von drei Jugendlichen erzählt. Aus verschiedenen Gründen sind sie depressiv. Psychische Krankheiten - für Alexander Spöri ein Thema, über das man sprechen muss. Er habe nach zwölf Jahren Schule festgestellt, dass nie über Depressionen gesprochen wurde. Unfassbar findet er, denn pro Klasse sind im Schnitt zwei Schüler betroffen.

Erst der Film, dann die Petition

Der Film war den Abiturienten nicht genug – deshalb haben die sechs auch eine Petition gestartet. Inzwischen haben schon mehr als 42.000 Menschen unterzeichnet, unter anderem dafür, dass psychische Krankheiten im Unterricht behandelt werden als ganz normaler Teil des Lehrplans. Und, dass Lehramtsstudenten etwas darüber lernen.

Ganz offen über die eigene Geschichte reden

Reden, erzählen, Ängste abbauen. Das versucht auch Peter Bechmann, selbst ein Betroffener, wie er sagt. Er geht in Münchner Schulen und spricht mit Jugendlichen ganz offen über seine Krankheit, denn Bechmann stellt fest, dass die Scham vieler noch sehr groß ist. Die wenigsten trauen sich auch, sich im Job zu outen. Landtagspräsidentin Ilse Aigner hat zu der Veranstaltung im Maximilianeum eingeladen, weil sie will, dass man hinschaut. Sie sagt, es sei schwierig zwischen Stress und Burnout, zwischen einer Angewohnheit und Zwanghaftigkeit zu unterscheiden. Deshalb müsse man das Bewusstsein der Menschen bilden, dass sie Probleme bei ihren Mitmenschen erkennen. Auch deshalb habe sie in den Landtag zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Teresa Enke: "Wünschte, Robert hätte den Film gesehen"

Abende, bei denen über psychische Erkrankungen geredet wird – die sind unglaublich wichtig, meint Teresa Enke. Ihr Mann, der Fußball-Nationaltorwart Robert Enke, hat sich vor knapp zehn Jahren das Leben genommen. Sie habe den Film gesehen und sich gewünscht, ihr Mann könnte ihn sehen. Um zu begreifen, dass es anderen Betroffenen ganz ähnlich geht.

Ganz langsam ändert sich etwas in der Wahrnehmung, in der Gesellschaft, findet Kerstin Celina, die sozialpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen. Allerdings fällt ihr auf, dass das stark von der jeweiligen Krankheit abhängt. Was Depressionen sind, könnten viele Menschen eher nachvollziehen als beispielsweise was es bedeutet, schizophren zu sein.

Wenn man bedenkt, dass sich pro Tag in Bayern vier Menschen das Leben nehmen – dann kann gar nicht genug über das Thema gesprochen werden.