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Bildrechte: Andreas Heddergott / TUM

Mittlerweile bleiben 95 Prozent aller an Covid-19 Erkrankten zu Hause. Aber wann ist es Zeit ins Krankenhaus zu gehen? Der Zustand kann sich schnell und dramatisch verschlechtern. Ein Sensor im Ohr kann bei dieser kritischen Entscheidung helfen.

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TU München testet Ohrensensor für telemedizinische Betreuung

Corona-Infizierte mit milden Symptomen können sich daheim gut auskurieren. Rund 90 Prozent der Betroffenen gelingt das, doch akute Verschlechterungen sind lebensbedrohlich. Dagegen sollen Ohrensensoren helfen.

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Von
  • Monika Haas

Um Corona-Patienten zu Hause möglichst gut zu versorgen, testet eine Studie der Technischen Universität München Ohrensensoren für ihre telemedizinische Betreuung. Denn auch nach einem Jahr der Pandemie bleibt das Coronavirus tückisch.

Sensor im Ohr macht Betreuung daheim möglich

Auch nach einem eher harmlosen Krankheitsbeginn können innerhalb von 14 Tagen plötzlich Symptome wie Atemnot und hohes Fieber auftreten. In häuslicher Quarantäne hat sich auch Covid-Patient Gotthard Brocher immer wieder gefragt, ob er besser in eine Klinik fahren sollte, denn "wo die Atmung schwerer wird, da kommt schon Panik auf", erklärt er.

Der Münchner musste aber nicht unnötig zum Klinikum rechts der Isar fahren. Der Grund: Er war Teilnehmer der aktuellen Telecovid-Studie und hatte täglich ein Gespräch mit dem Studienteam über seinen Gesundheitszustand per Telefon oder Videochat.

Mithilfe der Telemedizin sind die Ärzte der Technischen Universität München auch permanent über den Gesundheitszustand ihrer Studienteilnehmer informiert. Ein Sensor im Ohr liefert die Daten zu Atem- und Herzfrequenz, Fieber und Sauerstoffsättigung. Trotz seiner Isolation daheim fühlte sich Brocher aber intensiv betreut: "Das ist schon gut, wenn dann nochmal jemand reagiert und proaktiv auf jemanden zu kommt."

Ursprünglich wurde Sensor für Herzpatienten entwickelt

Wann die Krankheitszeichen einen schweren, möglicherweise lebensbedrohlichen Covid-Verlauf ankündigen, zum Beispiel stark steigende Körpertemperaturen, erforscht das Studienteam inzwischen seit rund einem Jahr. Kardiologe Prof. Georg Schmidt hat den Ohrensensor entwickelt - ursprünglich für die Kontrolle von Herzpatienten. "Patienten müssen bei einem einsetzenden gefährlichen Verlauf möglichst frühzeitig in die Klinik", so Schmidt.

Sein Studienteam will den Verlauf von Covid-Erkrankungen besser verstehen und vorhersagen, Patienten in häuslicher Isolation optimal betreuen und mithilfe der Telemedizin gleichzeitig auch Kliniken und Ärzte in der dritten Pandemiewelle entlasten.

So läuft die Telecovid-Studie ab

Im Studienzentrum am Klinikum rechts der Isar werden die Daten ausgewertet und ein sogenannter "Bio-Score" errechnet, der bei gefährlichen Grenzwerten Alarm schlägt. Sinkt beispielsweise die Sauerstoffsättigung im Blut, ist das ein früher Hinweis auf eine Verschlechterung der Erkrankung und die Entwicklung einer möglicherweise lebensbedrohlichen Lungenentzündung.

Den kleinen Ohrensensor tragen die Studienteilnehmer ähnlich wie ein Hörgerät, aber 24 Stunden am Tag. Dazu bekommen sie eine kleine Box, die in ihrer Wohnung alle 15 Minuten via Bluetooth die im Ohr gemessenen Bio-Daten wie Herz- und Atemfrequenz und Körpertemperatur datengeschützt weiterleitet.

Freiwillige für telemedizinische Forschung gesucht

Engmaschige Betreuung über das Telefon und die Sicherheit, dass keine Warnzeichen übersehen werden, das ist insbesondere für Risikopatienten wichtig. Nadja Carmutay ist in der Schwangerschaft an Covid-19 erkrankt und hat an der Studie teilgenommen. "Anfangs hat man so viele Ängste und Fragen und seitdem hat jemand aufgepasst auf uns, und das hat sicherlich zu meiner Genesung beigetragen", meint sie.

Für die Teilnahme an der kostenlosen Münchner Telecovid-Studie werden weiterhin positiv Getestete gesucht. 1.200 Patienten in Quarantäne sind für valide Studienergebnisse nötig. Damit rechnen die Forscher bis zum Jahresende.

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