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© BR / Rüdiger Kronthaler

Verstärkeramt in Kochel am See wird abgerissen

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Trotz Denkmalschutz: Verstärkeramt in Kochel wird abgerissen

Das Schicksal des ehemaligen Verstärkeramts in Kochel ist offenbar besiegelt: Seit Samstag wird das denkmalgeschützte Gebäude abgerissen. An seiner Stelle sollen der Gemeinde-Bauhof und Sozialwohnungen entstehen. Doch Denkmalschützer geben nicht auf.

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Von
  • Rüdiger Kronthaler

Der ehrenamtlicher Denkmalschützer Heiko Folkerts hat gegen den Kocheler Bürgermeister Thomas Holz (CSU) Strafanzeige wegen mutwilliger Zerstörung gestellt - um den Abriss des geschützten Verstärkeramts zu stoppen.

Seit Samstag ist der Abriss in vollem Gang. Ehrenamtliche Denkmalschützer befürchten, dass die Gemeinde Kochel am See (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen) das geschützte Gebäude jetzt schnell zerstören wolle, um Fakten zu schaffen.

Verfahren vor Verfassungsgerichtshof noch offen

Denn vor dem bayerischen Verfassungsgerichtshof läuft weiterhin eine Beschwerde gegen den Bebauungsplan, der an Stelle des alten Bauwerks einen Bauhof, 21 Sozialwohnungen und Vereinsräume vorsieht. Denkmalschützer kritisieren, dass der Kocheler Gemeinderat vor zwei Jahren bei der Abstimmung über den Bebauungsplan den Denkmalschutz nicht ausreichend berücksichtigt habe.

Kochels Bürgermeister Thomas Holz erwiderte gegenüber dem BR, dass aus seiner Sicht der Bebauungsplan damals rechtmäßig zustande gekommen sei, und dass eine gültige Abrissgenehmigung unabhängig von dem laufenden Rechtsstreit vorliege.

Gebäude zum Kauf-Zeitpunkt nicht auf Denkmalliste

Zu dem Zeitpunkt, als die Gemeinde das Verstärkeramt gekauft hat, stand das Gebäude noch nicht auf der Denkmalliste. Und als der Bebauungsplan im Sommer 2018 verabschiedet wurde, hatte das Landesamt für Denkmalpflege die Prüfung noch nicht abgeschlossen.

Als das Gebäude wiederum einige Monate später in die Denkmalliste aufgenommen wurde, habe das Landesamt der Gemeinde bestätigt, dass sich der Bebauungsplan unter Wahrung der historischen Bausubstanz nicht umsetzen ließe, so Bürgermeister Holz.

Für Landesamt ist Verlust "hinnehmbar"

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte im August gegenüber dem BR eingeräumt, dass man mit Blick auf den Abriss des Verstärkeramts "auch mal einen Verlust hinnehmen" müsse. So richtet sich die Kritik von ehrenamtlichen Denkmalschützern auch gegen das staatliche Landesamt für Denkmalpflege: Das Landesamt habe sich nur halbherzig für den Erhalt des historischen Gebäudes in Kochel eingesetzt.

Denkmalschützer fordern Sanierung statt Abriss

Heiko Folkerts hofft immer noch, das Verstärkeramt retten zu können. Noch seien die Schäden an den Außenwänden zu reparieren. Folkerts fordert, das fast 100 Jahre alte Gebäude zu sanieren und so umzubauen, dass hier Wohnungen und Räume für Vereine entstehen könnten.

Für den Bauhof müsse ein alternativer Standort gefunden werden. Das Verstärkeramt - in dem früher Telefonsignale verstärkt und geforscht wurden - sei ein hochrangiges bayerisches Baudenkmal, und die öffentliche Hand habe bei der Bewahrung von denkmalgeschützten Gebäuden gegenüber privaten Denkmaleigentümern eine Vorbildfunktion.

💡 Der Weg zum Denkmal

In Bayern sind rund 110.000 Gebäude als Denkmäler gelistet, darunter befinden sich 874 Ensembles. Ein Denkmal ist ein Denkmal, auch wenn dies noch nicht offiziell auf einer Denkmalliste vermerkt ist, wie beispielsweise das ehemalige Verstärkeramt in Kochel. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann ein möglicherweise denkmalwürdiges Gebäude beim Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) melden, damit es die Denkmaleigenschaft "feststellt". Man spricht deswegen auch vom "Erkennen" eines Denkmals, und nicht vom "Anerkennen".

Es genügt hierbei, wenn Bürger dem Landesamt anhand von historischen Archivinformationen oder anhand von Fotos einen hinreichenden "Denkmalverdacht" mitteilen. Dieser Verdacht besteht, wenn das Gebäude eine "geschichtliche, künstlerische, städtebauliche, wissenschaftliche oder volkskundliche Bedeutung besitzt, die eine Erhaltung im Interesse der Allgemeinheit erforderlich macht" (BLfD). Das Landesamt geht dann dem Verdacht nach und leitet eine Prüfung der Denkmaleigenschaft des Objekts ein.

Die Zahl ist laut Landesamt für Denkmalpflege relativ konstant, jedes Jahr verlieren ungefähr 100 Gebäude den Schutz, ungefähr die gleiche Anzahl an Gebäuden werden als Denkmäler erkannt.

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