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Wurstfabrik (Symbolbild)
© pa/dpa/Ingo Wagner

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Johannes Reichart
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Wurstfabrik (Symbolbild)

Lebensmittelreste an der Decke, stinkende Pfützen, Schmutzpartikel in der Weißwurstlake: Diese Entdeckungen stehen nicht etwa in einem Bericht der Verbraucherorganisation Foodwatch, sondern in den Protokollen der staatlichen Lebensmittelprüfer, die den Großmetzger "Landsberger Wurstspezialitäten GmbH" kontrolliert haben.

Foodwatch: Behördenversagen

Die Hygienemängel wurden bei 41 Kontrollbesuchen von Oktober 2017 bis Februar 2018 entdeckt, wie Foodwatch jetzt öffentlich machte. Konsequenzen - wie die Verhängung von Bußgeldern - blieben in dem Fall der Landsberger Wurstspezialitäten aus. Für Verbraucherschützer ein Unding:.

"Es ist leider ein sehr vertrautes Muster, was wir immer wieder erleben, dass Unternehmen keinen Anreiz haben, Mängel zeitnah zu beheben, weil die Öffentlichkeit nichts davon erfährt. So auch in diesem Fall." Johannes Heef, Foodwatch

Die Organisation spricht auch von Behördenversagen, da sich die Bedingungen nicht zügig besserten.

Landratsamt: Guter Hygienestatus

Die zuständige Kontrollbehörde, das Landratsamt von Landsberg am Lech, weist die Vorwürfe zurück. In einer Mitteilung heißt es, dass sogenannte Vollkontrollen regelmäßig in den Räumlichkeiten der "Landsberger Wurstspezialitäten GmbH" durchgeführt worden seien. Dabei hätten erfahrene amtliche Tierärzte unangekündigt mehrmals pro Woche den Betrieb unter die Lupe genommen. Laut Landratsamt werde der Betrieb durchschnittlich acht Mal im Monat überprüft. Am Hygienestatus des Betriebs haben man nichts auszusetzen, so das Landratsamt, dieser sei gut.

Kritik kommt von der Landtags-SPD: Florian von Brunn , verbraucherschutzpolitischer Sprecher der Fraktion, fragt sich, wieso es nach den erwiesenen ekelerregenden Zuständen keine ausreichenden Konsequenzen gab. Er fordert von Umweltminister Marcel Huber (CSU) Aufklärung:

"Ich finde es mehr als fragwürdig, wenn ein Kontrolleur über mehrere Monate gravierende Mängel feststellt, aber das Landratsamt als die zuständige Behörde nichts unternimmt, und auch die Aufsichtsbehörden, also die Regierung von Oberbayern und das Umweltministerium, nicht tätig werden. Das ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann: Man weiß, dass es Verstöße gibt, aber man handelt nicht." Florian von Brunn, SPD im Landtag

Das bayerische Umweltministerium wollte sich heute nicht am Mikrofon zu den Vorgängen äußern, informierte lediglich schriftlich, dass es eine strenge und konsequente Kontrolle durch die Behörden vor Ort erwarte und dass die Regierung von Oberbayern als zuständige Kontrollbehörde die Mängelabstellung unmittelbar zu veranlassen habe.

Landratsamt: Keine gravierenden Mängel an Lebensmitteln

Warum es keine Bußgelder gegen die Wurstspezialitäten GmbH gegeben habe, dazu antwortet das Landratsamt auf Nachfrage: Es habe schlichtweg keine gravierenden Mängel oder wiederholte Verstöße an Rohwaren oder Zutaten gegeben.

Für Johannes Heeg von Foodwatch zeigt der Vorgang, dass Deutschland in Sachen Lebensmittelkontrolle hinterherhinkt.

"Andere Länder sind da viel weiter als Deutschland und auch als Bayern. In Dänemark, Frankreich und Großbritannien werden ganz selbstverständlich alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen veröffentlicht. Und in Dänemark beispielsweise zeigen die Statistiken ganz deutlich, dass die Beanstandungszahlen dadurch gesunken sind. Denn die Unternehmen wissen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten, kommt es an die Öffentlichkeit. Bei uns ist das leider nicht der Fall." Johannes Heef, Foodwatch

Gegen den Leiter des Landsberger Landratsamts hat Foodwatch inzwischen eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Sie wurde an Bayerns Verbraucherschutzminister Marcel Huber und an Landrat Thomas Eichinger verschickt. Die Verbraucherschützer bleiben bei ihrer Einschätzung: Das Landratsamt hätte Bußgelder und Sanktionen gegen die Firma "Landsberger Wurstspezialitäten" verhängen müssen.

Wer soll Lebensmittelbetriebe kontrollieren?

Im Hintergrund der aktuellen Vorwürfe gegen die Landsberger Wurstspezialitäten GmbH läuft derzeit ein Rechtsstreit, wer überhaupt für die Kontrolle des Betriebes zuständig ist. Eigentlich obliegt diese der neuen "Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen" (KBLV). Gegründet vor mehr als einem Jahr nach diversen Lebensmittelskandalen in Bayern wie Müller-Brot oder Bayern-Ei ist die neue Behörde für Großbetriebe wie den in Landsberg zuständig.

Die Bilanz der KBLV liest sich an sich gut: Die Kontrolleure haben bereits 717 Betriebe besucht, 691 Proben genommen und daraufhin in 207 Fällen mit Bußgeldern, Strafanzeigen oder konkreten Anordnungen zur Mängelbeseitigung reagiert. 19 Betriebe jedoch haben vor Gericht gegen den Zuständigkeitswechsel von den Landratsämtern zur KBLV geklagt. Auch die Landsberger Wurstspezialitäten. Das Verfahren am Verwaltungsgericht München läuft noch.

Autoren

Johannes Reichart

Sendung

B5 Bayern vom 21.09.2018 - 17:30 Uhr