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Trotz Verspätung: Seawatch 4 kann demnächst ablegen | BR24

© Sea Watch e.V.

Seenotrettungsschiff Seawatch 4

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    Trotz Verspätung: Seawatch 4 kann demnächst ablegen

    550 Organisationen haben sich "United4Rescue" angeschlossen und Spenden gesammelt, um das Seenotrettungsschiff Seawatch 4 zu finanzieren. Ihr Ziel: Flüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer retten. Die Rolle der Kirchen ist dabei umstritten.

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    Vom Hafen von Burrina in Spanien wird die Seawatch 4 bald in See stechen. An Bord befindet sich eine moderne Krankenstation und zwei Beiboote. Ihre Mission: Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten. Dafür haben sich maßgeblich die Evangelische Kirche und deren Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm stark gemacht.

    20.000 Geflüchtete sind seit 2014 im Mittelmeer ertrunken

    Mehr als 20.000 Geflüchtete sind geschätzt seit 2014 im Mittelmeer ertrunken. Staaten und Regierungen haben ihre Hilfe vielfach gestoppt. Für den Arbeitskreis Asyl in Kaufbeuren ist das ein Skandal. Deshalb unterstützen sie, als eine von 550 Organisationen, das kirchenfinanzierte Seenotrettungsschiff, vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit und private Spenden. "Beten allein genügt nicht, dass wäre für mich und mein Gottesbild ein Hohn. Wir wissen, dass kein Flüchtling ohne Not sein Land verlässt. Und deswegen müssen wir die unterstützen, die sich auf einen schwierigen Weg begeben", sagt Günter Kamleiter, Sprecher des Arbeitskreises Asyl in Kaufbeuren

    Alie Jawarah ist 32 Jahre alt, geduldeter Asylbewerber aus Sierra Leone und auch übers Mittelmeer geflohen. Er sagt: "Ich bin im Krieg aufgewachsen, ich habe keine Zukunft mehr in meiner Heimat. Ich kann nicht da leben. Diese Rettung ist sehr wichtig für uns. Und wir bedanken uns, dass sie unsere Leben retten."

    1,5 Millionen Euro Spenden für ein Rettungsschiff

    "Schicken wir ein Schiff" hieß die Resolution, die vor gut einem Jahr auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund verabschiedet worden ist. Daraufhin initiierte die Evangelische Kirche in Deutschland die Gründung des Aktionsbündnisses "United4Rescue – Gemeinsam Retten!", dem sich mittlerweile rund 550 Organisationen angeschlossen haben, darunter Gewerkschaften, Ärzte ohne Grenzen, muslimische Vereine sowie katholische und evangelische Kirchengemeinden in Bayern.

    Zu Jahresbeginn hatte das Bündnis schließlich genug Spenden gesammelt, um ein ehemaliges Forschungsschiff für 1,5 Millionen Euro zu erwerben. Das 60 Meter lange Rettungsschiff, auf dem im Notfall für bis zu 900 Menschen Platz ist, sollte eigentlich schon im Frühjahr in See stechen. Aber wegen der Corona-Krise musste das Auslaufen der Seawatch 4 verschoben werden. Die Seawatch ist in den vergangenen Monaten in Spanien zu einem Rettungsschiff umgebaut worden.

    Rolle der evangelischen Kirche wird auch kritisiert

    Die maßgebliche Rolle der evangelischen Kirche hinter der privaten Seenotrettungsoffensive ist dabei umstritten. Kritiker sagen, Seenotrettung sei nicht Aufgabe der Kirchen. Mitunter wird ihr aus den eigenen Reihen vorgeworfen, sich in Aufgaben einzumischen, die eigentlich Sache der Staatengemeinschaft wäre. Außerdem sei das Schiff ein Ansporn, dass Flüchtlinge den Weg übers Mittelmeer überhaupt erst wagen.

    Die Unterstützer wissen, dass sie das Sterben im Mittelmeer nicht beenden können, aber zumindest die Zahl der Toten verringern. "Ich kann wenig tun, außer dass ich etwas von meinem Geld hergebe und, dass ich ihm helfe, wenn er es hierher geschafft hat", sagt Wiltrud Fleischmann, Mitgründerin Arbeitskreis Asyl in Kaufbeuren. Weil die Kirchengemeinde in Kaufbeuren viele persönliche Schicksale Geflüchteter kennt, ist ihnen die Unterstützung gerade für die Seenotrettung ein Herzensanliegen.

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