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Seit mindestens zehn Jahren regnet es in Franken im Schnitt viel zu wenig. Darunter leidet auch der Wald. Waldbauern sind besorgt. Schon jetzt gibt es in Hauptendorf bei Herzogenaurach Streit um das wenige vorhandene Wasser.

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Trocknet Brunnen Wald aus? Streit ums Grundwasser in Hauptendorf

Zwei Waldbesitzern in Hauptendorf bei Herzogenaurach sterben die Nadelbäume ab. Schuld ist nach ihrer Ansicht nicht nur die Trockenheit in Franken, sondern auch der Brunnen eines benachbarten Gemüsebauern. Doch der hat einen amtliche Genehmigung.

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Von
  • Julia Demel

Wasser ist knapp in Franken - das wissen auch Kurt Bretting und Robert Engl. Doch die beiden Waldbesitzer beobachten in ihrem Wald bei Hauptendorf/Herzogenaurach mit Sorge, wie ihnen in großem Maße die Nadelbäume wegsterben. Fehlender Regen könne aus ihrer Sicht dafür nicht die alleinige Ursache sein.

Streit ums Grundwasser

Mehrere hundert Ster totes Holz haben sie in den vergangenen drei Jahren aus dem nur wenige Hektar großen Wald herausgeholt. Das sei viel mehr als normal und lasse sich auch nicht nur mit dem Klimawandel begründen. Sie sehen als Ursache für das Baumsterben vielmehr den nahegelegenen Brunnen des Gemüsebauern Jörg Hofmann. 2016 hatte dieser den Bau eines Brunnens mit Wasserspeicher beantragt und genehmigt bekommen.

Behörden erlauben Wasserentnahme

Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt hat unter Einbeziehung des Wasserwirtschaftsamtes die Entnahme von 9000 Kubikmetern Grundwasser pro Jahr genehmigt. Damit bewässert Jörg Hofmann 16 Hektar Anbaufläche. Nach seinen Angaben geht er sogar besonders sparsam mit dem Wasser um: große Beregnungsanlagen gibt es nicht auf seinen Feldern, stattdessen Tröpfchenbewässerung direkt an den Zucchini- und Lauchpflanzen. Das Landratsamt schreibt es habe vorab geprüft, "ob für den vorgesehenen Umfang der Grundwassernutzung ein Bedarf besteht". Und weiter "eine systematische Überwachung von landwirtschaftlichen Brunnen (...) ist gesetzlich nicht vorgesehen".

Wasserwirtschaftsamt: "Niederschlagsdefizite seit 10 Jahren"

Auch das Wasserwirtschaftsamt überprüft nur stichprobenartig, ob die genehmigten Wassermengen eingehalten werden. Der Leiter des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg, Ulrich Fitzthum verweist aber auf einen grundsätzlich niedrigen Grundwasserspiegel in der Region und erklärt: "Seit 2010 haben wir ein Niederschlagsdefizit", jetzt müssen man sehen, wie die Ressource Wasser in Zukunft verteilt werden könne.

Auch Staatsregierung sieht "Grundwassernotstand"

Ende Oktober hatte auch der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber vor einem "Grundwassernotstand" im Norden Bayerns gewarnt. Der Boden sei "trocken wie Knäckebrot" sagte er in einer Regierungserklärung und kündigte ein millionenschweres Maßnahmenpaket an, um mehr Wasser im Boden zu halten. Wenn es um die Verteilung der knappen Ressource Wassers gehe, sind sich alle Behörden einig: der Anbau von Lebensmitteln hat eine hohe Priorität. Trotzdem haben die zwei Waldbesitzer Bretting und Engl inzwischen die Zusage: die Ämter werden ihrer Beschwerde nachgehen und überprüfen, ob der Brunnen für den Gemüseanbau ihrem Wald zusätzlichen Schaden zufügt.

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