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Trotz Klage beginnen Bauarbeiten zu Gewerbegebiet bei Gestratz | BR24

© BR/Steffen Armbruster

Zwischen Gestratz und Grünenbach im Westallgäu soll ein Gewerbegebiet entstehen. Eigentlich läuft dagegen eine Klage des BUND, doch heute rollen die Bagger an.

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Trotz Klage beginnen Bauarbeiten zu Gewerbegebiet bei Gestratz

Landschaftsschutz kontra wirtschaftliche Interessen – darum geht es bei dem Streit um das Gewerbegebiet zwischen Gestratz und Grünenbach im Westallgäu. Trotz einer laufenden Klage soll dort heute mit dem Bau begonnen werden.

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Welches Landschaftsbild ist schützenswert und welches darf zum Beispiel für ein Gewerbegebiet zerstört werden? An dieser Frage scheiden sich die Geister, nicht nur in der Verwaltungsgemeinschaft Argental, der die Gemeinden Gestratz, Grünenbach, Maierhöfen und Röthenbach im Westallgäu angehören. Dort wird schon seit Jahren über das geplante interkommunale Gewerbegebiet "In der Au" gestritten. Der Streit geht soweit, dass nun eigentlich ein Gericht entscheiden soll, ob hier Landschaftsschutz vor wirtschaftlichen Interessen steht – es wäre ein Präzedenzfall in Bayern.

Gericht muss über schützenswerte Landschaft entscheiden

Denn die Klage des Bund Naturschutz (BUND) vor dem Verwaltungsgerichtshof in München dreht sich um einen bestimmten Passus im bayerischen Landesentwicklungsprogramm und die Frage, wie dieser zu verstehen ist. In der Verordnung steht, dass ein Gewerbegebiet außerhalb von Siedlungen entstehen darf, wenn es interkommunal realisiert ist, es keinen alternativen Standort gibt und es "ohne wesentliche Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes geplant" wird.

Eilantrag gegen die Erschließung des Gewerbegebiets

Der BUND sieht genau diesen Passus beim Gewerbegebiet "In der Au" verletzt und hat deshalb letzte Woche noch einen zusätzlichen Eilantrag gegen die Erschließung des Areals beim Gericht eingereicht. Wann über diesen entschieden wird, ist noch unklar. Laut Gericht haben die Parteien noch Zeit für Stellungnahmen.

Gemeinden wollen mit dem Bau des Gewerbegebiets beginnen

Dabei könnte es bereits zu spät sein, wenn das Gericht seine Entscheidung fällt. Denn ab heute wollen die Gemeinden Nägel mit Köpfen machen. Der erste Bagger soll angeliefert werden. In den darauffolgenden Tagen und Wochen sollen Leitungen verlegt, das Erdreich aufgerissen und Zufahrtsstraßen gebaut werden. Auf einer Fläche von 6,4 Hektar sollen im Gewerbegebiet "In der Au" vor allem mittelständische Unternehmen Platz finden. Der Bauplatz ist umgeben von weiten Wiesen und Wäldern mit Blick ins Allgäu.

Bürgermeister wollen bestehende Beschlüsse umsetzen

"Wir fangen definitiv mal an", meint dazu der Gestratzer Bürgermeister und Vorsitzende des interkommunalen Zweckverbandes, Engelbert Fink. Die vier Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Argental hätten sich Anfang der Woche dazu entschlossen, mit der Erschließung zu beginnen. Dabei sei nicht das gesamte Gremium des interkommunalen Zweckverbandes, dem noch vier Gemeinderäte angehören, anwesend gewesen. Es gelte jetzt, Beschlüsse des Zweckverbandes aus der Vergangenheit umzusetzen. Eine Genehmigung für den Bau hat der Zweckverband.

Bund Naturschutz hatte auf Gerichtsverfahren gehofft

Thomas Frey vom BUND sagte dem BR, es mache ihn traurig. Es werde wieder ein Stück Allgäuer Landschaft verbaut. Er habe sich gewünscht, dass der Zweckverband ein Urteil im Hauptsacheverfahren abwarte, so Frey. Unterstützung für diese Sicht hätte der Bund Naturschutz wohl: Schon vor der Klage hatte sich eine Bürgerinitiative gegen das Gewerbegebiet "In der Au" gegründet. Hunderte Stimmen waren für eine Petition dagegen gesammelt worden.

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