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Symbolbild: Militante Dschihad-Mitglieder
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Joseph Röhmel
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Symbolbild: Militante Dschihad-Mitglieder

Terrorverdächtige oder Gefährder werden "normalerweise" eher aus Deutschland abgeschoben - im Fall eines Augsburgers ist es umgekehrt: Der 32-Jährige wurde aus der Türkei nach Bayern abgeschoben. Die türkischen Behörden vermuten, dass er sich einer Al-Qaida-nahen Terrorgruppe in Syrien anschließen wollte. Nun befindet er sich in Bayern in Untersuchungshaft. Das hat die Generalstaatsanwaltschaft München dem Bayerischen Rundfunk auf Anfrage bestätigt. 

Der Mann ist zum Islam konvertiert und kommt aus Augsburg. Er soll im Juni 2017 versucht haben, über die Türkei nach Syrien einzureisen – gemeinsam mit einem Türken aus Augsburg und einem Afghanen, beide damals 22 Jahre alt. Laut Generalstaatsanwaltschaft München wurden sie in der Türkei gestoppt und festgenommen. Erst am 10. Januar dieses Jahres schoben die türkischen Behörden den 32-Jährigen nach Deutschland ab. Die Polizei nahm den Augsburger am Flughafen Stuttgart fest. 

Verdacht: Mann wollte sich in Syrien militärisch ausbilden lassen

Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt gegen ihn wegen Vorbereitung und Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. In Deutschland steht schon seit Juni 2015 die versuchte Einreise in ein Terrorcamp unter Strafe. Ziel des 32-jährigen Deutschen war nach Angaben der bayerischen Ermittler die Gruppe Hai‘ at Tahrir asch-Sham, die der bayerische Verfassungsschutz als Al-Qaida-nah einstuft. Es besteht der Verdacht, dass sich der 32-Jährige in Syrien militärisch ausbilden lassen wollte. Dann, so der Vorwurf der Ermittler, wollte er sich an Kampfhandlungen oder Anschlägen beteiligen.    

Wegen Terrorismusverdachts in türkischer Untersuchungshaft

Der 32-Jährige saß wegen Terrorismusverdachts zunächst in türkischer Untersuchungshaft. Anschließend habe er fast ein Jahr in Abschiebehaft verbracht, sagte sein Anwalt Ali Aydin dem Bayerischen Rundfunk. Warum die Rückführung seines Mandanten nach Deutschland so lange gedauert hat, kann sich Anwalt Aydin nicht erklären. Er geht davon aus, dass die türkischen Behörden längere Zeit gegen den 32-Jährigen ermittelt haben. Das Auswärtige Amt teilt auf BR-Anfrage mit, dass der Fall konsularisch betreut wurde. Zum türkischen Verfahren will die Behörde aber keine Angaben machen.

Unklar bleibt, wo sich die beiden Männer aufhalten, mit denen der 32-Jährige mutmaßlich zur Terrorgruppe reisen wollte. Die Generalstaatsanwaltschaft München möchte sich zu dem 22-jährigen Türken und dem 22-jährigen Afghanen aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht weiter äußern. Im November 2017 hatte die Generalstaatsanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen gegen die drei Männer 13 Wohnobjekte in Augsburg und im Landkreis Augsburg durchsucht.