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Trotz Verbot - Zaungäste beim Amateurfußball in Bayern | BR24

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Während in den anderen Bundesländern der Ball beim Amateurfußball bereits wieder rollt, sind in Bayern bislang nur Freundschaftsspiele ohne Publikum erlaubt. Der bayerische Fußball Verband (BFV), erwägt nun dagegen zu klagen.

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Trotz Verbot - Zaungäste beim Amateurfußball in Bayern

Bayern ist das einzige Bundesland, in dem wegen Corona bisher weder Wettkampfsport noch Zuschauer zugelassen sind. Das Verständnis dafür schwindet bei Vereinen und Fans. Zumal viele Zuschauer inzwischen Tatsachen schaffen.

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SG Eisenheim/Wipfeld – SV Oberpleichfeld/DJK Dipbach 3:6, an sich ein Fußball-Testspiel zweier Kreisligisten ohne Bedeutung und zum Gleich-Wieder-Vergessen. Trotzdem ist so ein Freundschaftskick ohne Zuschauer für Amateurfußballer in Unterfranken, wie im ganzen Freistaat derzeit die einzige Möglichkeit ihrem Hobby nachzugehen. Denn Bayern ist aktuell in der Corona-Krise das einzige Bundesland, das weder Wettkampfspiele noch Fans auf dem Platz zulässt. Im Rest der Bundesrepublik herrscht dagegen längst wieder eine Art Fußball-Alltag auch vor Zuschauern. In Schleswig Holstein dürfen lediglich 250 Fans die Spiele verfolgen, in Berlin gar 5.000.

Entscheidung vertagt

Obwohl der Bayerischen Staatsregierung bereits seit 13. August ein umfangreiches Hygienekonzept des Bayerischen Fußball Verbandes (BFV) für einen möglichst gefahrlosen Ablauf von Amateurspielen vorliegt, hat der Ministerrat nun schon zweimal eine Entscheidung über die Rückkehr zum Punktspielbetrieb vertagt – zuletzt am 1. September. Der angestrebte Re-Start des regulären Spielbetriebs von den Senioren über die Frauen und Mädchen bis hin zu den Kleinsten an diesem Wochenende war damit vom Tisch. Momentan ist es fraglich, ob selbst bei einem positiven Bescheid noch im Oktober wieder um Punkte gespielt werden könnte, schließlich müssen die Klubs mit ihren ehrenamtlichen Helfern auch die Hygienekonzepte erst umsetzen.

Vereine in finanziellen Schwierigkeiten

Dem BFV jedenfalls riss jetzt der Geduldsfaden. Über das Wochenende sollen die 4.500 bayerischen Vereine online abstimmen, ob der Verband gegen einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht auf Wiederzulassung des Spielbetriebs stellen sollen. Es wird erwartet, dass die Klubs mit deutlicher Mehrheit für eine Klage stimmen. Die Chancen sollen nicht schlecht sein, glauben Juristen, schließlich seien bei anderen Freiluftveranstaltungen, wie Konzerten oder Gottesdiensten längst bis zu 400 Zuschauer erlaubt. Die Sportler fordern nun Gleichberechtigung. Zumal die meisten Klubs seit November 2019 keine Heimspiele und somit auch kaum Einnahmen hatten. Vielen Vereinen steht das Wasser finanziell bis zum Hals. "Bis zur Kreisliga decken die Zuschauereinnahmen wenigsten die Schiedsrichterkosten, ab der Bezirksliga sind sie für die Klubs überlebenswichtig", glaubt Maximilian Brach, der Vorsitzende des FC Wipfeld.

Fans schaffen Tatsachen

Unterdessen schwindet auch unter den Fans das Verständnis für ihr "Stadionverbot“. Rund 50 Kiebitze haben sich an diesem Nachmittag auf dem Radweg, der an das Wipfelder Sportgelände angrenzt oder hinter dem Zaun zur Straße hin versammelt und verfolgen das Spiel gegen Oberpleichfeld. "Wir lassen niemanden aufs Gelände, so, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist", betont Brach ausdrücklich. "Eine Strafe könnten wir uns auch gar nicht leisten. Aber der Radweg und die Kreisstraße sind öffentlicher Grund, da haben wir nicht die Macht, jemanden fortzuschicken.“"

Soziale Funktion der Fußball-Vereine

"Rein zufällig" sei er vorbei gekommen, sagt Fußball-Fan Matthias Gehring grinsend. "So wie alle anderen hier auch. Meine beiden Kinder spielen auch Fußball, Fußball ist unser Leben. Die Leute wollen Fußball." Dem schließen sich auch die Umstehenden an. "Es kommen doch sowieso nur 100 Zuschauer zu so einem Match, die kann ich doch einzeln mit Abstand rund um den Platz stellen und wenn ich dann noch eine Maskenpflicht mache, kann gar nichts passieren", findet Gehring. "Wir sind doch alle vernünftige Menschen." Ins gleiche Horn stößt auch Wipfelds Trainer Jens Rumpel. "Überall sonst darf vor Zuschauern um Punkte gespielt werden, nur bei uns nicht. Das kann keiner mehr verstehen." Spieler und Zuschauer seien heiß auf den Kick. "Es ist egal, wo wir bisher getestet haben, überall stehen die Fans hinter dem Zaun oder auf der Straße und gucken zu. Und zwar größtenteils ohne Abstand und ohne Maske. Auf dem Platz ließe sich das leicht ändern. Den Leuten fehlt einfach der Fußball." Zumal der Sport noch eine andere wichtige Funktion habe, sagt Vereinsvorstand Maximilian Brach: "Die Vereine sind für die Gemeinschaft und den Zusammenhalt im Dorf unerlässlich – gerade in Zeiten, wie diesen."

© Volker Hensel/BR-Mainfranken

Bayern ist das einzige Bundesland, in dem wegen Corona bisher weder Wettkampfsport noch Zuschauer zugelassen sind. Das Verständnis dafür schwindet bei Vereinen und Fans. Zumal viele Zuschauer inzwischen Tatsachen schaffen.

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