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Trotz Gesetz: Spielsucht in Bayern ungebremst | BR24

© pa/dpa/Amelie Geiger

Ungebremste Spielsucht in Bayern

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    Trotz Gesetz: Spielsucht in Bayern ungebremst

    Der Siegeszug der Spielhallen hält an: Die Glücksspielbranche ist in Bayern so groß wie nie. Daran hat auch der geänderte Glücksspielstaatsvertrag von 2017 kaum etwas geändert. Allein im Freistaat sind etwa 70.000 Menschen spielsüchtig.

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    Spielsucht ist nach wie vor ein großes Problem in Bayern. Zwischen 2006 und 2016 hatte sich die Anzahl der Geldspielgeräte in Bayern mehr als verdoppelt. Abhilfe sollte der geänderte Glücksspielstaatsvertrag von 2017 bringen, etwa mit Mindestabständen zwischen den Spielhallen. Gebracht hat er kaum etwas.

    Immer noch fast 21.000 Spielautomaten in Bayern

    Die strengeren Vorschriften lassen sich oft mit Ausnahmeregelungen umgehen und so ist die Anzahl der Spielautomaten in den vergangenen zwei Jahren (2016 bis 2018) kaum gesunken: Von mehr als 1.000 Spielotheken in Bayern mussten gerade mal sieben dicht machen. Noch immer gibt es fast 21.000 Geräte.

    Glücksspiel und seine Folgen werden unterschätzt: In vielen Suchtberatungsstellen steht es nach Alkohol an zweiter Stelle. Allein in Bayern gehen Experten von fast 70.000 Süchtigen oder zumindest problematischen Zockern in Spielhallen, Casinos oder im Internet aus. Gerade das anonyme Zocken im Internet - von Sportwetten, über Online-Spielbanken bis hin zu PC-Spielen mit Glückspielinhalten - nehme rasant zu.

    Steigende Gewinne der Spielhallen-Betreiber

    Die Kassen der Betreiber werden immer voller und damit die Verluste der Spieler immer höher. Von 2016 bis 2018 waren es 7,5 Prozent mehr, in konkreten Zahlen: 673 Millionen Euro. Hinzu kommt: Automaten in kleineren Kommunen und in Gaststätten werden nicht in der Statistik erfasst. Die tatsächlichen Zahlen liegen also noch deutlich höher.

    Auch die Einnahmen bei der Sportwettensteuer wachsen

    Auch online wird immer mehr gezockt und vor allem gewettet. Sportlegenden wie Oliver Kahn oder Bastian Schweinsteiger werben sogar dafür. Am Ende gewinnen aber die Anbieter und der Staat verdient kräftig mit: Bayern hat seine Einnahmen durch die Sportwettensteuer in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt - auf fast 68 Millionen Euro.

    Echter Spielerschutz – bisher Fehlanzeige

    Am Ende kann Spielsucht ganze Existenzen bedrohen.

    "Häufig bedeutet Glücksspielsucht den Ruin ganzer Familien. Diese Sucht stellt eine immens hohe psychische Belastung für alle Betroffenen und deren Angehörige dar." Konrad Landgraf, Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG)

    Der Schuldenstand von Personen, die in Beratung sind, belaufe sich im Durchschnitt auf rund 24.000 Euro. Bei keiner anderen Abhängigkeitsform sei dieser Wert so hoch. Und: Viele Betroffene werden durch ihre Spielsucht sogar kriminell.

    Um Spieler besser zu schützen, fordert die Landesstelle Glücksspielsucht, die Anzahl der Geldspielgeräte weiter zu verringern und bayern- bzw. sogar deutschlandweite Spielersperren. Laut Innenministerium wird momentan ein bundesweites anbieter- und spielformübergreifendes Sperrsystem zwischen den Ländern diskutiert. Eventuell könnte es im nächsten Glücksspielstaatsvertrag ab Juli 2021 umgesetzt werden.