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Trockenheit schwächt fränkische Wälder weiter | BR24

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Nach zwei sehr trockenen Sommern schauen Land- und Forstwirte auch dieses Jahr mit Sorgen in den oft wolkenlosen Himmel. Der April ist bis jetzt zu trocken. Betroffen sind unter anderem auch die Wälder in Unterfranken.

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Trockenheit schwächt fränkische Wälder weiter

Die Trockenheit der letzten beiden Jahre hat den Wäldern in Nordbayern deutlich zugesetzt. Das hat sich in Verbindung mit dem Borkenkäfer zum echten Problem entwickelt. Jetzt bleibt nur die Hoffnung auf besseres Wetter.

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Man könne "nur hoffen, dass nicht das dritte Trockenjahr in Folge kommt", so ein Sprecher der Bayerischen Staatsforsten. Entscheidend für die Waldbestände sei die Bodenfeuchte im April und Mai, wenn die Bäume Blätter austreiben, und regelmäßig ausreichende Niederschläge im Sommer. Die fränkische Trockenplatte, zu der Spessart, Rhön und Steigerwald gehören, sei ohnehin ein Klimahotspot, erklärt Christoph Riegert. Er leitet den Forstbetrieb Arnstein im Auftrag der Bayerischen Staatsforsten und ist damit für rund 15.000 Hektar Wald verantwortlich.

Betroffen sind vor allem Fichten

Die Trockenheit führe zum einen dazu, dass Bäume einfach ausdörren, zum Beispiel die Buche. Leiden würde auch die flachwurzelnde Fichte. Bekommt sie zu wenig Wasser, beginnt sie zu kränkeln – und ist damit ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer. Diese legen ihre Brutgänge direkt unter der Rinde an. Damit unterbrechen sie den Wasser- und Nährstofftransport, die Fichte stirbt ab. Wäre sie gesund, würde sie mit Hilfe des gespeicherten Wassers Harztropfen bilden und könnte so den Borkenkäfer abwehren. Der schade den Fichten im Forstbetrieb Arnstein enorm.

"Wir ernten derzeit etwa dreimal so viele Fichten wie normal, nahezu alle sind vom Borkenkäfer befallen." Christoph Riegert, Forstbetrieb Arnstein

Beim Kampf gegen die Schädlinge helfe eine selbst entwickelte App. Mit ihrer Hilfe würden befallene Bäume identifiziert, markiert, gefällt und schnell aus dem Wald gebracht. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Borkenkäfer nicht zum nächsten Baum wandern. Gleichzeitig werde der Bestand regelmäßig inspiziert, Borkenkäfer-Fallen geben darüber hinaus Aufschluss über die Befallsdichte.

Beseitigung von Sturmschäden

Derzeit würden die Mitarbeiter des Forstbetriebs vermehrt die Schäden von Sturm Sabine beseitigen: "Die umgeworfenen Bäume müssen dringend aufgeräumt werden, weil sie dem Borkenkäfer idealen Brutraum bieten." Trotz der Probleme blickt Riegert optimistisch in die Zukunft: "Der Wald ist Betroffener des Klimawandels, aber auch Teil der Lösung." Schon seit Jahrzehnten baue man naturnahe klimastabile Mischwälder auf. Gepflanzt würden Baumarten, die mit der Trockenheit gut umgehen können, zum Beispiel Eiche, Kirsche, Elsbeere und Speierling.

Strukturwandel im Wald

Zudem schaffe man strukturreiche Wälder, also unterschiedliche Schichten im Bestand. "Der Wald ist dadurch kühler und feuchter", so Riegert. "Und wenn es eine Störung gibt, stehen im Umfeld bereits kleine Bäumchen in den Startlöchern, die darauf warten, Licht zu bekommen und die Lücke zu füllen." Ein weiterer Vorteil strukturreicher Laubmischwälder: Sie seien relativ resistent gegen Waldbrände.

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© BR/Nathalie Bachmann

Förster Christian Riegert zeigt Risse an einem Baum.