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Ohne Abstand: Hunderte Corona-Gegner demonstrieren in Nürnberg | BR24

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Am Sonntag haben hunderte Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen in Nürnberg demonstriert - oft ohne Abstand und Maske. Kritiker sagen: Die Nürnberger Polizei hätte durchgreifen müssen.

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Ohne Abstand: Hunderte Corona-Gegner demonstrieren in Nürnberg

Am Sonntag haben hunderte Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen in Nürnberg demonstriert – oft ohne Abstand und Maske. Kritiker sagen: Die Nürnberger Polizei hätte durchgreifen müssen.

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Von
  • Jonas Miller
  • Karin Goeckel

Beobachter schätzen, dass sich bis zu 600 Menschen am Sonntag auf dem Nürnberger Hauptmarkt versammelt haben. Nur wenige von ihnen trugen einen Mund-Nasen-Schutz oder hielten den Abstand ein. Die Polizei spricht von 300 Teilnehmern und 117 Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, in zehn Fällen wurden Strafverfahren eingeleitet. Obwohl bei der Versammlung der Corona-Maßnahmen-Gegner "nicht permanent die Abstands- und Maskenregeln eingehalten wurden, verlief die Versammlung größtenteils störungsfrei", heißt es weiter.

Stadt Nürnberg hatte Demonstration von Querdenken verboten

Zuvor hatte die Stadt Nürnberg eine von drei angemeldeten Demonstration mit Hinweis auf die hohen Infektionszahlen verboten. Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt in Nürnberg bei 299,21. Dennoch wollte die Initiative Querdenken mit mehreren tausend Menschen demonstrieren. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik wurden erwartet. Zwei weitere Kundgebungen, für die weniger Teilnehmer angemeldet waren, wurden genehmigt, ebenso wie eine Versammlung von Befürwortern der Corona-Maßnahmen. Auch wenn die beiden Demonstrationen der Corona-Gegner erlaubt waren: Die Polizei hätte stärker durchgreifen müssen, sagen Kritiker.

Kritik von Bündnis Nazistopp: Corona-Rebellen konnten ungehindert demonstrieren

Das Bündnis Nazistopp erklärte, die mindestens 600 Corona-Rebellen hätten auf dem Hauptmarkt ungehindert ihre Kundgebung abhalten können, auch ohne genug Abstand. Auch als sie zu einer weiteren Kundgebung auf den Jakobsplatz zogen, seien sie von der Polizei nicht daran gehindert worden. Durch das Verhalten der Polizei werden die "teilweise sinnvollen staatliche Infektionsschutzmaßnahmen allerdings in extremer Weise konterkariert, die Szene der 'Corona-Rebellen' und Corona-Leugner indirekt gefördert", kritisieren die Aktivisten.

Initiative spricht von "Totalversagen der Polizei"

Auch die antifaschistische Initiative "Schweigen durchbrechen" übt Kritik am Vorgehen der Polizei. In einer Presseerklärung heißt es: "Was wir heute Abend in der Nürnberger Innenstadt beobachten durften war ein Totalversagen der Polizei. So richtig es ist, auch in der Pandemiesituation politische Versammlungen zuzulassen, darf es doch nicht sein, dass Pandemie-Leugner sich ihre eigenen Regeln machen."

© BR/Jonas Miller

Einer der Teilnehmer der Anti-Corona-Demo in Nürnberg trug eine Maske mit Nazi-Bezug.

"Impfen macht frei": Maskenträger mit KZ-Bezug

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Demonstration waren bunt gemischt. Einige schwenkten Friedensfahnen, Flaggen der Querdenken-Bewegung oder trugen Transparente, auf denen sie sich als Gegner der Corona-Impfung offenbarten. Ein Demonstrant hatte einen Mund-Nasen-Schutz mit eindeutigem Bezug auf den Nationalsozialismus umgebunden. "Impfen macht frei" stand in altdeutscher Schrift auf dem schwarzen Tuch – eine Anspielung auf den zynischen Spruch "Arbeit macht frei", der an den Eingängen zu einigen Konzentrationslagern zu lesen war. Wegen eines ähnlichen Vorfalls im österreichischen Burgenland ermittelt die Polizei, wie österreichische Medien berichten.

Auch 1. FC Nürnberg und Nürnberg Falcons kritisieren Versammlung

Kritik an der Demonstration der Corona-Kritiker kommt auch von sportlicher Seite. Der 1. FC Nürnberg kritisiert die Versammlung mit scharfen Worten. Auf Twitter schrieb der Verein: "Gesundheitssystem überlastet, Corona-Zahlen hoch: Wir verurteilen kopfschüttelnd, was Leugner in der Nürnberger Innenstadt veranstalten –wirtschaftsschädigend, respektlos, menschenverachtend." Auch der Basketball-Zweitligist Nürnberg Falcons positioniert sich auf Twitter. "Das ist nicht unser #Nürnberg. Wir schämen uns für solche Szenen in der Stadt der Menschenrechte und fragen: Habt ihr ne Delle in der Bimmel?"

"Das Virus freut sich": Kritik vieler Twitter-User

Auf Twitter äußern viele Nutzer ihr Unverständnis darüber, dass sich die Corona-Kritiker in Nürnberg fast unbehelligt versammeln konnten. "Das Virus freut sich", kommentiert ein User trocken ein Bild der Menschenmenge auf dem Hauptmarkt. @hagbardceline78 teilt ein kurzes Video, das zeigt, wie die Demo-Teilnehmer dicht gedrängt in Volksfeststimmung feiern und schreibt dazu: "Im Umkreis von 100 km gibt es kein einziges Intensivbett mehr. Hohn und Spott für alle Gesundheitsberufe. Die Polizei hat versagt und lässt gewähren."

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