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Die FAU Erlangen-Nürnberg möchte sich jeder Diskussion bezüglich ihrer Zusammenarbeit mit dem Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen stellen.

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    Trotz Spionage-Vorwürfen: Uni steht zu Konfuzius-Institut

    Konfuzius-Institute stehen in der Kritik. Wegen der Sorge vor politischer Einflussnahme Chinas und Spionage haben mehrere Universitäten in Europa die Zusammenarbeit mit den Instituten gestoppt. Die FAU Erlangen-Nürnberg steht hingegen zum Institut.

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    Von
    • Inga Pflug

    Es geht um chinesische Kunst- und Kulturvermittlung: Seit 2004 baut die Volksrepublik China Konfuzius-Institute in der ganzen Welt auf. Allein 19 gibt es in Deutschland. Doch was zunächst als Sprach- und Kulturvermittlung gedacht war, hat nach dem Willen von Staats- und Parteichef Xi Jinping längst eine politische Ausrichtung. Und deswegen stehe die Institut in Deutschland zunehmend in der Kritik. Sie seien ein verlängerter Arm des chinesischen Propagandaministeriums, lautet der Vorwurf.

    Propaganda-Vorwürfe beschäftigen Uni

    Viele Konfuzius-Institute sind in Deutschland direkt an Universitäten angesiedelt, so auch in Mittelfranken. Die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen Nürnberg will aber trotz der Diskussion um mögliche chinesische Einflussnahme auf die Konfuzius-Institute in Deutschland an der Zusammenarbeit mit dem Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen festhalten. Gerade in Zeiten, in denen die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Chinas immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sei die Bereitschaft zur Begegnung und zum kritischen Dialog wichtig, sagte FAU-Präsident Joachim Hornegger, der zugleich Vorstandsvorsitzender des Konfuzius-Instituts an der Friedrich-Alexander-Universität ist, BR24.

    Gleichzeitig betonte Hornegger, dass die Propaganda-Vorwürfe die Universität sehr beschäftigten. Man lasse bei der Zusammenarbeit große Sorgfalt walten. So habe die FAU etwa erst kürzlich ein Beratungsangebot des Auswärtigen Amtes angenommen – als wohl erste Universität in Deutschland, so Hornegger. Außerdem stehe er zum Thema in Kontakt mit der Hochschulrektorenkonferenz und anderen Universitäten.

    Uni-Präsident sieht keine Anzeichen der Selbstzensur oder Spionage

    Negative Erfahrungen mit dem Konfuzius-Institut, das in Erlangen-Nürnberg als eingetragener Verein organisiert und ein sogenanntes An-Institut der FAU ist, hat die Universität den Worten ihres Präsidenten zufolge bislang nicht gemacht. "Wir sind uns völlig im Klaren darüber, dass es schwierig ist, unterschwellige oder indirekte Einflussnahme zweifelsfrei zu erkennen. Aber wenn es eine Einflussnahme gäbe oder eine Selbstzensur oder Spionageverdacht, dann wäre das natürlich für uns an der FAU inakzeptabel. Bislang muss man sagen, ist bei uns noch keiner dieser Fälle aufgeschlagen." Sobald es entsprechende Anzeichen gebe, werde die Universität aber "die Reißleine ziehen", den Vertrag kündigen und in vertretbarer Zeit ausscheiden können.

    Kooperationsvertrag mit Konfuzius-Institut wird überarbeitet

    Horneggers Angaben zufolge ist der Kooperationsvertrag zwischen der FAU und dem Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen binnen sechs Monaten kündbar. Im Gespräch mit BR24 wies der Hochschulpräsident außerdem darauf hin, dass der Kooperationsvertrag aktuell überarbeitet werde. In der neuen Fassung sei unter anderem ganz deutlich formuliert, wie wichtig die Freiheit von Forschung und Lehre seien. Außerdem lasse man eine Geheimhaltungsklausel streichen, die das bisherige Vertragswerk noch enthalten habe. Bislang seien die Rückmeldungen positiv. Unterschrieben sei der neue Vertrag aber noch nicht.

