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Trisomie-Bluttest als Kassenleistung: Bei den Kirchen umstritten | BR24

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Es gibt mehrere Methoden, um eine Form der Trisomie wie das Down-Syndrom bei Ungeborenen festzustellen. Bisher wurde der Bluttest nicht von den Kassen bezahlt. Nun soll er in den Leistungskatalog aufgenommen werden, in begründeten Einzelfällen.

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Trisomie-Bluttest als Kassenleistung: Bei den Kirchen umstritten

Der Bluttest auf ein erhöhtes Risiko, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, soll künftig zur Kassenleistung werden. Auch die Kirchen diskutieren über diese Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses. Und hier gibt es nicht nur Gegenstimmen.

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Der Test ist unkompliziert. Ein paar Tropfen Blut der Schwangeren genügen - das Risiko einer Fehlgeburt wie etwa bei der Fruchtwasseruntersuchung entfällt. Und gerade deshalb ist seine Etablierung als Kassenleistung besonders gefährlich, argumentieren viele. Die katholische Kirche ist eindeutig dagegen. Der Test werde auf diese Weise zur gesellschaftlichen Norm.

Katholische Kirche gegen Bluttest

"Die Regelleistung setzt die Frauen und ihre Familien stärker unter Druck", fürchtet etwa Emilia Müller, Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds. "Es ist auch ein Rechtfertigungsdruck für Frauen, wenn sie diese Leistung nicht in Anspruch nehmen." Eine "genetische Rasterfahndung" befürchtet auch der Augsburger Weihbischof Anton Losinger. In 90 Prozent der Fälle, in denen ein Gentest eine Behinderung erkennen lässt, komme es zum Schwangerschaftsabbruch, argumentiert Losinger, der viele Jahre für die katholische Kirche Jahre im Nationalen Ethikrat saß.

Evangelische befürwortet Kassenleistung

Die evangelische Kirche sieht ebenfalls die Gefahren, kommt in der Praxis aber zu einem anderen Schluss. Der evangelische Ethiker Reiner Anselm argumentiert: "Wir müssen mit dem Vorhandensein dieser Tests leben und sie nicht dem Markt überlassen, sondern den durchaus geschulten Gremien im ärztlichen, im gesellschaftlichen Kontext."

Die evangelische Kirche befürwortet die Kassenleistung also, allerdings nur, um die Möglichkeit zu schaffen, gesellschaftlich steuernd einzugreifen. Ihre zentrale Forderung lautet: Schwangere Frauen müssen ethisch qualifiziert zum Thema Gentest beraten werden – und zwar schon im Vorfeld. "Uns ist es wichtig, dass man auch auf das Recht auf Nichtwissen vorher hinweist", sagt Reiner Anselm, "dass man sich überlegen soll, wie man im Falle einer Diagnose reagieren würde."

Auch Gentests auf Augen- oder Haarfarbe denkbar

Ignorieren können die Kirchen den Trisomietest ohnehin nicht. "Was einmal in der Welt ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen", sagt der evangelische Theologe Anselm. Auch Weihbischof Losinger macht sich keine Illusionen ("der Geist ist aus der Flasche"). Ein Grund mehr für eine breite gesellschaftliche Diskussion. Schließlich seien in Zukunft auch Gentests auf Augen- oder Haarfarbe denkbar, auch, wenn das nach dem derzeitigen Gendiagnostikgesetz in Deutschland verboten wäre. "Hier wird für mich ein weiteres philosophisches, gesellschaftliches Problem klar", sagt Losinger, "dass Genetik sehr stark mit dem Ziel der Optimierung des Menschen betrieben wird."

Diese Optimierung könne dazu führen, dass der "perfekte Mensch" angestrebt wird. Und dieser stellt nach Ansicht von Anton Losinger eine Gefahr für den "imperfekten Menschen" dar. Auch wenn sie im Detail einen anderen Zugang zum Thema haben: Die katholische wie die evangelische Kirche sind sich einig: Der Bluttest und vor allem seine Zulassung als Regelleistung birgt Risiken.

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kassen und Kliniken hat heute bekannt gegeben, dass die gesetzlichen Krankenkassen künftig unter Umständen den Bluttest auf das Downsyndrom bei ungeborenen Kindern zahlen sollen. Allerdings ist die Möglichkeit auf begründete Einzelfälle von Risikoschwangerschaften begrenzt.

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Die Entscheidung für Trisomie-Bluttests unter Auflagen sei schwierig gewesen. Das sagte der CSU-Bunderstagsabgeordnete Stephan Pilsinger der Rundschau im BR Fernsehen

Sendung

Religion und Orientierung

Von
  • Alkyone Karamanolis
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