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Trockenheit: Gibt es einen neuen Dürresommer? | BR24

© Jan Woitas/ZB/dpa

Archivbild: Letzte Brandnester qualmen noch nach einem Waldbrand in Sachsen-Anhalt

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Trockenheit: Gibt es einen neuen Dürresommer?

Trockenheit hat zu hierzulande zu vielen Bränden geführt, in Bayern herrscht Waldbrandgefahr. Der Deutsche Wetterdienst warnt, dass die Dürre - sollte der Regen länger ausbleiben - erneut verheerend werden könnte. Sind die Feuerwehren vorbereitet?

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Falls der Regen weiter ausbleiben sollte, steuert Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) womöglich auf einen weiteren Dürresommer zu. "Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach.

Besonders betroffen sind demnach die östlichen Bundesländer. Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. "Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr."

Auch der BR-Meteorologe Michael Sachweh meint, dass "die Grundwassersituation in diesem Jahr noch prekärer als im letzten Jahr" sei. Der Regen, der am Wochenende erwartet werde, sei nur "sprichwörtlich ein Tropfen auf den heißen Stein":

"Wir bräuchten viel häufigere Regenfälle und nach meiner Einschätzung sogar einen richtig verregneten Sommer, damit dieses große Grundwasser-Defizit, das wir haben, halbwegs aufgefüllt wird." Michael Sachweh, BR-Wetterexperte

Lediglich die akute Waldbrandgefahr könne durch die kommenden Niederschläge beendet werden, so Sachweh.

"Wald der Zukunft" braucht Vielfalt

Der "Wald der Zukunft" wird aus Sicht eines Forstexperten aber auf jeden Fall vielfältig sein, um möglichen Waldbränden Paroli bieten zu können. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern."

Waldbrandgefahr: Feuerwehrverbände fordern mehr Hubschrauber

Aktuell besteht fast im gesamten Bundesgebiet hohe Waldbrandgefahr. Angesichts dieser Lage fordert der Deutsche Feuerwehrverband mehr Löschhubschrauber in Deutschland. Helikopter mit Außenlastbehältern seien für die Brandbekämpfung sinnvoll, sagte Verbandspräsident Hartmut Ziebs.

Ähnlich sieht das Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband Bayern, zuständig in seinem Verband für alle fachlichen Fragen des Feuerwehrwesens. Die größten Wasserbehälter fassen nach seinen Angaben 5.000 Liter und können nur von Helikoptern der Bundeswehr vom Typ CH-53 geflogen werden.

Gerichtet an die Bundeswehr verlangte Hartmut Ziebs vom Deutschen Feuerwehrverband im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF: "Hier müsste nachgesteuert werden. Es fehlen circa zehn bis 20 Hubschrauber deutschlandweit."

Hubschrauber der Bundeswehr veraltet

Wie Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband auf BR-Nachfrage bestätigte, sind Hubschrauber nicht immer verfügbar. Deutschlandweit gibt es Weiß zufolge 72 Hubschrauber dieses Typs. Diese seien aber alt. Nur noch etwa 18 würden fliegen, so Weiß. Ansonsten sieht sich der Landesfeuerwehrverband Bayern im bundesweiten Vergleich aber gut aufgestellt, sollte es zu größeren Einsätzen kommen.

Bayerische Feuerwehren können im Bedarfsfall auf ein System zurückgreifen - "deutschlandweit einmalig , vor 39 Jahren entwickelt vom Freistaat Bayern", sagte Fachreferent Jürgen Weiß. Auf 17 Standorte in Bayern wurden mehr als 40 sogenannte Löschwasseraußenlastbehälter verteilt. Diese fassen insgesamt 900 Liter. Zudem kann die bayerische Landespolizei insgesamt acht Hubschrauber zur Verfügung stellen - inklusive Wärmebildkameras.

