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Lehrerverband beklagt Verwaltungsaufwand wegen Quarantäne

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Trotz Quarantäne-Stress: Keine vorzeitigen Weihnachtsferien

Das bayerische Kabinett hat klargestellt: Die Weihnachtsferien werden nicht vorgezogen. Das hatten vor allem die Schulen gefordert. Der Quarantäne-Stress zerrt an Nerven - auch weil die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung kaum mehr schaffen.

Von
Christoph DickeChristoph DickeAnna KüchAnna Küch
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Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) schlägt Alarm: Die Corona-Situation an den Schulen habe sich deutlich verschärft. Die Zahl der Infektionen liegt bei den Kindern am höchsten, derzeit sind über 30.000 Schülerinnen und Schüler Bayerns in Quarantäne. Eltern sind verwirrt, weil die Bescheide des Gesundheitsamts oft zu spät kommen. Schulleiter sind verzweifelt, weil immer mehr Arbeit an ihnen hängen bleibt.

Lehrkräfte übernehmen Aufgaben des Gesundheitsamts

Ständig müssten die Schulleiterinnen und Schulleiter Aufgaben des Gesundheitsamtes übernehmen, selber die Kontakte der Kinder nachverfolgen und entscheiden, welche Schülerinnen und Schüler sie in Quarantäne schicken, sagt die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann: "Und dann haben wir die Situation, dass die Pooltests positiv sind und kein einziger Individualtest ist positiv und jetzt: Wer hilft uns denn jetzt? Wir sind in Situationen, die nichts mehr mit Schule zu tun haben, und in einem Krisenmodus."

Jetzt brauche es dringend klare Entscheidungen und Ansagen aus der Politik, sagt Fleischmann. Auch was die rechtliche Grundlage der Quarantäne angehe. Denn strenggenommen könnten die Schulleiter die Quarantäne nicht anordnen.

München: Handeln der Schule einzige Möglichkeit

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ist sich des Verantwortungs-Vakuums an den Schulen bewusst, verweist aber im BR-Interview auf die Möglichkeit örtlicher Lösungen: "Das müssen die Gesundheitsämter natürlich vor Ort auch entscheiden zusammen mit den Schulen."

Das sieht im Falle des Münchner Gesundheitsreferats so aus:

"Die derzeit gängige Praxis, dass die Schulleitungen Kontaktpersonen identifizieren und umgehend nach Hause schicken, ist bei dem derzeit hohen Meldeaufkommen die einzige Möglichkeit, Kontaktpersonen schnellstmöglich zu isolieren. Diese Aufgabe kann gerade in der erforderlichen Unmittelbarkeit ausschließlich von den Schulen übernommen werden." Münchner Gesundheitsreferat auf BR-Anfrage

Ergo: Weil Gefahr im Verzug ist, bittet die Stadt München die Schulen um Mithilfe. Doch gibt es immer wieder Eltern, die darauf pochen, dass rein rechtlich nur die Gesundheitsämter Kinder in Quarantäne schicken können und ihre Kinder in der Schule lassen wollen. Davon berichtet auch der BLLV.

(Update 06.12.21) Das Münchner Gesundheitsamt sagte dazu dem BR, dass die Mitwirkung der Schulleitungen Gegenstand einer Vereinbarung sei, die auch den "Prozessablauf bei einem Infektionsfall innerhalb einer Schulklasse" betreffe. Hier stehe eine "eigens dafür eingerichtete Hotline zur Beratung zur Verfügung". Über diesen Weg könne das Gesundheitsreferat "auch eine mündliche Quarantäneanordnung treffen - selbst wenn die schriftliche Meldung noch aussteht."

Vorgezogene Weihnachtsferien sind vom Tisch

Von einzelnen Verbänden werden inzwischen auch Forderungen nach Distanzunterricht laut, zum Beispiel vom Realschullehrerverband. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft kann sich auch vorgezogene Weihnachtsferien vorstellen um Lehrer, Eltern und Schüler zu entlasten.

Dem erteilte die Staatsregierung nun eine klare Absage: "Wir werden sie nicht vorziehen, gerade weil der Präsenzunterricht für uns von großer Bedeutung ist (...) Wir testen sehr, sehr intensiv an den Schulen und gerade diese Testungen haben dazu geführt, dass wir die dritte Welle brechen konnten," sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) dem BR.

Ob damit allerdings auch die vierte Welle gebrochen wird, ist fraglich. Der Kultusminister verspricht auch Entlastungen für die Schulleiter. Wie konkret die aussehen sollen, konnte er aber noch nicht sagen.

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