BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Trockenheit in Franken: Wie ein Dorf darunter leidet | BR24

© BR/Marc Neupert

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Unterstützung im Kampf gegen die Trockenheit in Franken angekündigt. Auch die Anwohner in Hardhof leiden unter dem Wassermangel.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Trockenheit in Franken: Wie ein Dorf darunter leidet

Seit Tagen hat es in Franken nicht geregnet. Die Trockenheit macht den Menschen das Leben schwer – zum Beispiel in Langenzenn. Dort sehnen sich die Bürger eine Lösung der Wasserkommission herbei, die Ministerpräsident Söder demnächst einberufen will.

2
Per Mail sharen

Wie knapp das Wasser derzeit ist, merkt Stefan Krach aus dem Langenzenner Ortsteil Hardhof in Mittelfranken, wenn er in seiner Küche den Wasserhahn aufdreht. Nur ein Rinnsaal kommt aus der Leitung. "Das ist ganz normal bei uns", sagt Stefan Krach. Besonders akut ist der Wassermangel in den Abendstunden, wenn die Menschen ihre Gärten gießen. Dann könne es auch mal vorkommen, dass es nur in der Leitung blubbert, erzählt Stefan Krach. Wenn er als Handwerker verstaubt von der Arbeit komme, könne es passieren, dass er mit eingeschäumten Haaren unter der Dusche steht, "und dann steht man da und Tatsache, das Wasser ist weg".

Landwirte in Hardhof leiden unter Regenmangel

Das Dorf Hardhof liegt auf einer Hochebene oberhalb von Langenzenn im Landkreis Fürth. Der Ortsteil mit rund 45 Einwohnern hat mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Die Situation hier ist dramatischer als im Tal. Nur selten kommt Regen vom Himmel. Eine Katastrophe für die Hardhofer Landwirte. Thomas Ziegler ist einer von ihnen. In diesem Jahr, erzählt er, hat er auf seinen Feldern Verluste von etwa 10-20 Prozent eingefahren. Solche langen, trockenen Perioden habe er noch nicht erlebt.

Grundwasserspiegel ist auf der Hochebene extrem niedrig

Hardhof liegt nicht nur auf einer Hochebene, sondern auch an der Abbruchkante einer Lehmgrube. Das lasse das Grundwasser stärker als anderswo sinken. Dementsprechend werde der Ort von trockenen Perioden besonders stark getroffen. "Noch mal zwei so trockene Jahre wie 2018 und 2019, dann wird's richtig kritisch", meint Landwirt Ziegler.

Bäume verlieren vorzeitig ihre Blätter

Viele der 70 Streuobstbäume der Zieglers haben den vergangenen Trockensommer nicht überlebt. Auch in diesem Sommer lassen viele Bäume schon jetzt ihre Blätter fallen. Thomas Ziegler zeigt auf eine Buche, die am Rand seiner Felder steht. Sie ist bereits jetzt, Ende September, kahl. Normalerweise wäre es erst Ende Oktober soweit.

Geologe: Höchste Zeit für Maßnahmen gegen Trockenheit in Franken

Es ist höchste Zeit, dass etwas gegen die Trockenheit in Nordbayern unternommen wird, meint Johannes Barth, Professor für angewandte Geologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Der Wissenschaftler begrüßt es sehr, dass von der Bayerischen Staatsregierung mehr gegen den Wassermangel unternommen wird. Er schlägt zum Beispiel vor, die Fernwasserleitungen und das Überleitungssystem, die Wasser aus dem wasserreichen Donau-Gebiet nach Franken bringen, zu optimieren und zu erweitern. Das Fränkische Seenland entstand vor 50 Jahren als Wasserspeicher für Wasser aus dem Süden Bayerns.

Umweltminister Glauber will ins Wasser investieren

Auch Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat die Trockenheit in Franken auf der Agenda. Die Herausforderung des Klimawandels sei angekommen, sagte Bayerns Umweltminister im BR-Interview. Den Vorschlag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Wasser aus dem Süden in den Norden zu bringen, hält Glauber für eine gute Idee und will dennoch einen größeren Bogen spannen.

"Wir werden in den nächsten fünf Jahren mindestens eine Milliarde oder noch mehr investieren müssen. Diese Haushaltsansätze werden wir vorstellen. Ich glaube, man muss das mehrteilig denken, also in der Fläche das Wasser halten, im Gewässer, im Wald, im Moor. Man muss im Prinzip die Grundwasserneubildung anregen." Thorsten Glauber (Freie Wähler), Bayerns Umweltminister

Idee: Regen soll häufiger vor Ort genutzt werden

Für Geologe Johannes Barth sei es aber auch wichtig, lokale Niederschläge zu nutzen. So gebe es zum Beispiel das Konzept der "Schwammstadt", bei der versucht werde, Regenwasser, das auf die Dächer fällt, nicht in die Kanalisation zu leiten, sondern in einen speicherfähigen Untergrund. Damit könne dann das Grün in der Stadt bewässert werden – so wie ein Schwamm eben, der nach und nach Wasser abgibt.

Wegen Trockenheit protestiert Hardhof gegen geplantes Riesen-Gewächshaus

Auch Landwirt Thomas Ziegler vertraut eher auf lokale Lösungen. Er bezweifelt, dass es möglich ist, flächendeckend Wasser aus regenreichen Regionen nach Franken zu bringen. Deshalb wehrt sich Ziegler auch, zusammen mit vielen anderen Hardhofern, gegen den geplanten Bau eines XXL-Gewächshauses. Ein Landwirt aus dem Nürnberger Knoblauchsland will landwirtschaftliche Flächen in Hardhof kaufen und in einem Gewächshaus auf 100.000 Quadratmetern Bio-Gemüse anbauen. Das, meinen die Hardhofer, trocknet unsere Böden noch mehr aus. Immer wieder montags gehen die Bürger deshalb auf die Straße und demonstrieren.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!