Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Traunstein feiert 400 Jahre Salinenstadt und das Weiße Gold | BR24

© BR

Die älteste Pipeline der Welt wurde vor 400 Jahren in Traunstein errichtet. Sie hat Salz transportiert und machte die sogenannten Samer, die zuvor das Salz trugen, überflüssig.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Traunstein feiert 400 Jahre Salinenstadt und das Weiße Gold

Die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Jubiläum der Saline Traunstein erreichen an diesem Wochenende ihren Höhepunkt. Im Holzknechtmuseum Ruhpolding startete heute ein historischer Samerzug mit sogenannten Salzfuhrleuten.

Per Mail sharen
Teilen

Elf sogenannte "Salzfuhrleute" wandern mit ihren sieben bepackten Saumrössern über Inzell und Siegsdorf in die einstige Salinenstadt Traunstein: Mit diesem "Samerzug" wird das 400-jährige Jubiläum der Saline Traunstein an diesem Wochenende gefeiert. Alle Orte auf der insgesamt 32 Kilometer langen Strecke empfangen den Zug mit einem kurzen Theaterstück zum Thema Salz. Die Samer transportierten bis in die frühere Neuzeit begehrte und teure Waren wie zum Beispiel das "weiße Gold" per Pferd oder Esel auf schwierigen und gefährlichen Strecken in die Gemeinden und zu Käufern.

Kleine Salzsäckchen aus der großen Siedepfanne

Die Ruhpoldinger Samer werden am Samstag mit ihren Pferden gegen 14 Uhr am Wochinger Spitz in Traunstein erwartet und vom Fanfarenzug der Veitsgroma Zunft zum neu eröffneten Salinenpark begleitet. Dort wird weiter gefeiert: So wird mit einer großen Sudpfanne, die aus Bad Reichenhall ausgeliehen wurde, das alte Handwerk des Salzsiedens vorgeführt. Das Salz kann in kleinen Säckchen gekauft werden. Der Erlös kommt einem wohltätigen Zweck zugute.

Festzug von Gruppen und Vereinen

Außerdem werden Deicheln gebohrt. Die Soleleitung, die von Reichenhall nach Traunstein führte, bestand aus mehr als 8.000 Röhrenstücken, sogenannten Deicheln. Das sind durchlöcherte Baumstämme. Am Sonntag ab 10.30 Uhr findet ein historischer Festzug durch Traunstein statt. Gruppen und Vereine zeigen das Leben zur Zeit der Salzproduktion. Der Zug startet am Salinenpark und führt über die Salinen- und Maximilianstraße zum Maxplatz. In Traunstein gibt es noch immer zahlreiche historische Salinenhäuser, die aufwändig renoviert und saniert wurden. Die Saline wurde im Jahr 1912 geschlossen.

Weißes Gold war unverzichtbar

Als "weißes Gold" hat das Salz über viele Jahrhunderte hinweg die Kulturgeschichte in Südostbayern deutlich geprägt. Das Lebens-, Würz- und Konservierungsmittel war unverzichtbar und wurde teuer gehandelt. Neben den Pferdegespannen der Samer und dem Festwagen zum Deichelbau, treten auch Gruppen von Holzknechten und Eisenarbeitern, die Schäffler sowie die Nicolaibruderschaft aus Wasserburg bei den Feierlichkeiten auf.

Neuer Salinenpark

Passend zum Jubiläum ist bereits der neue Salinenpark eröffnet, den zwei technische Meisterwerke der Salinenzeit mit Brunnen sowie ein Apothekergarten mit rund 140 Heilpflanzen schmücken. Seit Kurzem ist auch die angegliederte Ausstellung zur Salzgeschichte im Ferdinandistock eröffnet. Die Salinenstadt wurde von Reichenhall aus mit flüssiger Sole aus einer neu entdeckten Quelle beliefert.

Sole in 8.000 Röhrenstücken 250 Meter hoch gepumpt

In einem der technisch und finanziell aufwendigsten Bauvorhaben der damaligen Zeit wurde dafür durch das Gebirge eine 31 Kilometer lange Versorgungsleitung aus Deicheln gebaut. Mittels sieben neuentwickelter Pumpwerke überwand "die erste Pipeline der Welt" einen Höhenunterschied von 250 Metern ins waldreiche Traunstein. Erst hier gab es genügend Holz, um die Siedepfannen zu befeuern.