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Weil er nach einer alten Regelung einen Tag zu früh dran war, bekam Heinrich Wogurek keine Impfung.

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    71-Jähriger beim Impfen abgewiesen: Landkreis reagiert

    Booster-Impfungen sollen helfen, die Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen. Besonders bei Menschen über 70. Trotzdem wurde ein 71-Jähriger nach langem Warten abgewiesen. Der Landkreis Günzburg reagiert mit einer Entschuldigung und neuen Abläufen.

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    Peter AllgaierPeter AllgaierKilian GeiserKilian Geiser
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    Heinrich Wogurek ist schon über 70. Deshalb wollte er sicherheitshalber seinen Impfschutz auffrischen. Doch vor der Impfstation in Burgau gab es am Dienstag der vergangenen Woche eine lange Schlange – wie auch vor vielen anderen Impf-Einrichtungen in Bayern. Es ist kalt, doch der Senior wartet auf seine Booster-Impfung. Ohne Termin geht es nur langsam vorwärts.

    Zu früh für die Booster-Impfung

    Nach über eineinhalb Stunden ist er an der Reihe. Doch: Er wird wieder nach Hause geschickt. Man sagt ihm, er sei einen Tag zu früh gekommen. Die Booster-Impfung erhalte er frühestens mit sechs Monaten Abstand zur letzten Impfung. "Das war wie ein Schlag in die Magengrube, wie bei einem Boxer, der dann k.o. geht. Eigentlich sollte man mit älteren Menschen so nicht umgehen", beklagte Heinrich Wogurek

    Neue Anweisung zur Booster-Impfung hatte Impfteam nicht erreicht

    Die Staatregierung hatte zu diesem Zeitpunkt über die Medien schon eine Booster-Impfung nach fünf Monaten befürwortet. Doch das Impfteam in Burgau war noch nicht darauf eingestellt, als sich Herr Wogurek impfen lassen wollte.

    Neue Frist erst Anfang der Woche kommuniziert

    Die Verantwortlichen baten ihn nach dem Vorfall um Entschuldigung. Das bayerische Gesundheitsministerium hatte die Impfzentren erst am Montag und Dienstag der vergangenen Woche dazu aufgefordert, Booster-Impfungen bereits nach fünf Monaten durchzuführen. Die Information sei am Abend vor Herrn Wogureks Versuch, sich impfen zu lassen, um 19.38 Uhr per E-Mail eingegangen, erklärte der Impfkoordinator des Landkreises, Hermann Keller. An das mobile Impfteam, das die Station in Burgau am folgenden Tag betreute, war die Anweisung dann nicht unmittelbar weitergegeben worden. Auch der impfende Arzt in Burgau habe die Informationen offenbar nicht gehabt, erklärt Keller im Gespräch mit dem BR. "Es tut uns sehr leid für den Bürger. Aber wir waren in dem Moment nicht in der Lage, ihn zu impfen", bedauert der Impfkoordinator im Interview.

    Im Landkreis Aichach-Friedberg: Ablehnung nach knapp fünf Monaten

    Ein Fall aus einem anderen Landkreis zeigt unterdessen: Ganz aus der Welt schaffen lässt sich das Problem mit Abständen zwischen Corona-Impfungen auch mit der Verkürzung von sechs auf fünf Monaten nicht. So schilderte ein Bürger aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, dass ihm vom Impfportal des Gesundheitsministeriums der 22.11.2021 als Termin für eine Booster-Impfung vorgeschlagen worden sei. Der Termin lag nicht ganz fünf Monate nach der letzten Impfung: etwa eine Woche fehlte für die Einhaltung des Abstandes. Am Impfzentrum in Dasing selbst sei er bei seinem Termin deshalb abgewiesen worden.

    Impfportal berücksichtigt vorherige Impfungen nicht

    Mit einer Beschwerde wandte sich der Mann unter anderem an das Bayerische Gesundheitsministerium. Das teilte ihm mit, dass das Impfportal aus Gründen der Datensparsamkeit nicht unterscheiden könne, ob eine Person ungeimpft, einfach geimpft oder vollständig geimpft sei. Die Einhaltung des Abstandes zur vorausgegangenen Impfung liege deshalb in seiner eigenen Verantwortung.

    Landkreis Günzburg setzt auf Terminpflicht

    Auch im Landkreis Günzburg ist sich Impfkoordinator Keller bewusst, dass es solche Fälle geben wird. Er betont, es liege dann auch immer in der Verantwortung des jeweiligen Arztes zu entscheiden, ob er einige Tage vor einer Frist impfe oder nicht.

    Vermeiden will man künftig aber jedenfalls die langen Wartezeiten. Heinrich Wogurek hatte ja eineinhalb Stunden angestanden, bis er nach Hause geschickt wurde. Um dem Problem zu begegnen, wird von den Teams des Landkreises jetzt nur noch mit Termin geimpft. Keller erklärte, man habe vorher 12 Termine pro Stunde vereinbart und zusätzliche Bürger geimpft, die ohne Termin kamen. Geändert wurde das einen Tag nach Heinrich Wogureks Impfversuch. Weil die Termine für die nächsten Wochen nun schnell vergeben worden sind, wird es außerdem zusätzliche Angebote geben: am Wochenende etwa "Booster-Tage" auf dem Legoland-Parkplatz. 1.000 Menschen sollen dabei eine Auffrischungsimpfung erhalten können.

    Impfkoordinator fordert schnelle Maßnahmen, um Kliniken zu entlasten

    Keller ruft nachdrücklich dazu auf, alle Impfangebote zu nutzen. "Wir stehen hier mit dem Rücken zur Wand“, sagt er über die Kliniken im Landkreis. Er verweist darauf, dass viele Eingriffe bereits abgesagt wurden. Schon jetzt wird das Personal aus den OPs auf den Intensivstationen eingesetzt. Keller plädiert für Impfpflicht und Lockdown. "Die Leute, die sich heute anstecken, die sind erst in zehn Tagen bei uns in der Klinik" betont der Impfkoordinator und fordert, weitere Maßnahmen dürfe man deshalb nicht erst ergreifen, wenn die Kliniken übervoll seien.

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