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Ein Polizeibeamter begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal.
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Ein Polizeibeamter begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal.

Die Rädelsführerin der Ausschreitungen im vergangenen Juni in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Waldkraiburg bei Mühldorf ist zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Traunsteiner Amtsgericht sprach die 24-jährige Nigerianerin des Landfriedensbruchs, der Nötigung, der Sachbeschädigung und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte für schuldig. Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte neun Monate auf Bewährung gefordert.

Gericht: Bewährungsstrafe ist zweite Chance

In der Urteilsbegründung redete der Richter der 24-jährigen Asylbewerberin ins Gewissen. Mit der Bewährungsstrafe bekomme sie eine zweite Chance. Er monierte jedoch, dass die Nigerianerin das deutsche Gastrecht missbraucht habe. Vor allem der Landfriedensbruch wiege schwer. Menschen gegen den deutschen Staat anzustacheln, sei nicht hinnehmbar.

Die Angeklagte, so der Richter, habe großes Glück gehabt, dass durch ihr Aufhetzen nicht mehr passiert ist. Wie ein Polizist bestätigte, bewarfen Asylbewerber ihn und seine Kollegen mit Steinen, Flaschen und sogar einer Bierbank.

Asylbewerberin wollte Kühlschrank behalten

Der Auslöser der Krawalle war die Anweisung der Regierung von Oberbayern, aus Brandschutzgründen Kühlschränke aus den Zimmern der Asylbewerber entfernen zu lassen. Als der Abtransport des Geräts bei der Nigerianerin anstand, hat sie sich massiv dagegen gewehrt.

Bei Polizeieinsatz rief sie um Hilfe

Als die Polizei gerufen wurde, um die Frau in Gewahrsam zu nehmen, rief sie andere Heimbewohner dazu auf, sie zu befreien. Daraufhin bewaffneten sich über 50 Bewohner des Asylbewerberheims mit diversen Gegenständen. Etwa 150 angerückte Polizisten brachten wieder Ruhe in die mehrstöckige Erstaufnahmeeinrichtung.

Richter verwundet über Entfernen der Kühlschränke

Im Prozess angesprochen wurde die Ursache für die Tumulte: etwa 300 Kühlschränke, die auf Anweisung der Regierung von Oberbayern im Juni entfernt wurden. Der Richter verstand die Anordnung nicht. Er sagte, Asylbewerber müssten eine Möglichkeit haben, gewisse Dinge zu kühlen wie Babynahrung oder auch Medikamente.

Zusätzlich zu Geldstrafe verurteilt

Die Nigerianerin, die seit Juni in U-Haft saß, wurde nach dem Urteilsspruch auf freien Fuß gesetzt. Die Bewährungszeit läuft drei Jahre lang. Außerdem wurde sie vom Gericht zu einer Geldstrafe von insgesamt 1.200 Euro verurteilt.

Nigerianerin hofft auf Vergebung

Die Asylbewerberin, die im Januar 2018 aus Italien nach Deutschland flüchtete, zeigte Reue. Es tue ihr leid, was passiert ist, sie hoffe auf Vergebung – und es werde nicht wieder passieren, sagte sie dem Amtsrichter.

Die Fassade der Erstaufnahmeeinrichtung am Tag nach den Randalen.

Die Fassade der Erstaufnahmeeinrichtung am Tag nach den Randalen.