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TÜV: Abschaltung des Münchner Heizkraftwerks 2022 nicht machbar | BR24

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Das Heizkraftwerk München Nord in Unterföhring

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TÜV: Abschaltung des Münchner Heizkraftwerks 2022 nicht machbar

Die geplante Stilllegung des Kohleblocks im Heizkraftwerk München Nord schon 2022 gefährdet laut TÜV-Gutachten die Versorgung mit Fernwärme. Dennoch wird die Abschaltung in drei Jahren diskutiert, nicht zuletzt wegen des Drucks von Klimaschützern.

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Das Hickhack über die Stilllegung des Kohleblocks im Heizkraftwerk München Nord dürfte jetzt weitergehen. Zur Diskussion stehen nach wie vor mehrere Szenarien: Etwa eine Abschaltung bis 2022 wie im Bürgerbegehren von 2017 gefordert, die Stilllegung bis 2028 wie von den Stadtwerken und der Netzagentur favorisiert, oder ein eingeschränkter Betrieb mit reduziertem CO2-Ausstoß.

Gutachten: Abschaltung in drei Jahren nicht umsetzbar

Die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Stilllegung sind so alt wie die Diskussionen um den Kohleausstieg in München. Ein Gutachten des TÜV Süd sagt nun klar: Wenn der Kohleblock im Heizkraftwerk München Nord tatsächlich in drei Jahren abgeschaltet wird, dann gefährdet das nicht nur die Versorgungssicherheit mit Strom in Süddeutschland, sondern auch die Fernwärmeversorgung in München.

Das Gutachten hatte der Stadtrat im Sommer in Auftrag gegeben - und das Ergebnis bedeutet Sprengstoff.

"Der TÜV Süd bekräftigt mit dem Gutachten nochmals, dass das HKW Nord Block 2 Ende 2022 nicht abgeschaltet werden kann, da die Bundesnetzagentur aufgrund der Systemrelevanz für die Stromversorgung in Süddeutschland die Stilllegung untersagen würde."

Das teilten die Stadtwerke München (SWM) auf BR-Anfrage mit.

Kohleausstieg gefährdet die Fernwärmeversorgung

Die Bundesnetzagentur könnte den Stadtwerken die Abschaltung verbieten. Der TÜV Süd bestätigt in dem Gutachten darüber hinaus, dass die Abschaltung des Kraftwerksblocks Ende 2022 zu einer Versorgungslücke bei der Fernwärme für München führen würde. Derzeit bauen die Stadtwerke München (SWM) diese umweltfreundliche Heizmethode massiv aus in München. Langfristig soll sie mit Geothermie betrieben werden, aber das wird noch mehrere Jahre dauern.

Stadtwerke wollen erst 2028 abschalten

Am sichersten und am wirtschaftlichsten wäre es laut Gutachten, wenn das Heizkraftwerk München Nord bis 2028 weiterlaufen würde. Also viel Zündstoff für den Münchner Stadtrat in der nächsten Woche. Nach ÖDP und Grünen waren auch die Politiker der Stadtratsmehrheit aus CSU und SPD im Juli dafür, früher aus der Kohle auszusteigen.

Eingeschränkter HKW-Betrieb kostet mehrere hundert Millionen Euro

Als Alternative wurde genannt, das Heizkraftwerk mit weniger Kohle und daher mit weniger Leistung am Netz zu lassen. So könnte beispielsweise in den Sommermonaten ganz abgeschaltet werden, im Winter während der Heizperiode könnte es mit 60 Prozent laufen. Das brächte den geringstmöglichen CO2-Ausstoß, so das Gutachten. Die Stadtwerke München hatten diese Variante selbst ins Gespräch gebracht.

"Laut TÜV kann mit dem SWM-Konzept zur CO2-optimierten Fahrweise eine CO2-Einsparung von 14,5 Millionen Tonnen erreicht werden, gleichzeitig führt dies zu Mindereinnahmen von 343 Millionen Euro." Stadtwerke München

Das wären 343 Millionen Euro, die beispielsweise für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fehlen würden.

Druck von Klimaschützern

Vor der letzten Entscheidung des Stadtrates hatten sich Klimaschützer am Rathaus festgekettet, darunter auch Aktivisten von Extinction Rebellion, um für den schnellen Kohleausstieg zu demonstrieren. Die Entscheidung, welches der Szenarien für das Heizkraftwerk München Nord umgesetzt werden soll, liegt nun ein weiteres Mal beim Stadtrat.

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Ein Gutachten des TÜV-Süd im Auftrag der Stadt München könnte den baldigen Kohleausstieg der Landeshauptstadt verhindern.