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Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat coronabedingt geschlossen. Gearbeitet wird trotzdem. So werden Objekte fotografiert und digitalisiert. Und die Mitarbeiter bereiten alles vor, um schnell wieder öffnen zu können.

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Trotz Lockdown: Germanisches Nationalmuseum plant Projekte

Die Museen sind bis Ende März geschlossen. Was passiert dort aber hinter den Kulissen in der Corona-Pandemie? Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg wird die Zeit für aktuelle Projekte genutzt. Dafür haben die Mitarbeiter so viel Zeit wie nie.

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Von
  • Susanne Nüsslein

Eine farbige Lunge aus Holz ist ein beliebtes Votiv – eine sogenannte Opfergabe, die im 19. Jahrhundert von Gläubigen gespendet und in Kirchen aufgestellt wurde. Mit diesem Votiv beteten die Menschen für eine bessere Lunge. Dieses außergewöhnliche Objekt passt zwar pefekt in die Corona-Zeit, wird aber sobald nicht mehr zu sehen sein. Denn die Abteilung für Volksfrömmigkeit im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg wird aufgelöst und neu konzipiert. Vorerst ziehen alle 27.000 Exponate bis zum Sommer in das fünfstöckige neue Tiefdepot des Museums um. Viel zu tun für die Museumsmitarbeiter, die jetzt auf mehr Personal zurückgreifen können.

Große Sonderausstellung: "Europa auf Kur"

Auch wenn das Museum geschlossen hat, laufen die Vorbereitungen für eine neue Sonderausstellung. "Europa auf Kur: Der Mythos Davos in Kunst und Literatur" heißt diese Ausstellung. Mit Zitaten von Thomas Mann geht es hier um die berühmte Liegekur in den Lungenheilanstalten: Eines der großen Exponate zeigt eine typische Liege für die Lungenkur. Zu sehen sind auch Gefäße für die Kunst des eleganten Spukens betuchter Lungenkranker. Eigentlich hätte die Ausstellung bald öffnen sollen – doch die coronabedingte Verzögerung ist für Kurator Tilo Grabach ein Glücksfall: "Wir haben jetzt noch ein Aquarell in die Ausstellung genommen, das uns aus einer Privatsammlung angeboten wurde, dass möglichweise Thomas Mann zeigt in einem Aquarell von Ernst Ludwig Kirchner", erzählt der Kurator im BR24-Interview.

Digitalisierungsschub für das Museum

In der Barockabteilung steht gerade mitten zwischen Vitrinen ein großes Zelt. Fotografin Monika Runge fotografiert bemalte Porzellanfiguren aus dem 18. Jahrhundert, die ein Liebespaar zeigen. Mehr als 100.000 Exponate sind bereits fotografiert und digitalisiert – und täglich werden es mehr. Zu sehen sind die Fotografien im Digitalfundus auf der Webseite des Germanischen Nationalmuseums. Seitdem das Museum geschlossen hat, kommt Monika Runge sehr gut mit ihrer Arbeit voran: "Wir haben freie Hand im gesamten Haus – haben viele Helfer dazu bekommen, die wie vorher nicht hatten. Auch das Aufsichts-Team hilft uns, alles geht schneller".

Alles bereit für eine schnelle Öffnung

Auch wenn das Germanische Nationalmuseum seinen Digitalfundus ausbaut, wird hinter den Kulissen alles vorbereitet, um schnell wieder öffnen zu können. Dabei hat die Sicherheit für die Besucher die höchste Priorität, sagt Museumssprecherin Sonja Mißfeldt. So werde momentan die Ausstellungsarchitektur für die Sonderausstellung noch einmal umgeplant, damit die Besucherinnen und Besucher in größeren Abständen durch die Ausstellungen gehen können.

Planung neuer Ausstellung ist eine große Herausforderung

Wie Mißfeldt bestätigt, seien Planung derzeit "unheimlich schwierig bis unmöglich". Es ist dem Germanischen Nationalmuseum dennoch gelungen für die beiden aktuellen Sonderausstellung "Europa auf Kur" und "Wahrsagen in Ostasien und Europa" alle Leihgaben zu bekommen. Es sind Leihgaben aus Museen in Zürich, Davos und Taiwan. Für das Museum in diesen Zeiten ein logistischer Kraftakt, da die Kunstwerke auch mit Kurieren aus dem Ausland anreisen. Interessant sind die Leihgaben für die Sonderausstellung "Wahrsagen in Ostasien und Europa". Eine Ausstellung, die den Blick in die Zukunft wagt – was die bringt, wüssten alle Museumsmitarbeiter nur zu gerne.

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