    Hornegger erläuterte weiter, über das Programm des Konfuzius-Instituts werde im Vorstand gemeinsam entschieden. Außerdem würden dem paritätisch mit Chinesen und Deutschen besetzen Vorstand regelmäßig Berichte über die zurückliegenden Veranstaltungen vorgelegt. Dabei werde freilich nicht im Einzelnen durchgegangen, was gesagt und gemacht werde. Doch FAU-Beschäftigte würden immer die Veranstaltungen begleiten. Es sind Veranstaltungen wie diese: "Was trank Konfuzius? – Zur Dialektik des Alkohols in Chinas Geistesgeschichte". Auch das Auswärtige Amt habe die Universitätsleitung dahingehend sensibilisiert, genau auf die Inhalte zu schauen, etwa in der Sprachausbildung.

    Institut legt Wert auf kritische Auseinandersetzung mit China

    Die Direktorin des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Yan Xu-Lackner, teilte BR24 auf Anfrage mit, es gebe kein vorher in China festgelegtes Programm, welches alle Institute ausführten. Stattdessen entwerfe jedes Institutsteam sein Programm selbst, abgestimmt auf die Bedürfnisse des jeweiligen lokalen Trägers und der lokalen Kooperationspartner und Förderer.

    Sie betonte außerdem den Dialog und Austausch zwischen den beiden Kulturen, den das Institut ermögliche: "Gerade, weil aktuell eine Verhärtung auf allen Ebenen zwischen China und Deutschland beziehungsweise der EU zu spüren ist, finde ich es äußerst wichtig, einen differenzierten Dialog, der von beiden Seiten gemeinsam genährt wird, zwischen unseren Ländern aufrecht zu erhalten. Die Konfuzius-Institute in Deutschland bieten eine gute Plattform für diesen Dialog, die auf jeden Fall erhalten bleiben sollte."

    Die Programmfreiheit der Institute sei letztlich auch durch die binationale Finanzierung, den binationalen Vorstand und das binationale Team gewährleistet, so Yan Xu-Lackner. Sie selbst vertrete in ihrem Institut die FAU und die deutsche Position und lege viel Wert auf eine kritische Auseinandersetzung mit China. "Es kann nicht darum gehen, alle Kooperationen mit China im Grundsatz zu hinterfragen und abzubrechen. Es kann auch nicht mehr sein, dass man nur über China, jedoch nicht mit China redet. Ist es nicht viel sinnvoller, eine Kooperation mit deutscher und chinesischer Beteiligung, also gelebte Bilateralität weiterhin aufrechtzuhalten?", so die Direktorin weiter.

    SPD will staatliche Förderung der Konfuzius-Institute stoppen

    Die SPD im Bayerischen Landtag hatte jüngst gefordert, die staatliche Förderung der Konfuzius-Institute der Volksrepublik China in Bayern zu stoppen. Deren europapolitischer Sprecher, Markus Rinderspacher, nannte dabei einen Stadtratsbeschluss in Ingolstadt als Vorbild: Dort beschloss das Gremium, das örtliche Konfuzius-Institut nicht mehr weiter mit Steuergeldern zu bezuschussen. "Die Konfuzius-Institute unterstehen dem kommunistischen Propagandaministerium von Xi Jinping. Pekings Propaganda mit bayerischen Steuergeldern finanziell zu fördern, ist angesichts der weltweiten Kritik am aggressiven Influencing der chinesischen Diktatur widersinnig", so Rinderspacher.

    FAU-Präsident Hornegger mutmaßte im BR24-Gespräch, China werde das mehrfach ausgezeichnete Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen wohl auch weiter fördern, falls Bayerns Staatsregierung seine finanzielle Unterstützung einstelle. Er selbst sei aber nach wie vor der Meinung, dass das Institut eine gute Investition seitens der Staatsregierung sei. Es sei eine wichtige Schnittstelle zwischen Wissenschaft und breiter Bevölkerung der Metropolregion geworden. Das Programm beinhalte viele Angebote, die auf großes Interesse in der Bevölkerung stießen. Die FAU halte das Institut in der Summe der Bausteine weiter für eine sinnvolle und wichtige Einrichtung.

    Uni Erlangen-Nürnberg will sich jeglicher Diskussion stellen

    An Nutzer und Wissenschaftskollegen appellierte der Hochschulpräsident, Augen und Ohren offen zu halten und die Universität beim geringsten Hinweis auf eine Einflussnahme umgehend zu informieren. Umgekehrt werde man auch mit der Kritik an der eigenen Sensibilität konstruktiv umgehen: "Wir stellen uns jeglicher Diskussion. Es ist wichtig, dass wir uns da nicht rausnehmen", so Hornegger. Ein solches Spannungsfeld müsse eine Universität aushalten.

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