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Volker Tretzel: "Ich habe in meiner Firma mehr Stress" | BR24

© BR / Sebastian Grosser

Seit sechs Monaten sitzt der Regensburger Unternehmer Volker Tretzel im Korruptionsprozess auf der Anklagebank - und scheint das Verfahren gelassen hinzunehmen. Erstmals äußerte er sich nun ausführlich.

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Volker Tretzel: "Ich habe in meiner Firma mehr Stress"

Seit sechs Monaten sitzt der Regensburger Unternehmer Volker Tretzel im Korruptionsprozess auf der Anklagebank - und scheint das Verfahren gelassen hinzunehmen. Erstmals äußerte er sich nun ausführlich.

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Im Regensburger Korruptionsprozess stand am Montag die Person Volker Tretzel im Mittelpunkt. Über seine finanziellen Verhältnisse machte er dabei aber nur wenige Angaben. Dafür gab er Einblicke in seinen persönlichen Werdegang, wie er von einem Rechtsanwalt zu einem führenden Bauunternehmer in Regensburg wurde.

"Ästhetik und Effizienz", das ist was Hobbyflieger Volker Tretzel an seinem Sport begeistert. Und zumindest der letzte Punkt trifft auch abseits der Freizeitinteressen zu. Der Tenor seiner Erklärung vor Gericht zu seinen persönlichen Verhältnissen: Effizienz bestimmt auch Tretzels berufliches Wirken. Nach dem juristischen Staatsexamen, das der 76-Jährige mit einer Note ablegte, "die zum Richteramt gereicht hätte", war Tretzel zunächst als Anwalt tätig.

Tretzel entwickelte eigenen Häusertyp

Ausschlaggebend für den Jobwechsel war die Begegnung mit einem Bauunternehmer, der in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Laut eigener Auskunft analysierte er genau, worin die Gründe dafür lagen: schlechte Architekten. Kurze Zeit später stieg er in das Baugeschäft ein, indem er auf einem Grundstück seiner Frau die ersten zehn Reihenhäuser baute und einen eigenen Häusertyp entwickelte.

In den 80er-Jahren wechselte er von Augsburg nach Regensburg, wo er sich auf den Wohnungsbau konzentrierte. Ein erstes großes Projekt war eine Wohnanlage am Rennweg, im Südwesten der Stadt.

Von Banken habe er schnell Kredite gewährt bekommen, weil diese sich von einem IT-Programm zur "grafischen Darstellung von Vorgängen" überzeugen ließen. Das hatte der Bauträger selbst mitentwickelt und reduzierte die Bauzeit angeblich um mehrere Jahre. Später kam noch ein zweites Programm dazu.

Zu seiner aktuellen Vermögenssituation machte Volker Tretzel keine Angaben. Nur kurze Hinweise, als er über seine Interessen spricht, geben ein vagen Einblick: So soll er inzwischen drei Segelschiffe und vier Flugzeuge besitzen. Von seinem ersten Geld habe er aber nichts dergleichen gekauft, sondern einen Steinway-Flügel. Aktuell beziehe sein Mandant kein Geschäftsführergehalt und nutze auch keinen Dienstwagen der Firma BTT, erklärte Anwalt Florian Ufer und fügte hinzu: Weitere Angaben zu den finanziellen Verhältnissen werde Tretzel nicht machen.

U-Haft: "Vom Militär bin ich Stockbetten gewohnt"

Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Elke Escher gab Bauträger Tretzel stattdessen Auskunft über seine Zeit in der Untersuchungshaft. Diese sei kein Problem für ihn gewesen, im Gegensatz zu manch anderem. "Vom Militär war ich Stockbetten gewohnt." Tretzel berichtete, dass er davon überrascht gewesen wäre, was er an Menschlichen im Gefängnis erlebt habe. "Es waren nette Kerle, die mir leidtun", sagte Tretzel.

Laut eigener Aussage führte er ein "Eremitendasein", sei froh gewesen, weg vom Stress zu sein. Auch, als Tretzel auf den Prozess angesprochen wird, wirkt es so, als ob er damit sehr locker umgehen könne.

"Es ist manchmal sehr erholsam, hier zu sitzen. In der Firma habe ich mehr Stress, das können sie mir glauben." Volker Tretzel

Er glaube nicht, dass der Prozess schlechte Auswirkungen auf sein Ansehen habe, trotz der Berichterstattung über ihn. Mit einem leichten Grinsen merkte Tretzel an: "Wir haben noch Wohnungen verkauft, da liefen die Ermittlungen schon." Die Leute hätten erst durch die Zeitung gewusst, dass es bei ihm günstige Wohnungen zu kaufen gebe.

Erst vor wenigen Tagen hat Tretzel gegen die Regensburger Staatsanwaltschaft geklagt. Er will sich gegen deren Pressearbeit wehren.

Folgen der U-Haft für Ex-BTT-Geschäftsführer

Während Tretzel durchweg sehr munter und mit einem Lächeln seine persönlichen Verhältnisse darlegte, war das bei den Ausführungen des mitangeklagten Ex-BTT-Geschäftsführers anders. Der 53-Jährige berichtete mit teils gebrochener Stimme über die Ermittlungen gegen ihn und die Folgen, die die U-Haft für ihn hatte. "Ich bin davor nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen." Vor allem die Gerüchte seien für ihn und seine Familie schlimm gewesen. In seiner kleinen Heimatstadt, wo er sich in mehreren Vereinen engagierte, musste er Posten räumen, da die Vorstände ihn nicht mehr für geeignet hielten. Dass seine Söhne nicht mehr zu Hause wohnen, sei gut, "damit sie ein bisschen Abstand haben." Eine psychologische Betreuung habe er nach der Haft nie erhalten.

Der Ex-Tretzel-Mitarbeiter berichtete auch über die Strukturen bei der Firma BTT, für die er seit 1990 arbeitete. Der gelernte Maurer wurde schnell mit Leitungsaufgaben betraut, zuletzt war er Geschäftsführer. Obwohl in dem Unternehmen das Vier-Augen-Prinzip gegolten habe - Schecks und Baupläne mussten immer von zwei leitenden Mitarbeitern abgezeichnet werden -, verantworte jeder seinen Bereich selbstständig.

Seinen ehemaligen Chef beschreibt Tretzel als "außergewöhnlichen Menschen", dem er für die lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit danke. "Ich wollte es dem Herrn Tretzel immer Recht machen." Das gute Verhältnis ging so weit, dass beide zusammen Urlaub machten, auf der Tretzel-Yacht.

Doch mit der Zeit verschlechterte sich das Verhältnis, so der Ex-Mitarbeiter. Tretzel habe immer häufiger über das große Ganze reden wollen, teils stundenlang: "Es ging nicht mehr um das Geldverdienen." Zunehmend bestimmte die Arbeit auch sein Privatleben, so dass er sich entschloss, zu kündigen.

Ein Urteil im Korruptionsprozess wird voraussichtlich erst im Sommer fallen.

Vergangene Woche hatte Oberbürgermeister Wolbergs vor Gericht über seine persönlichen Verhältnisse sprechen müssen.