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In Nürnberg entstehen 140 Mietswohnungen mit Solaranlagen auf dem Dach

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Trotz vieler Dächer wenige Solaranlagen in den Städten

Auf dem Land wird bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich mehr Solarstrom produziert als in der Stadt. Dabei gibt es auf den Dachflächen in den Städten Platz genug. Ein Beispiel aus Nürnberg zeigt, woran die Solarenergie in den Städten oft scheitert.

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Von
  • Carlo Schindhelm
  • Simone Schülein

Bauleiter Roland Gelke geht die vielen Stufen im Rohbau bis hinauf in das oberste Stockwerk. Insgesamt entstehen hier im Stadtteil Eberhardshof in Nürnberg 140 Wohnungen. Auf einem Dach ist eine Solaranlage bereits installiert. Der Strom fließt vom Dach direkt ohne Umwege in die Steckdose, freut sich eine Mieterin.

Strom vom Dach in die Steckdose

Der Eigentümer der Immobilie hat nichts von der Stromproduktion, außer vielleicht eine moralische Genugtuung, etwas für das Klima zu tun. Er stellt dem Energieunternehmen Naturstrom die Dächer kostenlos zur Verfügung, sagt Roland Gelke. Der Grund: Eigentümer oder Wohnungsgesellschaften fürchten, dass sie Gewerbesteuer zahlen müssen – auch auf ihre Mieteinnahmen. Als Betreiber von Solaranlagen werden sie zu Gewerbetreibenden.

Neues Gesetz: Vermieter bleiben von Gewerbesteuer befreit

Kürzlich haben Bundestag und Bundesrat dazu jedoch ein neues Gesetz verabschiedet. Das besagt: Soweit die Einkünfte aus einer Solaranlage nicht mehr als zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, sind Vermieter von der Gewerbesteuer befreit.

Das könnte es für Wohnungsgesellschaften und Eigentümer attraktiver machen, in Solaranlagen für ihre Mieter zu investieren. Das große Geschäft lässt sich aber derzeit damit nicht machen, sagt Thomas Banning vom Energieversorger Naturstrom. Denn nach wie vor seien die zusätzlichen Kosten für Installation und Strommesstechnik groß. Mit Solarmodulen auf dem Dach könne man nicht viel Geld verdienen, so Banning.

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Bildrechte: Bayerischer Rundfunk

Auf dem Land wird bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich mehr Solarstrom produziert als in der Stadt. Ein Beispiel aus Nürnberg zeigt, woran die Solarenergie in den Städten oft scheitert.

Solarpflicht bei Neubauten

Thomas Banning ist für eine Solarpflicht bei Neubauten. Nur so könne erreicht werden, dass Solaranlagen bei der Bauplanung immer gleich mitgedacht werden und dass zum Beispiel Schächte für Leitungen nicht erst im Nachhinein gebohrt werden müssen.

Schon 2021 sollte nach dem Plan von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Solarpflicht für gewerbliche Neubauten kommen - 2022 sollte die Verpflichtung zu Photovoltaikanlagen für die Dächer von neuen Privathäusern folgen. Das hatte Söder im Sommer 2020 verkündete. Doch passiert ist diesbezüglich bisher wenig. Auch auf staatlichen Bauten hat sich bisher wenig getan. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber will keinen Zeitpunkt nennen, zu dem die Ausstattung der staatlichen Dächer mit PV-Anlagen abgeschlossen sein soll.

Dabei ist das Potential für Solarflächen in bebauten Großstädten groß, findet auch Julius Mörstedt vom Solar-Dienstleister und Anlagenvertrieb IBC Solar. Geeignet seien nicht nur nach Süden ausgerichtete Dächer, weil die PV-Anlagen günstiger und leistungsfähiger geworden sind. Selbst Dächer oder Fassaden, die nach Norden ausgerichtet sind, könnten profitabel genutzt werden. Großes Potential sieht Julius Mörstedt auch bei der Überbauung von Parkplätzen mit Solardächern.

Energieatlas Bayern: Knapp 550.000 Anlagen

Die Photovoltaik ist in Bayern bei der Stromerzeugung zur zweitwichtigsten regenerativen Energiequelle nach der Wasserkraft aufgestiegen. Laut Energieatlas Bayern gibt es derzeit knapp 550.000 Anlagen in Bayern. Im Jahr 2019 konnte mit Solarstrom rechnerisch bereits der Strombedarf von 3,4 Millionen bayerischen Haushalten gedeckt werden.

Da Photovoltaikanlagen auch auf kleinen Flächen und mit geringen Investitionssummen betrieben werden können, sieht das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie die Solaranlage als "Kraftwerk der kleinen Leute".

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