Feuerwehr aus Bayern hilft beim Waldbrand in Thüringen

Aktuell leisten Feuerwehren aus dem Freistaat Hilfe beim Waldbrand am Bleiloch-Stausee in Thüringen. Etwa 100 Feuerwehrmänner aus dem Landkreis Hof sind seit Dienstagmittag im Einsatz. "Nach ein paar Stunden tauschen wir die ganze Mannschaft aus. Das Gelände ist sehr steil, deshalb ist der Einsatz körperlich sehr anstrengend und gefährlich. Das ist fast wie im Hochgebirge. Meine Männer müssen das Equipment mit Seilen sichern", sagte der Hofer Kreisbrandrat Reiner Hofmann im BR-Gespräch.

Dabei sind Feuerwehrmänner aus Lichtenberg, Fattigau, Förmitz, Förbau, Kautendorf, Oberkotzau, Schwarzenbach an der Saale, Töpen und Trogen (alle Lkr. Hof).

Katastrophenfall am Dienstag ausgerufen

Wegen des Brandes in einem steilen Waldgelände war in Thüringen am Dienstagnachmittag der Katastrophenfall ausgerufen worden. Die Feuerwehr hatte den Brand bis dahin nicht in den Griff bekommen. Das Feuer an dem aufgestauten See der Saale war erstmals am Ostersonntag auf 2.000 Quadratmetern Fläche ausgebrochen und am Montagnachmittag zunächst gelöscht worden. Wind fachte den Brand am Dienstag wieder an.

Ergänzung: In einer ursprünglichen Version des Artikels hatte es geheißen, dass Wetterexperten vor einem neuen Dürresommer warnen. Das ist nicht so - und sollte keineswegs als langfristige Wetterprognose verstanden werden. Die von uns zitierten Meteorologen erklärten lediglich, dass ihrer Einschätzung zufolge ein neuer Dürresommer bevorstehen könnte, falls die Trockenheit in den nächsten Monaten anhält. Wir haben die entsprechenden Textstellen konkretisiert.

© BR

Angesichts der anhaltenden Waldbrandgefahr hat der Deutsche Feuerwehrverband erneut mehr große Löschhubschrauber gefordert. Nur Bundeswehr-Hubschrauber seien in der Lage, die größten verfügbaren Wasserbehälter zu bewegen, so DFV-Präsident Ziebs.

Hohe Waldbrandgefahr in Bayern

Die Waldbrandgefahr bleibt wegen der anhaltenden Trockenheit in weiten Teilen Bayerns hoch. Laut dem Waldbrand-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) herrscht aktuell in weiten Teilen Bayerns die zweithöchste Warnstufe (Stufe 4). Stufe 5 ("sehr hohe Gefahr") gilt in Teilen Mittelfrankens.

Mit einer Entspannung der Situation rechnen die Experten vom Deutschen Wetterdienst erst am Wochenende.

Brände am Ostermontag

Am Ostermontag waren auch aus Bayern mehrere Waldbrände gemeldet worden. In Hersbruck östlich von Nürnberg geriet ein ein Hektar großes Waldstück in Flammen. Weil die Fläche schwer zugänglich war, stellten Landwirte ihre Güllefässer für den Wassertransport zur Verfügung.

An der Autobahn A3 bei Bischbrunn im Landkreis Main-Spessart brannten am Montag mehrere tausend Quadratmeter Wald nieder. Laut Polizei waren rund 50 Rettungskräfte im Einsatz. Die Löscharbeiten gestalteten sich besonders schwierig, weil in der näheren Umgebung keine Wasserentnahmestelle war.

Ebenfalls am Ostermontag brach bei Mickhausen im Landkreis Augsburg ein Waldbrand aus. Neben einer Hütte entstand ein Feuer, das meterhohe Stichflammen entwickelte. Die Feuerwehr rückte mit gut 80 Einsatzkräften an und konnte den Brand löschen. Da keine Anhaltspunkte für eine Brandstiftung vorliegen, gehen die Ermittler davon aus, dass sich die Böschung wegen der aktuellen Trockenheit selbst entzündet hatte.