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Die Deutsche Bahn hat eine Liste mit 20 Strecken vorgestellt, bei denen sie die größte Chance auf eine Reaktivierung sieht. Darunter sind auch die Höllentalbahn bei Hof und die Werrabahn bei Coburg.

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Trendwende: DB will Werra- und Höllentalbahn reaktivieren

Die Bahn will zwei stillgelegte Strecken in Oberfranken reaktivieren. Sowohl die Höllentalbahn bei Hof als auch die Werrabahn bei Coburg stehen auf einer Liste von 20 Strecken, deren Wiederinbetriebnahme bundesweit höchste Priorität genießt.

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Von
  • Lorenz Storch
  • BR24 Redaktion

Die Deutsche Bahn will zwei seit Jahrzehnte stillgelegte Strecken zwischen Oberfranken und Thüringen reaktivieren. Sowohl die Höllentalbahn bei Hof als auch die Werrabahn bei Coburg stehen auf einer Liste von 20 Strecken bundesweit, die die Deutsche Bahn vorrangig wieder in Betrieb nehmen will. Naturschützer fordern, im Falle einer Reaktivierung der Höllentalbahn den Bau eines vier Kilometer langen Tunnels. Der Freistaat reagiert skeptisch auf die Pläne der Bahn.

Experten untersuchen 346 stillgelegte Bahnstrecken

Eine Taskforce der Deutschen Bahn hat insgesamt 346 stillgelegte Strecken in ganz Deutschland auf ihr Potenzial zur Reaktivierung bewertet. Das Ergebnis war, dass zunächst 20 Strecken mit höchster Priorität verfolgt werden sollen, weil die Bahn hier die größten Chancen zur Verwirklichung und "wirklichen Nutzen für den klimafreundlichen Schienenverkehr in Deutschland" sieht. Das Konzept für die Höllentalbahn sei "relativ klar", so Jens Bergmann, DB-Netz-Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte. Es handle sich um einen klassischen Lückenschluss.

Erst Machbarkeitsstudien nötig

Auch der Münchner S-Bahn-Nordring steht auf der Liste der Projekte, die die Deutsche Bahn als erstes angehen will. Im Gegensatz zum Münchner Beispiel steht eine Reaktivierung der beiden oberfränkischen Strecken jedoch noch ganz am Anfang. Es existiert jeweils nur eine Konzeptidee, Machbarkeitsstudien stehen noch aus. Entscheidend ist außerdem die Unterstützung der Bundesländer. Zumindest von bayerischer Seite stünden konkrete Zusagen noch aus. Aus Thüringen sei die Unterstützung für die beiden Bahn-Lückenschlüsse an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze größer.

Verkehrsministerium reagiert skeptisch auf Pläne der Bahn

Auf Nachfrage des BR reagiert man im bayerischen Verkehrsministerium skeptisch auf die Pläne. Es sei eine unternehmerische Entscheidung der Bahn, ob sie die beiden Strecken wieder in einen fahrbaren Zustand bringt, schließlich gehörten sie auch der DB Netz AG. Finanzieren müsse das dann laut Grundgesetz der Bund.

Schreyer: Bahn muss Reaktivierung selbst bezahlen

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) betont: "Wir stehen der Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Entscheidend dafür ist aber, dass die Reaktivierung ökonomisch und ökologisch sinnvoll und vor Ort auch gewollt ist. Wenn die Deutsche Bahn diese beiden Strecken reaktivieren will, muss sie selbst die Grundlagen dafür nachweisen und die Reaktivierung auch aus eigenen Mitteln bezahlen."

Wesentlich für die Wirtschaftlichkeit der reaktivierten Strecken sie die Zahl der Nahverkehrszüge, die darauf verkehren würde. Das Verkehrsministerium sehe "keine ausreichende Nachfrage, die eine Bestellung von Nahverkehrszügen auf diesen eventuell wiederhergestellten Strecken rechtfertigen würde", so ein Sprecher. Die Prognosen lägen deutlich unter den 1.000 Reisenden am Tag, die in Bayern als Mindestmaß für eine Reaktivierung gelten.

Pro Schiene: "Höllentalbahn besonders kompliziert"

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, sagte auf BR-Nachfrage, die Höllentalbahn sei besonders kompliziert, weil zwei Bundesländer zusammenwirken müssen. Aber: "Ich sehe sehr gute Chancen, dass wir da jetzt endlich weiterkommen." Zwei Dinge würden Bayern und Thüringen zusammenbringen: Zusätzliche Förderprogramme des Bundes und der steigende Druck durch die Klimakrise. Auch Bahn-Vorstand Bergmann sprach von einer "deutlichen Veränderung der Rahmenbedingungen" durch Förderzusagen des Bundes und den geplanten Deutschlandtakt.

Historische Trendwende: Reaktivieren statt stilllegen

Martin Henke, Geschäftsführer Eisenbahnverkehr des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), nannte die Entscheidung der Deutschen Bahn, sich aktiv für die Reaktivierung von Strecken einzusetzen "historisch". In den vergangenen Jahrzehnten seien Strecken stillgelegt worden, jetzt sei eine Trendwende da.

Höllentalbahn hat vor Ort Fans und Gegner

Die Höllentalbahn ist eine fünf Kilometer lange Strecke zwischen Marxgrün, einem Ortsteil von Naila im Landkreis Hof, und dem thüringischen Blankenstein. Die Trasse ist noch vorhanden, die Gleise jedoch demontiert. Sie gilt als bedeutend vor allem für den Güterverkehr, unter anderem für die nahe gelegene Papierfabrik im thüringischen Blankenstein. Bahnunterstützer wie der Verein Höllennetz fordern seit langem die Reaktivierung. Die Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz hatte sich im Mai nach jahrelanger Diskussion gegen die Reaktivierung ausgesprochen, weil die Strecke durch ein Naturschutzgebiet führt.

Braucht die Werrabahn eine neue Trasse?

Die Werrabahn verband einst Coburg mit Eisenach, an der ehemaligen innerdeutschen Grenze fehlt ein etwa zwanzig Kilometer langes Stück. Die Trasse ist an einigen Stellen überbaut und müsste möglicherweise neu geführt werden. Das wünscht sich auch der Landkreis Coburg, zumal es aus der Gemeinde Lautertal an der alten Strecke Widerstand gibt. Der Fahrgastverband Pro Bahn und die IHK fordern die Reaktivierung seit Langem.

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Die Deutsche Bahn will zwei seit Jahrzehnte stillgelegte Strecken zwischen Oberfranken und Thüringen reaktivieren.

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