Körnerhirse auf einem Feld
Bildrechte: BR/Pirmin Breninek

Die Körnerhirse gilt für die Forscher der Landesanstalt für Landwirtschaft als mögliche Alternative zum Mais – zumindest in trockenen Gegenden.

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Trockenheit: Nutzen Hirse und Kichererbse der Landwirtschaft?

Hirse, Kichererbsen, Erdnüsse: Auf einem Feld im Landkreis Kitzingen zeigt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, welche Kulturen bei Trockenheit helfen könnten. Viele Landwirte sind interessiert. Doch der Anbau muss sich auch rechnen.

Der Andrang ist groß an diesem Donnerstagvormittag. Eine Autoschlange reiht sich entlang der staubigen Felder bei Neuses am Berg im Landkreis Kitzingen. Etwa 150 Landwirte sind gekommen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat eingeladen – zu einem "Feldtag im Klima-Hotspot". Auf einem Versuchs- und Demonstrationsfeld informieren die Wissenschaftler über trockenheitsresistente Kulturarten. Seit Wochen sind die Niederschlagsmengen gering.

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Kichererbse hat Probleme bei Feuchtigkeit

Nicht mal 70 Liter Regen pro Quadratmeter waren es seit Mai 2022 an der Wetterstation in Würzburg. In einigen Lagen in Mainfranken noch weniger. "Die einzige Chance, um damit langfristig umzugehen, ist bei den Kulturen umzudenken", sagt Landwirt Benedikt Endres, der gekommen ist um sich die Vorträge anzuhören. Er hat bereits Soja oder Kichererbsen angebaut. Vor allem letztere hält er mit Blick auf die Trockenheit für interessant. Gleichwohl sind seine eigenen Erfahrungen bislang durchwachsen. "In feuchten Jahren ist das Risiko groß, dass es ein Totalausfall wird", sagt Endres.

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In Neuses am Berg (Lkr. Kitzingen) informierten die Forscher der LfL unter anderem über Amaranth, Anis und Kichererbsen.

Hohe Erträge in trockenen Jahren möglich

So sind die Nachfragen der Landwirte an die Wissenschaftler der LfL an diesem Vormittag durchaus kritisch. Auf der Demonstrationsfläche in Neuses am Berg stehen auch Quinoa, Anis, Mungbohnen oder Erdnüsse. Die Landwirte erkundigen sich nach Stickstoffbindung, Abreife, Düngereinsatz – und immer wieder kommt die Frage nach der Vermarktbarkeit.

"Das Problem ist, es kommt zu günstig aus dem Ausland rein", sagt ein Landwirt über die Kichererbse. Als Proteinträger und mit dem Trend zur veganen Ernährung sehen einige von ihnen dennoch Chancen. Zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen pro Hektar Ertrag seien in trockenen Jahren möglich, sagt Diyaa Tarabeh. Auch er hat bereits Erfahrungen mit der Kicherebse gesammelt. In diesem Jahr sei er sehr zufrieden, im feuchten Vorjahr war er es nicht: "Die Kichererbse ist eine tolle Alternative, die aber nur als Nische mitgeführt werden kann." Die Witterung sei schlicht zu unsicher. Ein anderer Landwirt fordert deshalb Sicherheiten vom Freistaat, um mögliche Totalausfälle bei neuen Kulturen zu kompensieren.

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Mit Trockenheit kommt die Kichererbse gut zurecht. Bei viel Niederschlag drohen Ausfälle.

Hirse braucht weniger Wasser als Mais

Nochmal schwieriger ist die Vermarktungssituation bei Pflanzen, die in der menschlichen Ernährung in Deutschland bislang keine Rolle spielen. Auf dem Acker im Landkreis Kitzingen hat die Landesanstalt einen großangelegten Versuch gestartet. Agrarwissenschaftlerin Janina Goldbach und das Team der LfL testen dort 200 Genotypen der Körnerhirse. Auch diese begutachten die Landwirte an diesem Vormittag.

"In besonders trockenen Jahren kann die Hirse mit einem Körnermais gut mithalten und vielleicht sogar bessere Erträge bringen", sagt Goldbach. Im Vergleich zum Mais komme die Körnerhirse mit bis zu 25 Prozent weniger Wasser aus. Sie muss auch weniger gedüngt werden, Insektizide und Fungizide seien nicht nötig.

Doch auch hier bleibt die Schwierigkeit: Bislang gibt es kaum Möglichkeiten zur Vermarktung. "Wenn die Körnerhirse in Deutschland an Popularität gewinnt und der Verbraucher Interesse zeigt, besteht auf jeden Fall die Chance", hofft Janina Goldbach. Verwendet wird die Körnerhirse hierzulande meist als Viehfutter.

Forscher suchen Feldfrüchte der Zukunft

Was an diesem Tag in Neuses am Berg dennoch offensichtlich ist: Viele Landwirte sind bereit, neue Feldfrüchte auszuprobieren. Sie berichten von Notreife beim Getreide, bis zu 40 Prozent Einbußen beim Mais. Nach 2018, 2019 und 2020 erlebt Unterfranken in diesem Jahr wahrscheinlich wieder ein Trockenjahr. Ob jedoch Kichererbsen, Hirse oder Quinoa langfristige, ertragreiche Alternative sind – das mag an diesem Tag niemand prognostizieren.

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