BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© www.corneliusbierer.de
Bildrechte: www.corneliusbierer.de

Ein modernes Holzhaus, das fast wie eine Kirche anmutet.

Per Mail sharen

    Traumhaft wohnen im Allgäu: Ein nachhaltiges Holzhaus

    Ein junges Architektenpaar aus Memmingen beschließt, im Unterallgäu ein eigenes Haus zu bauen. Die Architektur: modern und innovativ. Der Baustoff: Holz. Im Interview erzählt Maria Horejschi von Planung, Durchführung und vielen Herausforderungen.

    Per Mail sharen
    Von
    • Benedikt Mahler

    Regionale Bautradition mit einem modernen Wohngefühl verknüpfen: Das war das Ziel des jungen Architektenpaars Maria und Tom Horejschi aus Memmingen. Im kleinen Ort Heimertingen im Unterallgäu bauten die beiden dann ein eigenes Haus. Hier hatte die Familie von Maria Horejschi lange eine inzwischen geschlossene Bahnhofsgaststätte betrieben. Daneben entstand das neue Heim aus Holz.

    Frau Horejschi, erinnern Sie sich, wie die Entscheidung fiel, die Stadt zu verlassen, um auf dem Land ein eigenes Haus zu bauen?

    Maria Horejschi: Wir waren am Anfang auf Eigentumssuche im Stadtgebiet Memmingen. Da ist die Idee in uns gekeimt, dass wir aus dem Haus der Oma in Heimertingen etwas machen könnten. Meine Oma ist dort mit ihren Geschwistern aufgewachsen. Die Eltern haben eine Bahnhofsgaststätte bewirtschaftet. Wir haben uns dann entschieden, die Baulücke daneben nachzuverdichten und längerfristig auch das alte Bahnhofsrestaurant auf Vordermann zu bringen, um die beiden Häuser später einmal als Generationen-Ensemble nutzen zu können.

    Ist Ihnen der Entschluss, die Stadt zu verlassen, leicht gefallen?

    Am Anfang nicht. Wir haben sehr lange überlegt, ob das das Richtige für uns ist, weil wir eigentlich nicht mehr weg wollten aus der Stadt. Genauer: Wir haben uns sehr an den Memminger Maßstab gewöhnt. Das ist nämlich eine sehr gute Mischung aus ländlichem Maßstab und einer richtigen Stadt. Doch auch das Landleben hat seine Vorteile. Es ist schon ein Luxus, wenn man einen eigenen Garten hat. Und in der Diskussion wurde auch die Wertschätzung dafür größer: Wir haben es hier nicht weit zum Wald, wir haben drum herum viel Platz und sogar Alpenblick.

    © Mahler
    Bildrechte: Mahler

    Das Architektenpaar Maria und Tom Horejschi.

    Sie haben beide Architektur studiert. Wie ist das, wenn man das Haus nicht für einen Kunden, sondern für sich selbst plant?

    Eigentlich planen wir jedes Haus so, dass wir auch selbst darin leben wollen würden. Aber wenn es dann für einen selber ernst wird, stellt man sich schon ständig die Frage: ist das das, was wir wirklich möchten? Wo wir lange Zeit leben wollen? Wir haben uns in der Entwurfs-Schlussphase sehr lange mit Fragen beschäftigt, wie wir uns die Atmosphäre in den verschiedenen Räumen vorstellen. Und dadurch haben sich auch die Ansprüche ergeben, die wir an ein Zuhause haben: dass es nicht nur ein Haus, sondern ein Zuhause werden soll. Das Planen selbst hat uns großen Spaß gemacht, auch weil die Wege kürzer waren, von Kopf zu Kopf.

    Was ist innovativ an Ihrer Bauplanung?

    Wir haben versucht, die Konstruktion zur Technik werden zu lassen, viel Gebäudetechnik wird durch die Konstruktion an sich eliminiert. Die Gebäudeöffnungen sind so platziert, dass man sehr effizient lüften kann. Die Raumanordnung ist auch dementsprechend so gestaltet, dass sich die verschiedenen Temperaturzonen perfekt ergänzen. Und schließlich haben wir uns konsequent für den Baustoff Holz entschieden.

    Welche Vorteile bringt der mit sich?

    Wenn man den Baustoff richtig verwendet, also einplant, dass das Holz gut abtropfen kann, hält das sehr lange und kann Jahrhunderte alt werden. Es gibt schon auch das Vorurteil, dass Holz sehr teuer ist. Aber wenn man nach einem Baustoff sucht, der gewisse Aufgaben erfüllen muss, dann kommt man darauf, das Holz nicht teurer ist als eine Massivbauweise. Holzbau erfordert eine sehr genaue Vorplanung und mit dieser können dann alle Baupläne in der Zimmerei schnell und trocken vorgefertigt werden, weil die Anschlüsse und Verbindungsstücke direkt maschinell gefräst werden. Die Maschine erhält ihre Daten über den Computer, dann kommt das Holzstück da rein, wird abgefräst und ist dann schon reif für die Baustelle. Das ist das, was die Zimmerer vor gut 50 Jahren in mühsamer Handarbeit erst auf der Baustelle selbst gemacht haben.

    Würden Sie die Sache heute wieder so angehen?

    Ja, wir würden das genauso wieder machen. Überrascht hat uns natürlich schon auch, was man leisten kann, wenn man muss und wir hatten sehr viel Unterstützung von der Familie und den Nachbarn. Dazu kam die Situation, dass ich ja mit dem zweiten Kind in der Bau-Hochphase schwanger war. Aber wir sind sehr froh, dass am Ende alles so gut geklappt hat.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!