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SPD und Grüne fordern vierte Reinigungsstufe für Abwasser | BR24

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Arzneimittelreste, Hormone und Pestizide, all dies landet täglich in unserem Abwasser. Durch eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen könnten diese Stoffe weitgehend beseitigt werden.

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SPD und Grüne fordern vierte Reinigungsstufe für Abwasser

Durch eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen könnten Arzneimittelreste, Hormone und Pestizide, die täglich im Abwasser landen, weitgehend beseitigt werden. Doch in Bayern gibt es dafür noch keine Fördermittel. SPD und Grüne wollen dies ändern.

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Deutsche Haushalte rüsten immer weiter auf, was Arzneimittel, Körperpflegeprodukte oder Putzmittel betrifft. Die Folge: Die Menge der Mikroschadstoffe im Abwasser nimmt deutlich zu und täglich kommen neue Schadstoffe hinzu. Das muss sich ändern, so die Meinung von Bündnis 90/Die Grünen und SPD im Bayerischen Landtag. Gerade jetzt sei der Bau der vierten Reinigungsstufe ein sinnvolles Konjunkturprogramm für Bayern, sagt der umweltpolitische Sprecher der SPD, Florian von Brunn.

Zumindest bei den großen Kläranlagen, wie beispielsweise in München, fordert der SPD-Sprecher die vierte Reinigungsstufe. "Hier sollte die Staatsregierung ein Förderprogramm auflegen, damit die Kommunen das nicht alleine leisten müssen", so von Brunn. Denn das Fehlen von Fördergeldern würde bedeuten, dass die Kommunen die Kosten den Haushalten auflasten müssten und so würden die Abwassergebühren deutlich steigen.

Grünen-Sprecher: Forschung in Pilotprojekten sei "Verzögerungstaktik"

Während in Baden-Württemberg und in der Schweiz jährlich zweistellige Millionensummen für die vierte Reinigungsstufe ausgegeben werden, will Bayern bei dem Thema Förderung erstmal abwarten. In einem Pilotprojekt in Weißenburg-Gunzenhausen erforsche Bayern neue Techniken für die vierte Reinigungsstufe, heißt es im bayerischen Umweltministerium auf BR-Anfrage. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag Christian Hierneis hält dies nur für eine Verzögerungstaktik.

"Wir werden auf jeden Fall darauf drängen, dass Bayern hier endlich loslegt, sich nicht immer nur auf das eine Pilotprojekt rausredet, an dem sie jetzt seit Jahren rumdoktern", sagt Hierneis. Es müsse nichts mehr geforscht werden, es sei klar, was eine vierte Reinigungsstufe leisten könne, "und die brauchen wir jetzt auch schnell in Bayern." Man sehe an anderen Ländern wie Baden-Württemberg, dass der Bau möglich sei. "Die haben schon 16 Anlagen errichtet, wir haben noch keine, da stimmt was nicht, da muss jetzt sofort losgelegt werden", so Hierneis.

Zehn bis 20 Euro höhere Abwassergebühren jährlich

Die vierte Reinigungsstufe kostet Geld, soviel ist klar. Selbst bei kleineren Kläranlagen sind es Millionensummen. Für den Gebührenzahler sind dies jährlich etwa zehn oder 20 Euro mehr Abwassergebühren. Dies müsse uns sauberes Wasser aber auch wert sein, sagt Hierneis.

"Es wird viele Millionen Euro kosten, aber die Kosten, die entstehen, wenn wir unsere Umwelt weiter verschmutzen und damit auch unsere Gesundheit ruinieren, werden wahrscheinlich viel größer werden." Christian Hierneis

Grüne und SPD: Schadstoffverursacher belangen

Grüne und SPD sehen aber auch die Verursacher der Mikroschadstoffe in der Pflicht. Auch wenn dies juristisch nicht so einfach sei, so SPD-Sprecher Florian von Brunn, sei der Ansatz auf jeden Fall richtig. Man müsse Gesetze erlassen, damit nicht so viel Mikroplastik und Pestizide ins Abwasser gelangen. "Das wäre das Allerbeste, weil dann können wir uns die hohen Ausgaben für die Kläranlagen sparen."

Es bleibt ein Abwägen: Was ist uns sauberes Wasser wert? Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wird es in Bayern mit dem Bau der vierten Reinigungsstufe wohl noch einige Jahre dauern.

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