BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Trotz Kostenexplosion: Theatersanierung in Augsburg geht weiter | BR24

© BR

Teure Baustelle: Die Sanierung des Staatstheaters Augsburg sorgt für Diskussionen in der Stadt.

Per Mail sharen

    Trotz Kostenexplosion: Theatersanierung in Augsburg geht weiter

    Nach fast sieben Stunden Diskussion hat der Stadtrat beschlossen: Trotz immenser Kostensteigerung wird die Sanierung des Staatstheaters wie geplant weitergehen. Und ein weiterer umstrittener Punkt der Sanierung und Neugestaltung ist jetzt geklärt.

    Per Mail sharen

    Trotz einer Kostenexplosion in Höhe von möglicherweise mehr als 300 Millionen Euro soll die Generalsanierung des Augsburger Staatstheaters wie geplant fortgesetzt werden. Das hat der Stadtrat jetzt beschlossen. Die schwarz-grüne Regierungskoalition im Rathaus hatte bereits vor der Sitzung mitgeteilt, dass CSU und Grüne zu dem Projekt stünden und nicht noch einmal grundsätzlich neu planen wollen.

    Das "Kleine Haus" wird nun doch gebaut

    Ferner soll neben dem maroden "Großen Haus", das gerade generalsaniert wird, noch ein "Kleines Haus" sowie Werkstätten, Proberäume und Verwaltung gebaut werden. Für den Beschluss stimmten 38 Stadträte, 22 stimmten dagegen. "Die Entscheidung hat viel Mut gebraucht", sagte Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU). Weber hatte sich wie die gesamte CSU-Fraktion sowie die Grünen für die Neukonzeption ausgesprochen. Es ginge um die Metropole Augsburg – und das Bekenntnis der Metropole zum Staatstheater, so die Politikerin.

    Intendant macht sich für Theater-Neubau stark

    Der Intendant des Staatstheaters, André Bücker, plädierte vor dem Stadtrat leidenschaftlich und energisch für den Erweiterungs-Neubau. Er erklärte, dass die Stadt es sich nicht leisten könne, kein Theater zu bauen. Das Staatstheater wolle ein Ort für Alle sein, ein barrierefreier Ort der Kunst, der Begegnung, des Miteinanders und zum Verweilen. Der vorliegende Entwurf der Planer und Architekten entspreche genau dieser Vision. Auch der geplante sechseckige Multifunktionssaal im Kleinen Haus sei einzigartig und ermögliche alle denkbaren Spiel- und Veranstaltungsformen mit bis zu 450 Plätzen. Der neue Saal werde eine Bereicherung für die Stadt Augsburg sein, so Bücker.

    Kostensteigerung bei Theater-Neubau sorgt für Streit

    Die gestiegenen Kosten befeuerten die Diskussion im Stadtrat. Während CSU und Grüne sich für den Erweiterungs-Neubau aussprachen, äußerte die Opposition wiederholt ihre Kritik und Bedenken: Die Bürgerliche Mitte, bestehend aus Freien Wählern, FDP und Pro Augsburg, forderte, die Kosten vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband überprüfen zu lassen. Man habe den Bürger hinters Licht geführt, sagte etwa Stadtrat Bruno Marcon (FW) mit Blick auf die deutlich höheren Sanierungs- und Baukosten.

    Stadt weist Vorwürfe zurück

    Baureferent Gerd Merkle wies den Vorwurf zurück. Man habe von Anfang an klar kommuniziert, dass Preissteigerungen bei einem solchen Großprojekt anfallen könnten. Die Bürgerliche Mitte forderte zudem, dass der Stadtrat heute noch keine Entscheidung treffen dürfe. Stattdessen solle während eines Sanierungsmoratoriums nochmals ein alternatives Konzept erarbeitet werden.  

    Kritik an Theater-Neubau von SPD und Linken

    Die soziale Fraktion aus SPD und Linke hatte ebenfalls gefordert, dass es ein Sanierungsmoratorium geben solle, um ein alternatives Konzept auszuarbeiten. Die Kostenentwicklung bedürfe einer Prüfung, damit die Kosten "nicht vollends aus dem Ruder laufen". Außerdem solle man sich auf Bauteil 1, also die Sanierung des Großen Hauses, konzentrieren. Statt auf Neubauten zu setzen, sollte man nach Vorstellung von SPD und Linken das bereits aufwändig sanierte Gaswerk als zweite Spielstätte miteinbeziehen. Das würde sowohl die Kosten senken, als auch dafür sorgen, dass sich das kulturelle Angebot nicht nur auf das Theaterviertel beschränkt.  Sowohl der Intendant des Staatstheaters als auch Grüne und CSU sprachen sich dagegen für eine zentrale Lösung in der Stadt aus.

    Kostenexplosion: Sanierung und Neubau deutlich teurer

    Vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass die bereits laufende Sanierung des historischen "Großen Hauses" und die geplanten Neubauten für Verwaltung und eine zweite Bühne deutlich teurer werden, als dies bislang bekannt war. Nachdem bisher knapp 190 Millionen Euro veranschlagt wurden, geht die Stadt nunmehr von rund 280 bis 320 Millionen Euro aus - je nach Entwicklung der Baupreise. Die Fertigstellung des Projekts ist für Mitte 2026 geplant.

    Freistaat könnte Hälfte der Kosten übernehmen

    Kritiker des Projekts meinen, dass man eventuell auf die Neubauten verzichten könnte, wenn man die derzeit provisorisch genutzten Ausweichspielstätten dauerhaft betreibe. Auch das Kunstministerium in München hatte betont, dass alle Gebäude des Staatstheaters wie geplant im Zentrum der Stadt konzentriert werden sollten. Es wird erwartet, dass der Freistaat letztlich mehr als die Hälfte der Kosten des Projekts übernehmen wird.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!