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Über 150.000 Menschen feiern den CSD in München | BR24

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In München sind 155.000 Menschen zum Christopher Street Day gekommen. Das Straßenfest mit Parade wirbt für die gesellschaftliche Anerkennung von Lesben, Schwulen, Bi- , Trans- und Intersexuellen.

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Über 150.000 Menschen feiern den CSD in München

Das ganze Wochenende feiert München zum 40. Mal den Christopher-Street-Day. Höhepunkt war am Nachmittag die traditionelle Polit-Parade durch die Stadt – die größte Demonstration der lesbischwulen und transidentischen Community im süddeutschen Raum.

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An der großen Polit-Parade zum Christopher-Street durch die Münchner Innenstadt nahmen 15.000 Menschen teil, weitere 140.000 freuten sich als Zuschauer am Samstagnachmittag an den 60 dekorierten Trucks, an Regenbogenfahnen und bunten Outfits. Ganz vorne fuhren die "Dykes on Bikes", die lesbischen Motorradfahrerinnen und ließen teilweise ihre Motoren aufheulen.

Auch der 18-jährige Tim Kopplin nimmt an der Parade teil – er trägt eine kurze Regenbogen-Hose. Am Christopher-Street-Day schätzt er vor allem eines:

"Freier zu sein, als man sonst ist. Ein bisschen einschränken muss man sich ja schon. So wie jetzt laufe ich nicht jeden Tag rum - würde ich auch gar nicht wollen. Es ist schon so ein Gefühl von Freiheit, und man kann schön feiern und hat viele Leute um sich, die genauso denken. Einfach Spaß haben mit Freunden - egal welche Sexualität oder Geschlecht." Tim Kopplin, Teilnehmer am CSD

Showprogramm und Party noch bis Sonntag Abend

Diesmal macht zwischenzeitlich der Regen die vielen Fahnen und Outfits der Demo-Teilnehmer ganz schön nass. Beim Straßenfest in der Münchner Altstadt wird mit Showprogramm und vielen Live-Acts trotzdem noch bis Sonntagbend weitergefeiert – für sexuelle Vielfalt, gegen Hass und Diskriminierung.

Die Ursprünge des CSD

Tim Kopplin hat das diesjährige Plakat für den Christopher-Street-Day, kurz CSD, entworfen. Es zeigt einen Arm mit geballter Faust. Eine Erinnerung an den Stonewall-Aufstand vor genau 50 Jahren. Damals wehrten sich die Gäste der Schwulenbar "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street gegen willkürliche Polizeigewalt.

"Es war der Punkt, an dem lange schon bestehende Spannungen übergekocht sind. Übergriffe von der Polizei auf Menschen, die nicht heterosexuell waren, waren schon an der Tagesordnung. Dann ist es aber zu einer Situation gekommen, wo es einfach genug war und wo die Leute angefangen haben zurückzukämpfen. " Julia Bomsdorf, CSD-Sprecherin

Danach habe es jedes Jahr Gedenkmärsche gegeben, aus denen sich dann die Pride-Parades weltweit gegründet haben. Lange also, bevor Tim Kopplin auf die Welt kam. Als er für sein Plakat recherchiert hat, ist ihm erstmals so richtig klar geworden, was damals in New York passiert ist.

"Ich war extrem schockiert und es war mir so ein Bedürfnis rauszubringen, wie schlimm das damals war und was wir schon alles erreicht haben, aber dass es auch immer noch viel gibt, wofür wir kämpfen müssen - vor allem in anderen Ländern." Tim Kopplin, Jung-Grafiker

Schwule Fußballfans und Establishment

Eine ernste politische Botschaft und ausgelassenes Feiern, das war beim CSD noch nie ein Widerspruch. Um die 150 Gruppen sind in diesem Jahr bei der Parade am Start. Darunter Institutionen der Community, Vereine wie der Queer-Fanclub des FC Bayern München - oder die erste schwule Schuhplattler-Gruppe der Welt, die "Schwuhplattler".

Aber auch große Firmen wie Siemens oder Amazon, Parteien und Konsulate – etwa das der Vereinigten Staaten von Amerika sind dabei. Mit eigenem Wagen präsentiert sich die Generalkonsulin Meghan Gregonis.

"Wir sind gegen die Kriminalisierung von Homosexualität in der ganzen Welt, aber mehr als 70 Länder kriminalisieren Homosexualität. Wir stehen für Menschenrechte für alle." Meghan Gregonis, Generalkonsulin der USA

Gegenposition zu Trump?

Dass US-Präsident Donald Trump Transgender aus dem Militärdienst entließ oder immer wieder erzkonservative Richter platziert, die die Gleichstellung von Homosexuellen kritisch sehen, scheint da nicht so recht ins Bild zu passen. Doch erst vor Kurzem hat Trump angekündigt, Homosexualität entkriminalisieren zu wollen. Das amerikanische Konsulat ist aber schon seit ein paar Jahren beim Münchner CSD dabei.

Parteiwagen der CDU/CSU auf der Parade mehrfach blockiert

Am Samstag war die "Lesben und Schwule in der Union" (LSU) wieder mit einem Wagen dabei und wieder gab es nach 2018 Ärger gegeben. Der Wagen der "Interessenvertretung lesbischer, schwuler, bisexueller, trans- und intersexueller Menschen in CDU und CSU" wurde dieses Jahr auf der Münchner Paraderoute zweimal blockiert, wie die Polizei mitteilte. Zudem sei ein Wagen der Bundeswehr kurzzeitig blockiert worden.

Nachdem die Polizei die Personen in der Blockade angesprochen hatte, hätten diese freiwillig die Straße verlassen. Später seien sie erneut angetroffen und kontrolliert worden. Man habe Personalien festgestellt und prüfe nun, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliege.

© BR/Manuel Rauch

Das ganze Wochenende feiert München zum 40. Mal den Christopher-Street-Day. Höhepunkt war am Nachmittag die traditionelle Polit-Parade durch die Stadt – die größte Demonstration lesbischwulen und transidentischen Community im süddeutschen Raum.