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"True Crime" – warum echte Verbrechen so faszinierend sind | BR24

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Was macht Menschen zu Mördern? Die Gerichtsreporterin Ulrike Löw kennt viele unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Ein neues Magazin der Nürnberger Nachrichten beleuchtet menschliche Abgründe.

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"True Crime" – warum echte Verbrechen so faszinierend sind

Was macht Menschen zu Mördern? Die Gerichtsreporterin Ulrike Löw kennt viele unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Ein neues Magazin der Nürnberger Nachrichten beleuchtet menschliche Abgründe.

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Von
  • Martin Hähnlein

Ulrike Löw kennt das Böse berufsbedingt ziemlich gut. Als Gerichtsreporterin der Nürnberger Nachrichten kennt sie die Details und Geschichten hinter den Verbrechen, über die sie schreibt. Tagsüber ist sie oft bei Gericht und schreibt über Mord und Totschlag, Eifersucht, Hass und Rache. Was für sie zum beruflichen Alltag gehört, übt auf andere Menschen eine besondere Faszination aus, viel stärker als bei Krimis und Thrillern.

Öffentliches Interesse für Drogendealer und Räuber

Laut Löw seien es nicht immer nur die dunkelsten Triebfedern, die Menschen zu Straftätern werden lassen. So berichtete die Journalistin auch von einem Prozess, in der ein Mann angeklagt war, der seine Frau getötet hat. "Der Mann war felsenfest davon überzeugt, dass seine Frau sterben möchte", so Löw.

Solche Fälle kennt auch der Nürnberger Justizsprecher Friedrich Weitner. Jeden Montag bespricht er mit einer Runde von Journalisten potenziell berichtenswerte Fälle. Da geht es um Drogendealer, Räuber, Steuerhinterzieher und immer wieder auch um Mörder oder solche, die versucht haben, einen anderen Menschen zu töten.

Schwere Verbrechen üben Faszination aus

Weitner stellt fest, dass vor allem bei Mordprozessen sehr viele Zuhörerinnen und Zuhörer den Prozess im Gerichtssaal verfolgen. "Manchmal bringen wir die Leute gar nicht mehr in den Saal, weil der so voll ist. Die Menschen sind einfach fasziniert von den Geschichten. Es gibt Leute, die verfolgen die Prozesse, die mehrere Tage dauern, vom Anfang bis zum Ende", beobachtet der Justizsprecher. Die Zuschauer würden demnach vor allem die Hintergründe interessieren, was einen Menschen bewegt, andere Menschen auf teilweise brutale Art und Weise zu töten. "Man kann definitiv sagen, Verbrechen üben eine Faszination aus", meint Weitner.

Magazin "Abgründe" analysiert Verbrechen detailliert

In dem neuen Hochglanz-Magazin "Abgründe" beleuchten die Zeitungsmacher Verbrechen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Fall des Nürnberger Prostituiertenmörders wird ausführlich geschildert, viel detaillierter als es in der Tageszeitung aus Platzgründen möglich war. Aber auch der Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Schertel kommt zu Wort und schildert den Fall eines Todesrasers, der aus seinem Auto befreit werden musste und seine Retter dabei aufs Übelste beschimpfte. Und der Psychiater Michael Wörthmüller schildert, was Menschen zu Mördern macht. Die erste Ausgabe des Magazins ist nun im Handel erhältlich.

Gerichtsreporterin hat Lieblingsfall

Die Gerichtsreporterin Ulrike Löw fasziniert aber nicht so sehr Mord und Totschlag. Stattdessen haben es ihr Betrüger und Hochstapler angetan. Ihr Lieblingsfall ist der eines Bankkaufmanns, der sich als Arzt ausgegeben hat und am Erlanger Klinikum in der Gefäßchirurgie als zweiter Operateur fungierte. Als schließlich ein anonymes Schreiben bei der Klinik einging, flog er auf. Und noch heute, 15 Jahre später, leuchten Ulrike Löws Augen, wenn sie davon erzählt, wie der Mann sein ganzes Leben mit erfundenen Geschichten aufgebauscht hat. Bis schließlich vor Gericht alles zusammenschrumpfte und in einer Verurteilung mündete.

© BR/Martin Hähnlein

Gerichtsreporterin Ulrike Löw an ihrem Arbeitsplatz

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