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Trotz Petition: Schlamm-Verklappung im Chiemsee wird geprüft | BR24

© BR/Arne Wilsdorff

Der Umweltausschuss im Bayerischen Landtag hat am Donnerstag eine Petition gegen das Verklappen von 10.000 Kubikmetern Hafenaushub in den Chiemsee nur zur Kenntnis genommen. Damit gehen die Vorbereitungen zum Ausbaggern eines Hafenbeckens weiter.

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Trotz Petition: Schlamm-Verklappung im Chiemsee wird geprüft

Der Umweltausschuss im Bayerischen Landtag hat am Donnerstag eine Petition gegen das Verklappen von 10.000 Kubikmetern Hafenaushub in den Chiemsee nur zur Kenntnis genommen. Damit gehen die Vorbereitungen zum Ausbaggern eines Hafenbeckens weiter.

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Tausende Kubikmeter will der Chiemsee Yacht Club aus dem Hafen ausbaggern und 400 Meter entfernt wieder im Chiemsee entsorgen. Im Anschluss sollen Segelboote mit Kiel sicher ausfahren können. Das Projekt befindet sich noch in der Planungsphase.

Ist der Schlamm zu giftig?

Insgesamt geht es um rund 10.000 Kubikmeter Schlamm, die umgelagert werden sollen. Ob der Schlamm nicht zu giftig ist, soll vorab die Untersuchung von 190 Sedimentproben zeigen.

"Hier wurden Verfahren gestrickt mit sehr hohen Hürden …. alle Bedenken werden erst noch von Fachleuten geprüft." Martin Wagle (CSU)

Der Umweltexperte der SPD-Fraktion Florian von Brunn findet, bevor so ein Verfahren mit Pilotcharakter für andere Hafenbecken an anderen bayerischen Seen auf den Weg gebracht wird, brauche es unbedingt vorab ein umfassendes Gutachten und nicht nur – wie jetzt geplant – eine wissenschaftliche Begleitung des schon angestrebten Verfahrens.

"Ich habe hier große Bedenken, es darf ja laut Wasserrahmenrichtlinie und Wasserhaushaltsgesetz zu keiner Verschlechterung der ökologischen Quailität des Gewässers kommen." Florian von Brunn (SPD)

"Rettet den Chiemsee" will Verklappung stoppen

Florian von Brunn ist besorgt, dass der Schlamm möglicherweise mit Rückständen durch Antifouling-Anstriche an den Booten kontaminiert ist. Nach dem Motto "Wehret den Anfängen" unterstützt auch die Grüne Umweltausschussvorsitzende Rosi Steinberger die Petition der Bürgeraktion "Rettet den Chiemsee". Es stört sie, dass der Aushub des Schlamms ausgerechnet im See landen soll und nicht wie bisher, an Land entsorgt wird. Außerdem befürchtet sie, dass mit der Genehmigung ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte. Die konservative Ausschussmehrheit will aber die Schlammverklappung im Chiemsee weiter prüfen.

© BR

In Prien am Chiemsee will der Yacht Club den Hafen ausbaggern und den Schlamm im See entsorgen. Eine Initiative wehrt sich dagegen.

Das Vorgehen ist zwischen den zuständigen Wasserwirtschafts- und Genehmigungsbehörden in Traunstein und Rosenheim abgestimmt und dient als Grundlage für den späteren, offiziellen wasserrechtlichen Antrag des Chiemsee Yachtclubs Prien.

Fischer fürchten um den Bestand der Renke

Auch für die Fische sei es eine große Belastung, wenn das Sediment auf dem Seeboden landet, sagt Mary Fischer von "Rettet den Chiemsee". Es trete Sauerstoffmangel ein und die Fische fänden ihre Nahrung nicht mehr wie gewohnt vor. Einige Fischer machen sich Sorgen um den Bestand der Renke.

Ausbaggerungen sind nicht ungewöhnlich

Ausbaggerungen in Häfen seien oftmals notwendig, da Strömungen die Sedimente in die Häfen tragen, so das Landratsamt Traunstein. Wie stark dies geschehe, könne je nach See völlig unterschiedlich sein.

Zuflüsse transportieren Sand und Geröll in den Chiemsee

Sowohl die Tiroler Achen als größter Zufluss spülen ebenso wie die Prien und weitere kleinere Flüsse Sand und Geröll in den Chiemsee. Laut Wasserwirtschaftsamt transportieren die Tiroler Achen unter anderem pro Jahr rund 300.000 Kubikmeter mineralische Feinteile und 30.000 Kubikmeter Kies, wovon 10.000 Kubikmeter im Chiemsee ankommen.

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