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Ein Landwirt bearbeitet ein trockenes Feld mit einer Egge.
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Ein Landwirt bearbeitet ein trockenes Feld mit einer Egge.

Karl-Ludwig Rostock betreibt den Obsthof Hauenstein in Krombach-Oberschur im Kahlgrund im Landkreis Aschaffenburg. Er ist Vorsitzender der fränkischen Obstbauern und seit Januar auch Präsident des bayerischen Erwerbsobstbauverbandes. Als Obstbauer beschäftigt er sich intensiver mit den Themen Niederschläge und Grundwasser. "Um den Wasservorrat, der jetzt im Boden fehlt, aufzufüllen, bedarf es sicherlich noch zwei drei normale Jahre, ehe das alles wieder so richtig aufgefüllt ist", sagt Rostock. Im vergangenen Jahr lag das Wasserdefizit in Franken bei 150 Litern pro Quadratmeter.

"Generell ist ganz Franken Trockengebiet – im Gegensatz zu Südbayern, wo sich vor den Alpen die Wolken stauen und abregnen." Karl-Ludwig Rostock, Präsident des bayerischen Erwerbsobstbauverbandes

Tropfbewässerung gegen den Klimawandel

"Selbst in Lindau denken die Obstbauern über Tropfbewässerung nach, obwohl dort weit mehr Regen fällt als am Untermain!" sagt Rostock und geht über sein Erdbeerfeld. Seine Pflanzen hat er auf 200 Meter lange Dämme gepflanzt, die mit Plastik umspannt sind. "Das hat den Vorteil, ich habe weniger Verdunstung, kann das Wasser effizienter nutzen, bekomme im Damm eine wunderbare Bodengare, einen schönen lockeren Boden – das ist das, was die Erdbeere liebt", so Rostock.

In den Dämmen liegen Bewässerungsschläuche, die gleichmäßig und gezielt Wasser abgeben. Auch bei seinen Obstbäumen – bei den Apfel- und Kirschbäumen – setzt Rostock auf Tropfbewässerung. Und er hofft auf die Forschung. An der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau im unterfränkischen Veitshöchheim laufen aktuell Untersuchungen mit Obststämmen, die deutlich weniger Wasser benötigen.

Niederschlag in Bayern unterschiedlich verteilt

Erheblich mehr Niederschläge im Süden Bayerns

Erheblich mehr Niederschläge im Süden Bayerns

Wegen der generell geringen Niederschläge in den vergangenen Jahren weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein deutliches Defizit auf. Die Grundwasser-Messstationen des Landesamts für Umwelt haben im Landkreis Aschaffenburg niedrige bis sehr niedrige Pegelstände registriert. Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan bestätigt dies auf BR-Nachfrage: "Der Niederschlag in Bayern ist sehr unterschiedlich verteilt. Die geringsten Niederschlagsmengen verzeichnen wir im Schweinfurter Becken, im Raum Würzburg und Aschaffenburg."

Brömser spricht zudem von einer Klimaerwärmung von 1 bis 1,5 Grad in den kommenden 30 Jahren. Dadurch würde auch die Verdunstung des Wassers zunehmen. Die Trockenheits-Problematik werde sich verschärfen.

Trinkwasserversorgung am Untermain gesichert

1962 bis heute: Grundwasser in Aschaffenburg

1962 bis heute: Grundwasser in Aschaffenburg

"Wir haben in diesem Jahr sehr niedrige Grundwasserstände. Die liegen im Vergleich zu den Vorjahren ungefähr um 70 Zentimeter unter dem Niveau, das wir in der Vergangenheit hatten", sagt Dieter Gerlach, Geschäftsführer der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG), im BR-Interview.

Die AVG beliefert rund 150.000 Menschen in und um Aschaffenburg mit Trinkwasser. Auch wenn die Grundwasser-Pegel seit Jahren fallen: Geschäftsführer Dieter Gerlach ist entspannt. Der Grundwasser-Vorrat in der Mainterrasse reiche aus, um die Menschen hier 20 Jahre lang mit Wasser versorgen zu können, selbst wenn es gar nicht regnen sollte. Doch er betont:

"Je kleiner die Wasserversorgung, desto problematischer kann das Thema sein. Wir haben in Bayern ja eine sehr dezentrale Wasserversorgung. Da gibt es auch Gemeinden, die versorgen sich allein aus Quellen und Quellen können eben sehr niederschlagsabhängig sein und die haben dann auch sehr schnell ein Mengenproblem." Dieter Gerlach, Geschäftsführer der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG)

Gerlach bezeichnet es als bemerkenswert, welchen Einfluss das Wetter auf das Landschaftsbild in Bayern hat:

"Auch ein Franke kommt gelegentlich nach Südbayern und ich war schon überrascht. Wir hatten am Untermain letztes Jahr Verhältnisse wie in Südeuropa – verbrannte Wiesen, alles braun. Man kommt dann ins Allgäu und sieht grüne Wiesen. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Grundwasserverhältnisse." Dieter Gerlach, Geschäftsführer der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG)