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Fossile Überreste des Menschenaffen "Udo" erstmals ausgestellt | BR24

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"Udo" war die Sensation: Forscher entdeckten seine fossilen Überreste in einer Lehmgrube bei Pforzen. Er gilt als der älteste aufrecht gehende Menschenaffe, der bisher gefunden wurde. Im Tübinger Schloss wird "Udo" erstmals öffentlich ausgestellt.

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Fossile Überreste des Menschenaffen "Udo" erstmals ausgestellt

"Udo" war die Sensation: Forscher entdeckten seine fossilen Überreste in einer Lehmgrube im Ostallgäu. Er gilt als der älteste aufrecht gehende Menschenaffe, der bisher gefunden wurde. Im Tübinger Schloss wird "Udo" erstmals öffentlich ausgestellt.

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Von
  • Rupert Waldmüller
  • Veronika Scheidl

Die Hammerschmiede bei Pforzen im Ostallgäu ist seit vergangenem Jahr weltweit bekannt. Denn in der Lehmgrube fanden Archäologen die Überreste von "Udo", dem vermutlich ältesten, aufrecht gehenden Menschenaffen, der bislang gefunden wurde.

Ausstellung in Tübingen über Udo

Eigentlich hätte "Udo" schon längst eine Ausstellung in seinem Heimatort Pforzen bekommen sollen, aber die lässt noch etwas auf sich warten. Wer aber jetzt schon wissen will, wie dieser "Udo" denn ausgesehen hat, kann nach Tübingen reisen: Denn im Tübinger Schloss werden "Udo" und weitere Fossilien zum ersten Mal öffentlich ausgestellt: mit Schautafeln, Bildern, Nachbildungen seiner Knochen und Videos.

Udo-Rekonstruktion aus Ton und Knochenteilen

Auf dem grauen Sockel mitten im Museum der Uni Tübingen steht er vor einer grünen Wand: "Udo", der erste Fußgänger. Ungefähr einen Meter groß ist der rekonstruierte Menschenaffe, modelliert aus dem weißlich-grauen Ton von seinem Fundort, der Hammerschmiede. Am Kiefer, am Schienbein und dem Unterarm sind die wenigen Knochenteile dunkelgrau hervorgehoben, die bei Grabungen in der Lehmgrube bei Pforzen gefunden wurden.

"Udo" liefert Tübinger Forschern wichtige Hinweise

Für seine Entdeckerin, die Tübinger Paläontologin Madelaine Böhme, ist "Udo" nach wie vor ein spektakulärer Fund. "Für mich ist natürlich das Besondere, dass ich ihn gefunden habe. Die Wissenschaft profitiert vor allem dadurch, dass wir mit 'Udo' oder mit Danuvius guggenmosi ein Modell haben, wie möglicherweise der aufrechte Gang entstanden sein kann." Und zwar nicht nur der aufrechte Gang, sondern auch die Fortbewegungsweise, die heutige Menschenaffen haben.

Aufrechter Gang doch zuerst in Europa?

Vor fast zwölf Millionen Jahren soll "Udo" schon aufrecht durchs heutige Allgäu gegangen sein. Er ist für Madelaine Böhme ein Hinweis, dass der aufrechte Gang Millionen Jahre früher entstanden sein könnte als bisher gedacht - und das in Europa und nicht wie bisher vermutet, in Afrika. "Europäische Menschenaffen haben wahrscheinlich dieses Experiment des Sich-Aufrichtens zum ersten Mal versucht und offensichtlich auch erfolgreich versucht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass spätere Menschenformen von diesen abstammen. Mit anderen Worten: Dass Danuvius tatsächlich auch in einer genetischen Verwandtschaft zu uns steht", erklärt Böhme.

Über 15.000 gefundene Fossilien in der Hammerschmiede

Auch der Pforzener Hammerschmiede ist ein Teil der Ausstellung gewidmet. Denn konserviert im Allgäuer Ton haben die Tübinger Wissenschaftler dort neben den Überresten von "Udo" und seiner Familie schon 15.000 Fossilien gefunden.

Darunter Elefanten, Bären, Pandas, Säbelzahnkatzen, Schnappschildkröten und Riesensalamander, die alle vor Millionen von Jahren in der Region gelebt haben. "Die Wissenschaft hatte wohl nirgendwo einen besseren Einblick in die bayerische Tier- und Pflanzenwelt. Wir haben über 130 Wirbeltierarten allein nachgewiesen. Das ist auch im weltweiten Maßstab einmalig", sagt Paläontologin Madelaine Böhme.

Grabungen gehen weiter

Deshalb wollen die Forscher in der Hammerschmiede auch unbedingt weitergraben. Im September soll es wieder losgehen. Ob noch mal so etwas Spektakuläres wie "Udo" zum Vorschein kommt, weiß keiner. Aber die Arbeit geht den Wissenschaftlern in der Ostallgäuer Lehmgrube garantiert nicht aus: "Die Fläche, die jetzt momentan unter Naturschutz steht, hat Potenzial für einige Jahrzehnte weiterer wissenschaftlicher Grabungen", sagt Böhme.

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