BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Trend: Jugendliche machen seltener den Führerschein | BR24

© BR

Immer weniger Jugendliche machen den Führerschein.

58
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Trend: Jugendliche machen seltener den Führerschein

Der Führerschein – lange galt er für Jugendliche als Schlüssel zur Freiheit. Zahlen des Kraftfahrtbundesamts besagen jedoch: Immer weniger junge Leute machen ihn. Woran liegt das?

58
Per Mail sharen
Von
  • Julia Ruhs

Für Fahrschülerin Lydia aus München war klar, dass sie mit 18 den Führerschein machen wird. Für sie gehört das einfach zum Erwachsenwerden dazu, wie für viele Freunde auch. Trotzdem: Nicht allen geht es so wie ihr. Ein paar in ihrem Bekanntenkreis machen keinen Führerschein. "Das sind die, die in der Innenstadt wohnen und eh nur öffentlich rumfahren", erzählt Lydia.

Zahlen sinken – trotz demografischem Wandel

Diese paar scheinen deutlich mehr zu werden. Immer weniger junge Leute machen nämlich den Führerschein, das besagen Zahlen des Kraftfahrtbundesamts. Rechnet man davon den demografischen Wandel heraus, kommt man immer noch zum selben Schluss: Es gibt zwar immer weniger Jugendliche in Deutschland, aber die absolvieren dann auch seltener die Fahrschule.

Das bestätigt auch Fahrlehrer Markus Boldt von der Fahrschule Gressler in München: "Der Führerschein ist nicht so wie früher das Non-Plus-Ultra zum Erwachsenwerden oder beim Thema Freiheit." Trotzdem werde der Führerschein immer noch als wichtig angesehen, um mobil zu bleiben. Und das natürlich vor allem auf dem Land.

Das Handy ist heute ein wichtigeres Statussymbol

Trotz der rückläufigen Zahlen mangelt es ihm nicht an Kundschaft. In den vergangenen Jahren hat sich aber schon etwas geändert: Denn nicht nur der Führerschein, auch das Auto insgesamt ist nicht mehr so wichtig: "Das Handy ist heutzutage das A und O. Das Auto hat gewaltig verloren als Statussymbol."

Öffentlicher Nahverkehr gut genug – zumindest in der Stadt

Auch für Anja sind Autos nicht so wichtig. Die 18-Jährige steht gerade vor der Entscheidung, ob sie den Führerschein macht oder nicht. Sie will im nächsten Jahr eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin machen, dazu braucht sie den Führerschein. "Sonst mache ich ihn nicht. Ich lebe ja in einer Stadt, ich habe supergute öffentliche Anbindungen. Und ich fahre auch lieber Zug als Auto, dann kann ich die Zeit für angenehmere Sachen nutzen, als eine Straße anzustarren", meint sie.

Kosten, bei manchen auch Klimaschutz wichtig

Auch der Klimaschutz spielt für Anja eine Rolle. In ihrer Freizeit engagiert sie sich für die Jugendbewegung Fridays for Future. Auch aus diesem Grund, und mehr noch weil die Fahrschule so viel kostet, will sie den Führerschein eigentlich gar nicht - bloß für die Ausbildung braucht sie ihn.

Neuer Führerschein-Trend durch Corona

Zwar fährt Anja noch gern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – gerade die werden für viele wegen Corona aber im Moment zu einem Hygiene-Problem. Plötzlich will niemand mehr zusammengepfercht in den U-Bahnen stehen. Und auch das Geld für den Führerschein hat sich plötzlich schneller angespart, weil die Urlaubsreisen für viele in diesem Jahr ausgefallen sind. Eine Art Gegentrend hat Fahrlehrer Markus Boldt in seiner Fahrschule deshalb schon bemerkt: "Gerade in Zeiten von Corona erleben wir im Großraum München wirklich ein Comeback von sehr vielen Anmeldungen von Leuten, die den Führerschein bewusst jetzt wieder machen." Bei ihm war es vor allem der Motorrad-Führerschein, der dieses Jahr boomte.

Warteliste bei den Theorie-Stunden

Bei den Theorie-Stunden hat er mittlerweile eine Warteliste, wie andere Münchner Fahrschulen auch. Denn im Moment können nicht so viele Menschen gemeinsam in den Schulungsraum wie sonst.

Fahrlehrer Markus Boldt bemerkt aber noch einen zusätzlichen Trend, der mit Corona nichts zu tun hat: Junge Leute machen den Führerschein etwas später als das in früheren Zeiten üblich war. "Der Großteil macht erst die Schule fertig und macht den Führerschein, kurz bevor die Ausbildung oder das Studium beginnt“, sagt er. Seiner Meinung nach werde der Schulabschluss für die Jugendlichen immer wichtiger und auch der Straßenverkehr komplexer, gerade in München. "Den Führerschein nebenher zu machen, neben Schule oder Arbeit, wird deshalb immer schwieriger", erklärt er. Markus Boldt wird also wohl auch in Zukunft genug zu tun haben.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!